Feld. Er verlange ausserordentliche Dienste, er- höhe die Abgaben und lasse seine Forderungen mit unerbittlicher Härte eintreiben.32 Richtig schlimm wurden die Klagen aber erst un- ter seinem Sohn Ferdinand Karl. Von ihm schreibt Peter Kaiser: «Zur Verschwendung, zu Willkür und Gewalttätigkeit geneigt, achtete er kein Recht und folgte allein den Stimmungen seines heftigen und leidenschaftlichen Temperaments.»33 Schon bald nach seinem Regierungsantritt beschwerten sich seine Verwandten und die Landschaften beim Kai- ser. Besonders berüchtigt wurde er wegen der nächsten Welle von Hexenverfolgungen. In den Jahren 1678 bis 1680 liess er mindestens 42 Per- sonen als Hexen foltern und hinrichten. Eines der Motive für diese Hexenprozesse - wenn auch nicht das einzige, wie Manfred Tschaikner gezeigt hat34 - war, dass sich die Obrigkeit am Vermögen der Ver- urteilten bereichern konnte. Die Hinrichtungen un- ter Ferdinand Karl gehören zu den grössten He- xenverfolgungen dieser Zeit. Klagen der Untertanen führten schliesslich dazu, dass der Kaiser 1682 die Hexenprozesse durch Fürstabt Rupert von Bodman untersuchen liess. Das Ergebnis ist bekannt: Sämtliche Prozesse wur- den für rechtswidrig erklärt; die konfiszierten Ver- mögen sollten den Nachkommen der Hingerichte- ten zurückgegeben werden. Dazu war der Graf gar nicht in der Lage, vielmehr fuhr er mit den Konfis- kationen fort. Aufgrund neuer Beschwerden wurde er 1684 von der Regierung abgesetzt und ausser Landes gebracht. Die beiden Herrschaften wurden unter kaiserliche Zwangsverwaltung gestellt; kai- serlicher Kommissar war der Fürstabt von Kemp- ten, Rupert von Bodman. 1686 starb Graf Ferdinand Karl von Hohenems. Die Regierung ging nun auf seinen Bruder Jakob Hannibal über, der als leutselig galt. Von ihm er- hofften sich die Untertanen Erleichterungen. Sie setzten sich deshalb auch bei Rupert von Bodman dafür ein, dass die Zwangsverwaltung aufgehoben wurde.35 Die Leutseligkeit des Grafen kommt wohl auch darin zum Ausdruck, dass er 1688 mit den Landschaften einen Vergleich betreffend den Steu- ervertrag von 1614 abschloss, der für die Land-schaften 
insgesamt günstig ausfiel. Der Grundsatz, dass die Landschaften den jährlichen Schnitz zu zahlen hatten und dafür von allen Kreis- und Reichslasten befreit waren, wurde bestätigt. Die Landschaften verpflichteten sich im Gegenzug, etli- che Schulden zu übernehmen. An der Schuldenwirtschaft änderte sich aber auch unter Graf Jakob Hannibal nichts. Der Graf soll u.a. zum Dienst für Österreich drei Kompanien unterhalten haben, was ihn viel Geld kostete.36 Der Konflikt und die Klagen gingen weiter. VERKAUF DER REICHSHERRSCHAFTEN ALS LETZTER AUSWEG 1692 wurde durch den Kaiser eine Untersuchung eingeleitet, die schliesslich zum Verkauf von Schel- lenberg führte. Die Grafschaft Vaduz stand von 1692 bis 1712 unter kaiserlicher Zwangsverwal- tung, doch die finanzielle Situation besserte sich dadurch nicht. Auch Graf Jakob Hannibal III. sah keinen Ausweg aus den Schulden und drängte im- mer stärker auf einen Verkauf von Vaduz und Schellenberg. Seit 1695 hielt er sich immer öfter in Wien auf, wo er - wie Seger an vielen Einzelbei- spielen anschaulich zeigte - überall neue Schulden machte.37 Nach dem Verkauf von Schellenberg betrieb Ja- kob Hannibal III. auch den Verkauf von Vaduz. Das Haus Hohenems verlor nun immer mehr den Be- zug zu Vorarlberg. Die Grafen hielten sich vor- nehmlich in Wien auf, wo sie in kaiserliche Dienste zu gelangen suchten. Mit dem Erwerb der Herr- schaft Bistrau in Böhmen, die für Vaduz einge- tauscht wurde, konnten die wirtschaftlichen Grund- 32) Kaiser, S. 402. 33) Ebenda, S. 405. 34) Tschaikner, S. 99 ff. und S. 123; siehe auch Seger (1957). 35) Kaiser, S. 415. 36) Ebenda, S. 425. 37) Seger (1958), S. 106 ff. 16
        

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