bayerische Fremdherrschaft endete mit dem er- neuten Erscheinen der siegreichen Franzosen in Feldkirch, deren General unverschämte Forderun- gen auch an Liechtenstein stellte, Schikanen auf- baute, erpresste und Schmiergelder nahm.121 Liech- tenstein sollte u. a. täglich für 150 Mann Infanterie und 50 Mann Kavallerie Fourage und Lebensmittel nach Feldkirch schaffen. Das Land wurde mit Se- quester belegt, der Landvogt konnte nicht mehr mit Wien korrespondieren. Der französische General drohte gar mit dem Einmarsch. Der Rheinbund forderte ebenfalls seinen Tribut. Joseph Schuppler schrieb am 6. April 1809 auf sol- che Forderungen hin an den fürstlichen Gesandten Schmitz von Grollenburg:122 «Vergeben mir Euer Excellenz diese vielleicht ungegründeten Bemer- kungen, die ich mir deswegen erlaube, um die in den äussersten Missmuth versetzte Landschaft mit der nun von Euer Excellenz erbittenden Aufklärung beruhigen zu können. Es fehlt dieser Landschaft nicht an guten Willen, das zu thun, was ihr aufer- legt wird, aber ich zweifle ob eine Möglichkeit vor- handen seyn wird, diese Zahlungen vom Lande herein zu bringen. Es ist vielleicht das ärmste Ländchen, das es in der Welt geben mag, in Bezug auf die Landschaft selbst, und den Privatmann über seinen eigentlichen Wert verschuldet. Durch die enormen bayerischen Zölle in dem Absatz des Weines, dem Hauptproducte der Landeserzeugung, gehindert - Durch den herabgefallenen Werth des Viehes in den grössten Schaden versetzet -, vermag es sich kaum selbst kümmerlich zu ernähren, und sich vor dem Hungertode zu retten, viel weniger beträchtliche Abgaben zu bestreiten, und ich weis in der That nicht, welche Mitteln mir übrig bleiben werden, um die bedungenen Termine herein zu bringen; und das Geld einsenden zu können.» Schuppler schildert in seiner Landesbeschrei- bung 1815123 die andauernde desolate Lage wegen Krieg, Missernten, Grenzsperren und anderen Ur- sachen - die grausame Hungersnot der Jahre 1816 und 1817 stand noch bevor. «Unter solchen miss- günstigen Verhältnissen», merkte Schuppler aner- kennend, anderseits kritisch an, «würde jeder an- dere sich mehr auf auswärtigen Verdienst verlegen, 
und jede Gelegenheit bemühen, die sich ihm dar- biethet auf andere Art, als in verschuldeten Land- gütern sein Auskommen zu finden. Allein der Lich- tensteiner sucht solche Auswege nicht, und wenn er gleich mit den grössten Entbehrungen, ja mit dem fühlbarsten Mangel kämpfen muss, so hat er doch zu viel Vorliebe für seine angewohnte Lebens- weise, als dass er sie mit einer andern verwechseln sollte, bei der er strenger, und anhaltender arbei- ten, und seiner persönlichen Freyheit zum Theile entsagen müsste.» NACHKLANG DER GESCHICHTE Die Franzosenzeit hat in Liechtenstein und in der Region einen Nachklang in der Geschichte hinter- lassen.124 Auch darin dokumentiert sich die unver- gessliche Erfahrung der Jahre um 1799 nachhaltig. Es gibt in Liechtenstein Flurnamen, die an diese Ereignisse zurückerinnern, etwa den Franzosa- steig in Mauren, ein steiler und sehr schmaler Fussweg durch den Kirchawingert zum Friedhof hinauf, oder den Franzosenhag und die Franzo- salöcher auf Triesenberg, in welchen die Bevölke- rung die Lebensmittelreserven vor den Franzosen versteckt haben soll. Auch der Froshas ist noch bekannt, eine Schre- ckensfigur, die zwar noch nie gesehen wurde, aber in der Phantasie als furchterregende und unheimli- che Gestalt existiert. Mit Drohungen wie: «Soss khunnt dr Froshas», «Dr Froshas fresst de dänn, wänn d ned ...» oder «D Froshasa khond de soss ge hola» wurden widerspenstige Kinder am Abend mit mehr oder weniger Druck davon überzeugt, dass es wohl besser sei, zu gehorchen und ins Bett zu gehen. Man konnte ja doch nie wissen! Anderseits stammen mit Sicherheit viele der französischen Ausdrücke, die unser Dialekt kennt, nicht von den in Liechtenstein kriegerisch eingefal- lenen Franzosen, sondern von den vielen liechten- steinischen Saisonarbeitern, welche in diesem und im letzten Jahrhundert in der französischen Schweiz und in Frankreich arbeiteten und solche Ausdrücke und Redensarten hierher gebracht ha- 202
        

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