1799 - FRANZOSENZEIT - SCHRECKENSZEIT ARTHUR BRUNHART KRIEGSERLITTENHEITEN UND AUSGLEICH Die allgemeinen Schulden waren so angewachsen, dass die Leute, wie Helbert mutmasste,105 die Zeit ihres Lebens daran zu zahlen hätten. Die Militär- rechnung von 1802 belief sich laut Helbert auf rund 350 000 Gulden, die Brandschatzungen wur- den immer teurer, das gute Geld ging ausser Lan- des. Den Schaden, den das kleine Land erlitten hat- te, wurde für die Zeitperiode von 1794 bis 1802 auf rund eine Million Gulden geschätzt.105 Der Akt «Kriegserlittenheiten 1798-1801» ent- hält ein Verzeichnis für Balzers und Mäls. 61 Haus- haltungen machten Kosten in Höhe von 39 848 Gul- den und 33 Kreuzern geltend. Das Verzeichnis von Mäls umfasst 55 Flaushaltungen mit einer Forde- rung von 15 398 Gulden und 30 Kreuzern. Mäls hatte also etwas weniger gelitten als das an der Transitstrasse Feldkirch-Chur gelegene Balzers. Die Kriegserlittenheiten konnten zwischen den bei- den Landschaften Vaduz und Schellenberg gütlich geregelt werden.107 Nun hatten aber noch die Ge- meinden jeder Landschaft unter sich die Rechnung zu machen. Im Oberland wurden sechs Männer be- stimmt und beeidigt, die den Wert der Naturalien und die Verpflegungskosten der einquartierten Mannschaften zu Fuss und zu Pferd bestimmten. 88) Biedermann, Klaus: Das Rod- und Fuhrwesen im Fürstentum Liechtenstein. In: JBL 97 (1999), S. 7-183. S. 134. 89) Büchel: Helbert, S. 103; vgl. Büchel: Balzers, S. 127. 90) Rheinberger, Rudolf: Liechtensteiner Ärzte des 19. Jahrhunderts. In: JBL 89 (1991), S. 19-112, S. 22. 91) Hillbrand: Feldkirch 1799. S. 26 ff. 92) Büchel: Helbert, S. 111; Kaiser/Brunhart: Geschichte Liechten- steins, Band 1. S. 536 f. 93) Zum Balzner Dorfbrand 1795 vgl. auch Wohlwend, Ingrid: Der Brand von Balzers am 22. Oktober 1795. In: Balzner Neujahrsblätter 1995. S. 61-67. 94) Dazu Büchel: Balzers, S. 137-146. die entsprechende «Specifica- tion» S. 137-142. Vgl. auch Biedermann, Klaus: Das Rod- und Fuhrwesen im Fürstentum Liechtenstein. In: JBL 97 (1999), S. 7-183. hier S. 134. 95) Feger, Alfons: Die Pfarreibücher Liechtensteins II: Triesen. In: JBL 20 (1920), S. 37-59. S. 49; Vogt: Brücken zur Vergangenheit, S. 101. 
96) Zu den Schrecken der Franzosenzeit und speziell auch in Triesen vgl. Büchel: Gemeinde Triesen. S. 873 ff. 97) Menzinger, Moritz: Die Menzinger in Liechtenstein. In: JBL 13 (1913), S. 31-53, hier S. 34. 98) Kaiser/Brunhart: Geschichte Liechtensteins, Band 1, S. 536 f. 99) Wanner: Wirtschafts- und Sozialgeschichte, S. 466. 100) Vgl. Kaiser/Brunhart, Geschichte Liechtensteins, Band 1. S. 537: «Dagegen wurden in allen Gemeinden Armenpflegen errich- tet, jede Gemeinde mußte ihre Armen angeben und die Geistlichkeit wurde aufgefordert, zum Unterhalt der Armen beizusteuern. Man will ein Arbeitshaus errichten, aber man vermag es bei uns nicht»; Vgl. nun Falk-Veits; Weiss: Armut. 101) Kaiser/Brunhart: Geschichte Liechtenstens, Band 1, S. 537; Wanner: Wirtschafts- und Sozialgeschichte, S. 479 f. 102) Wanner: Wirtschafts- und Sozialgeschichte, S. 478 ff.; Falk- VeitsAVeiss: Armut. S. 221 ff.; Büchel: Helbert, S. 116. Vgl. Liechten- steinisches Landesarchiv, LLA RA 24/1/31 (1801), Verordnung des Schwäbischen Kreises gegen Jauner und herrenloses Gesindel vom 18. Dezember 1801. 103) Wanner: Wirtschafts- und Sozialgeschichte, S. 479. 104) Zitiert bei Vogt. Paul: Verwaltungsstruktur und Verwaltungs- reformen im Fürstentum Liechtenstein in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. In: JBL 92 (1994), S. 37-147, S. 100. 105) Büchel: Helbert. S. 115; Kaiser/Brunhart: Geschichte Liechten- steins. Band 1, S. 537. 106) Kaiser/Brunhart: Geschichte Liechtensteins, Band 1, S. 537; Band 2, S. 506 f., nennt die amtliche Schätzung von annähernd einer Million Gulden Erlittenheiten; laut Vogt: Brücken zur Vergan- genheit, S. 98, betrugen die liechtensteinischen Kriegserlittenheiten der Jahre 1798-1807. verursacht durch Truppenverpflegung, Requisitionen an Nahrungsmitteln, Vieh, Heu, Holz, Fuhren, Schanz- arbeiten, Raub und Plünderungen. Beschädigungen in Wäldern. Feldern. Requisitionen ins Ausland. Kontributionen, Beiträge an das Reich und den schwäbischen Reichskreis, für den Unterhalt des liechtensteinischen Kontingents usw. rund 922 000 Gulden, davon gingen die Grossteile an Österreicher und Franzosen; vgl. Wanner: Wirtschafts- und Sozialgeschichte, S. 466: Biedermann, Klaus: Das Rod- und Fuhrwesen im Fürstentum Liechtenstein. In: JBL 97 (1999), S. 7-183, hier S. 135. Anm. 735; Schädler, Albert: Die geschichtliche Entwicklung Liechtensteins mit besonderer Berück- sichtigung der neueren Zeit. In: JBL 19 (1919), S. 5-72. S. 15. 107) In den Jahren nach den Kriegsereignissen zogen sich die Auseinandersetzungen um den Kriegskostenausgleich zwischen den einzelnen Gemeinden. Grundherren, Klerus und Privatleuten lange hin, Fragen über den Verrechnungsmodus, Streitigkeiten über die erlittenen Schäden, über die getätigten Ausgaben und das gegensei- tige Misstrauen zwischen den Gemeinden der oberen und unteren Landschaft prägten die Zeit nach dem Krieg. Zu diesem Fragenkom- plex und zum Kriegsschuldenausgleich 1801-1808 nun Hettegger: Liechtenstein zur Zeit Napoleons und der Koalitionskriege, S. 269-307, auf die sich die folgenden Ausführungen stützen. 199
        

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