KRIEGSSCHÄDEN UND KRIEGSBELASTUNGEN Im Zeitraum März 1799 bis Ende März 1801 waren in Balzers, wie Klaus Biedermann errechnet hat,88 insgesamt 69 Fuhrleute im Einsatz. Sie unternah- men 3 483 Fahrten, davon 2 802 für die Kaiserli- chen und 681 für die Franzosen, und zwar vor- nehmlich auf der Strecke über die St. Luzisteig und nach Feldkirch, für die Franzosen zudem nach Trübbach. Johann Georg Helbert stellte fest,89 dass über die St. Luzisteig täglich 20 bis 40 Wagen ver- kehren mussten, um die einquartierten Truppen mit Mehl, Heu, Haber und FIolz zu versehen. Vaduz zählte 1799-1801 etwa 38 000 Quartiertage.90 Im Mai 1800 setzte der Krieg im Rheintal wieder mit Wucht ein.91 Dreihundert Unterländer mussten auf Befehl der österreichischen Generalität über den Rhein, um die Haager Au zu roden, damit das Militär freie Sicht auf die Landstrasse auf Schweizer Seite hatte.92 Am 13. Juli setzten französische Trup- pen über den Fluss und schlugen in Balzers zwei La- ger auf. Das vor fünf Jahren (1795) abgebrannte und verarmte Dorf93 erlitt neue Requirierungen, Be- schädigungen und Diebstähle. Eine Aufstellung der Schäden vom 13. bis 31. Juli 1800 führt an Requi- rierungen auf:94 Zwei Ochsen, sechs junge Stück Hornvieh, 183 Zentner Heu, 30 Zentner Stroh, 145 Viertel roten Wein, zwölf Viertel Weisswein, neun Viertel Hafer, zehn Viertel Klee, dazu Käse, Brot, Branntwein, Schaffleisch, Bettzeug, Leintücher, Ma- tratzen, Schuhe, Strümpfe, Hemden, Tuch, Erdäp- fel, Kessel etc. Auch der Ortspfarrer Johann Joseph Mähr wurde ausgeraubt und verlor Geld, seine sil- berne Sackuhr, Hemden, Schnupftücher, Hauben, Leintücher, Handschuhe, Schere, Messer, Gabeln, Seifen sowie diverse Lebensmittel wie Speck, Brot, Milch, Eier, Zucker, Schokolade, im Gesamtwert von über 108 Gulden. Das Beispiel des Pfarrers von Triesen spricht ebenfalls für sich: Franzosen, Russen, kaiserliche und Vorarlberger Scharfschützen waren wechsel- weise im Pfarrhof einquartiert gewesen. Die kaiser- lichen Offiziere gingen, erzählt er,95 in die Kost zum Pfarrer, aber die wenigsten zahlten das Kostgeld. Den Franzosen musste man als Feinden alles um-sonst 
geben. Zudem kam, dass die Franzosen das Dorf Triesen 1799 ganz ausgeraubt hatten. «Vor- mittags nahmen sie im Pfarrhof 3 Fuder (1 Fuder = 1 700 Liter) Wein, und nachmittags räumten sie das übrige aus.» Der ausgeplünderte Triesner Pfar- rer hatte nichts mehr als das, was er noch am Lei- be trug. «Salz, Schmalz, Weisswäsch, Brot, Fleisch, Kupfergeschirr, Weinfässer etc. etc. - kurz, alles nahmen sie mit sich fort. Ich wünsche meinem Nachfolger bessere Zeiten».96 In Vaduz warfen die Franzosen, nachdem sie den vorhandenen Wein getrunken hatten, das Ar- chiv im Schloss kurzerhand über die Metz hinun- ter.97 Der Landvogt sammelte ein, was noch zu fin- den war. Vieles war verloren. Die Situation des Fürstentums verschlimmerte sich im Jahre 1800 durch die Ausbreitung einer Maul- und Klauenseuche.98 Im Sommer herrschte ein Dürre, Brunnen trockneten aus, das Heu ver- dorrte, kein Wein wuchs. Die Vorräte waren aufge- zehrt, aus Feldkirch war wenig Hilfe zu erwarten. Landvogt Franz Xaver Menzinger dachte an einen Import aus Tirol, jedoch wurde die leidige Ex- portsperre aufrechterhalten. Der Vaduzer Adler- wirt Johann Rheinberger erhielt schliesslich den Auftrag, die mangelnden Nahrungsmittel aus der Schweiz zu beschaffen.99 1801 kam eine Typhus- epidemie hinzu. Die Not war unbeschreiblich. Die Armut wuchs,100 in den Gemeinden sollten Armenpflegen eingerichtet und die Armen von der Geistlichkeit unterstützt werden.101 Ins Elend geratene Personen suchten sich mit Wandergewerbe durchs Leben zu schlagen, das Bettel- und Gaunerwesen entwickelte sich zu einer Landplage, der man auch mit Raz- zien, Nachtwachen, Landstreifen, Landesverwei- sungen und harten Strafen nicht Herr wurde.102 Im Gegenteil beklagten sich die Beamten des Fürsten, dass die Untertanen «allen herrenlosen Steglern, Kesslern und Diebesgesindel von Zeit zu Zeit Un- terschlaufgewähren,103 ungeachtet dessen, dass sie hörten, es sei dieser oder jener Nachbar ausge- raubt worden». Im Ausland spottete man: «Wer will stehlen und nicht hangen, der lass sich in der Herrschaft Vaduz fangen».104 198
        

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