DER 18. JANUAR 1699 - WENDEPUNKT UNSERER GESCHICHTE? / PAUL VOGT Lustschloss Hellbrunn mit seinen heimtückischen Wasserspielen zeugt bis heute von seiner Liebe zu Prunk und luxuriösen Bauten. Merk Sittich starb 1619. Mit ihm verlor die Familie einen wichtigen Förderer und einen wesentlichen Rückhalt in Öster- reich. Bei seinem Tod hinterliess der Erzbischof von Salzburg Schulden in der Höhe von 267 000 Gulden - er hatte so viel Schulden gemacht wie seine vier Vorgänger zusammen. NIEDERGANG DES HAUSES HOHENEMS IM 17. JAHRHUNDERT Das Umfeld änderte sich für die Grafen von Hohen- ems mit dem Beginn des Dreissigjährigen Kriegs grundlegend. Der Zugang zu den Bündner Pässen wurde für Österreich von strategischer Bedeutung. Eine weitere Ausdehnung der Llohenemser Herr- schaft konnte von Österreich nicht mehr hinge- nommen werden. Der Traum von einem Fürsten- tum Hohenems im Rheintal war ausgeträumt. Graf Kaspar war sich bewusst, dass Rang und Ansehen des Hauses Hohenems in einem zuneh- mend schwieriger werdenden Umfeld bedroht wa- ren. 1614 machte er deshalb ein Testament, in dem er u.a. bestimmte, dass sein zweiter Sohn Franz Maria, der damals erst sechs Jahre alt war, in den geistlichen Stand eintreten sollte. Offensichtlich wollte er verhindern, dass das hohenemsische Ver- mögen auf verschiedene Linien aufgesplittert wur- de. Auf der Grundlage dieses Testaments wurde dann 1626 ein Fideikommiss errichtet, mit dem die wirtschaftliche Grundlage des Hauses für künftige Generationen gesichert werden sollte.zy Wir sehen hier, wie Adelsfamilien in dieser Zeit ihre Grundla- gen zu sichern suchten: Das Hauptvermögen wur- de zum Familienbesitz erklärt, der weder verkauft noch belastet werden durfte und dessen Nutzungs- rechte beim jeweils ältesten männlichen Nachkom- men lagen. Die nachgeborenen Söhne wurden ger- ne auf eine geistliche Laufbahn verwiesen, damit sie ihren Unterhalt nicht aus dem Familienvermö- gen bestreiten mussten. Die Errichtung eines Fidei- kommisses musste vom Kaiser bestätigt werden. 
Graf Kaspar starb 1640. Von seinem Nachfolger Jakob Hannibal IL weiss der Vorarlberger Histori- ker Joseph Bergmann zu berichten, dass er zwar ein Regiment zum Kampf gegen die Schweden auf- gestellt habe, dass er aber militärisch völlig unfähig gewesen sei. 1631 habe er das Heranrücken der feindlichen Truppen mit Gleichgültigkeit und Sorg- losigkeit beobachtet. In der Nacht habe er in sei- nem Militärlager nicht einmal Wachen aufgestellt. Er sei dann auch bei einem Überfall im Nachtkleid zusammen mit seiner Gemahlin gefangen genom- men worden. Mit einer Geldzahlung habe er sich auslösen können.30 In der nächsten Generation bildeten sich dann zwei Linien: Der ältere Sohn Karl Friedrich behielt den Wohnsitz in Llohenems, der jüngere Franz Wil- helm begründete die Vaduzer Linie. Der neue Herr von Vaduz, Graf Franz Wilhelm von Hohenems, war erst 19 Jahre alt. Schon bald nach seinem Re- gierungsantritt in Vaduz setzte eine Welle von He- xenverfolgungen ein. In den Jahren 1648 bis 1650 wurden um die 100 Personen gefoltert und hinge- richtet. Gleichzeitig, nämlich im Jahre 1649, hielt Graf Franz Wilhelm eine rauschende Hochzeitsfei- er, zu der er auch Vertreter sämtlicher 13 Orte der Eidgenossenschaft einlud.31 Unter seiner Regie- rungszeit setzten die Klagen ein, dass die Herr- schaft angesichts der beschränkten Einnahmen zu viel Aufwand mache, einen zu kostspieligen Haus- halt führe und viele Bauten erstellen lasse. Er scha- de dem Land mehr als die Engerlinge auf dem 23) Schröder. S. 174 ff. 24) Bergmann (1861). S. 19 ff. 25) Bergmann (1860), S. 85. 26) Schröder, S. 176. 27) Urkunde abgedruckt bei Bergmann (1860), S, 88 ff. 28) Historisch-Biographisches Lexikon der Schweiz. 29) Bergmann (1861), S. 43 ff. 30) Ebenda, S. 52. 31) Bergmann (1861), S. 61. 15
        

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