DAS KRIEGSJAHR 1799 IN LIECHTENSTEIN UND UMGEBUNG Die Rüstungen in Vorarlberg und Liechtenstein ver- stärkten sich. Die Bevölkerung wurde zum Bau von Verschanzungen eingesetzt.39 Truppenteile aus Österreich zogen durch das Land nach Graubün- den,40 sie mussten einquartiert und versorgt wer- den. Man hatte Fuhrwerk zu stellen und Holz zu liefern. Im November 1797 beliefen sich die lan- desweiten Unkosten schon auf «50 000 Gulden, das Gemeintie Schellenberg allein muss über 1 800 fl. bezahlen».41 Ein Jahr später waren französische Truppen schon durch die ganze Eidgenossenschaft mar- schiert. Auf der schweizerischen Rheinseite rückten im September 1798 einige tausend Franzosen ins Ouartier, sie beschlagnahmten die Rheinschiffe. Auf der liechtensteinischen Seite wurden die kaiserli- chen Truppen verstärkt, Wachhütten gebaut und auf dem Eschnerberg Artillerie postiert. Entlang des Rheins von Ragaz bis zum Rheindelta standen sich die Truppen feindlich gegenüber. General Andre Massena schlug sein Lager in Azmoos auf, sein Ziel war Graubünden; Feldkirch war zweitrangig. Wäh- rend man am rechten Ufer des Rheins die Franzo- sen fürchtete, ängstigten sich die Werdenberger «entsetzlich» vor der Ankunft der kaiserlichen Truppen.42 EINFALL IN DAS LIECHTENSTEINER UNTERLAND Kurz vor dem Frühlingsbeginn, in der Karwoche 1799, war es soweit - ein Schreckensjahr nahm seinen Anfang.43 Am 6. März, morgens um sieben Uhr, überquerten die französischen Truppen den Rhein bei Balzers und Bendern, mit Beihilfe, wie Helbert hinzufügt,44 «der Schweizer, die viele auf Wagen herüber führten». Die einen setzten, an den Schwänzen der Pferde hängend, über den Rhein, andere hangelten sich an einem Seil herüber. «Eine Horde von Unmenschen», wird berichtet, «brach da herein. Sie gehörten zu der grausamsten 
der ganzen Armee und erhielten wegen ihrer Un- menschlichkeit den Namen .46 Der Feind entdeckte ihn dort und hieb ihn nieder. Ebenso wurde Joseph Senti getötet. Das Kloster St. Luzi erlitt einen Schaden von annähernd 9 000 Gulden.47 Den Geistlichen wurden die Kleider vom Leib gerissen und sie mussten Bauernkleider anziehen. In der Kirche nahmen sie das Ziborium, schütteten Hostien aus, raubten die Gefässe, die Kelche und den Abtstab.48 Alles, was von Wert war, wurde in Bendern, Eschen und Mauren geraubt oder zerstört, vier Personen wurden erschossen49 und viele verwundet, Makarius Kind, der 40 Jahre lang Mesmer in Bendern gewesen war, tödlich ver- wundet.»50 Mit den Franzosen waren auch einige Schweizer aus der Nachbarschaft in den Pfarrhof Bendern zum Plündern eingebrochen.51 Helbert erwähnt, dass die Nachbarn haufenweise an den Rhein ge- kommen sind und dort auf den Raub warteten. Sie hätten einen Jahrmarkt am Rhein abgehalten und alles aufgekauft. Nikolaus Senn erzählt,52 dass die Franzosen die gesamte Einwohnerschaft von Nen- deln, Eschen und Mauren hart anfassten. «Alles was von Werth war, raubten oder zerstörten sie; sie führten das krasseste Luderleben. Auf dem Sand beim Krummwuhr (am Rhein oberhalb von Haag gelegen) war zwei Wochen lang alle Tage ein förm- licher Markt. Was die Franzosen drüben stahlen und zusammenplünderten, lieferten sie über den Rhein aufs Krummwuhr. Alles wurde hier billig ver- kauft und dies lockte viele Käufer herbei». Bevor die Franzosen gegen Feldkirch zogen, la- gerten sie am Schellenberg und warteten «inzwi- schen in Liechtenstein Verstärkungen aus Grau- bünden ab, assen, tranken und zechten auf Kosten der Bewohner Liechtensteins, misshandelten Men- schen und Tiere, töteten in Eschen einen alten Mann, indem sie ihn grausam an ein Scheunentor annagelten, zerhieben und zerschlugen Hausein- richtungen und hausten, wie die Wilden».53 Wenn sie sich dann «voll gesoffen hatten, schlugen sie die Bauern oder hiessen sie: .»54 188
        

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