Der Verkauf aus der Sicht der Grafen von Hohenems Im Folgenden soll der Vorgang in die Geschichte der Grafen von Hohenems, der Fürsten von Liech- tenstein und schliesslich der Untertanen einbettet werden. Es geht darum, die unterschiedlichen Per- spektiven aufzuzeigen. AUFSTIEG UND GLANZ DES HAUSES HOHENEMS Die Edlen von Ems waren seit dem 12. Jahrhun- dert in Vorarlberg ansässig und wurden schliess- lich zum bedeutendsten Adelsgeschlecht zwischen dem Bodensee und dem Comersee. Seit dem 14. Jahrhundert waren sie bemüht, ein selbständi- ges Territorium im Rheintal südlich des Bodensees zu bilden. Als im 16. Jahrhundert die Überlegen- heit der Landknechtstruppen gegenüber den tradi- tionellen Ritterheeren offensichtlich wurde, mach- ten die Hohenemser diese Umstellung rasch mit. Sie wurden zu eigentlichen Kriegsunternehmern.23 Das Kriegsführen wurde für sie zu einem einträgli- chen Geschäft, mit dem sie es zu grossem Reichtum und Einfluss brachten. Ausserdem kamen sie da- durch in Kontakt zu führenden Schichten des eu- ropäischen Hochadels. Im 16. Jahrhundert waren die Hohenemser weniger auf ihren angestammten Besitzungen im Rheintal als in Italien, Spanien, den Niederlanden und auch in Österreich zu finden. Den Aufstieg in den Stand von Reichsgrafen ver- dankten sie aber schliesslich nicht dem Kriegs- handwerk, sondern der Heirat von Wolf Dietrich von Hohenems mit Clara von Medici, deren Bruder Gian Angelo 1559 als Pius IV. zum Papst gewählt wurde. Als Papst ermöglichte er seinen Neffen Ja- kob Hannibal I. und Merk Sittich III. glänzende Laufbahnen. Jakob Hannibal L, der erstgeborene Sohn, machte eine glänzende Karriere als Heerführer in päpstlichen und spanischen Diensten. Bei seiner Rückkehr nach Hohenems im Jahre 1567 war er ein reicher Mann. Er erstellte in Hohenems bedeu- tende Bauten und konnte es sich noch leisten, dem Erzherzog von Tirol bedeutende Darlehen zu ge- währen.24 
Noch bemerkenswerter ist die Karriere des zweitgeborenen Sohnes Merk Sittich III. Dieser be- gann zunächst ebenfalls eine militärische Lauf- bahn, erlebte dann aber - wohl nicht ganz zufällig kurz nach der Papstwahl seines Onkels - eine wun- derbare Bekehrung: Bei einem Aufenthalt in Rom zerbrach ihm eine umstürzende Kutsche den De- gen.2"' Dies war für den 27-jährigen Merk Sittich ein Zeichen des Himmels, eine geistliche Laufbahn ein- zuschlagen. Ohne «auch nur den Hauch einer theo- logischen Ausbildung» erhalten zu haben,26 wurde er schon ein Jahr später Kardinal und Fürstbischof von Konstanz. Für Kaiser Ferdinand war dies der Anlass, das Haus Hohenems - angesichts der Verwandtschaft zu Papst Pius IV, wie es in der be- treffenden Urkunde vom 27. April 1560 ausdrück- lich heisst - in den erblichen Reichsgrafenstand zu erheben.27 Jakob Hannibal I. war der letzte erfolgreiche Mi- litärunternehmer aus dem Haus Hohenems. Von ihm ging die Regierung an seinen ältesten Sohn Graf Kaspar über, der sich auf die Verwaltung sei- nes Besitzes in Vorarlberg konzentrierte, auch wenn er noch gelegentlich kaiserliche Missionen erfüllte.28 Wie sein Vater verfolgte er die Vision, ein Fürstentum Hohenems zu errichten, das vom Bo- densee bis an die Luziensteig reichen sollte. Tatsächlich gelang es ihm 1613, die Grafschaft Va- duz und die Herrschaft Schellenberg von den ver- schuldeten Grafen von Sulz zu erwerben. Graf Kas- par hatte auch noch die nötigen finanziellen Mittel, um im Jahre 1620 der österreichischen Regierung 100 000 Gulden für Besitzungen in Vorarlberg zu offerieren, mit denen er eine Verbindung zwischen Hohenems und Vaduz/Schellenberg herstellen wollte. Dieser Plan konnte nicht verwirklicht wer- den; er bildete den Höhepunkt und gleichzeitig den Abschluss im emsischen Expansionsstreben. Als hervorragender Vertreter des Hauses Hohen- ems ist schliesslich Merk Sittich IV. zu erwähnen, ein jüngerer Bruder von Graf Kaspar. Er war von Jugend an für eine geistliche Laufbahn vorgesehen. Merk Sittich IV. wurde 1612 Fürstbischof von Salz- burg, wo er sich unter anderem als grosser Bau- herr einen Namen machte. Das von ihm erbaute 14
        

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