meister von Isny, ebenso gross gewesen64 - abgese- hen von dieser doch wohl eher einer schönfärberi- schen Kriegspropaganda dienenden Darstellung spricht der Mehrteil der vorhandenen eidgenössi- schen Quellen doch einigermassen übereinstim- mend von einer Opferzahl unter den Feinden von zwischen 350 und 400, über die eigenen Verluste sich allerdings ausschweigend.65 Anselm gibt in seiner «Berner Chronik» allein für die Kämpfe am Rhein die Zahl der gefallenen Feinde mit 350 an, oder wie er sich ausdrückt: «erschluogend der rechten kazbalgeren ob 350», um dann das blutige Geschäft der Eidgenossen am Berg ebenso kurz und bündig zu kommentieren: «erschluogend ir ouch vil».66 Die «Freiburger Chronik» schliesslich überliefert die höchste Opferzahl: «Doch so schätzt man deren zal, so zu Trießen an der schlacht beli- ben, bi den 400 ungevarlich und 200 darob», also am Triesnerberg.67 Wenn diese Zahl von gegen 600 Gefallenen als Opferbilanz auf beiden Seiten aufzu- fassen ist, so könnte sie wohl einigermassen zutref- fend sein, wobei die Verluste der Eidgenossen am Rhein nicht gering gewesen sein dürften, wenn auch die Schwäbischen Bundestruppen wohl die bedeutend grössere Anzahl gefallener Kriegs- knechte zu beklagen hatten. Keine Angaben erhal- ten wir über allfällige Opfer unter der Zivilbevölke- rung, die das Kampfgeschehen gefordert haben könnte. Es ist zwar nicht unwahrscheinlich, dass sich vor allem der jüngere Teil der Bevölkerung noch rechtzeitig vor den sich abzeichnenden Kämpfen in Sicherheit zu bringen vermochte, und eine Bemerkung in den «Acta» scheint darauf hin- zudeuten, wonach die Eidgenossen nach geschla- gener Schlacht, «die puren (welche beliben waren) in aid genomen [haben]».68 Es ist aber auch durch- aus damit zu rechnen, dass es zu Übergriffen auf die sich wohl verängstigt in ihren Häusern verbar- rikadierenden Triesner gekommen ist, vor allem wenn man sich vergegenwärtigt, dass die wilde Jagd der Eidgenossen auf die bergauf fliehenden Feinde mitten durch das Dorf geführt haben muss, und die Bewohner eines Hauses, in das sich wohl manch einer der erschöpften schwäbischen Lands- knechte geflüchtet haben mag, als Kollaborateure 
des Feindes vermutet, ohne langes Federlesen von den eidgenössischen Kriegsknechten zur blutigen Rechenschaft gezogen worden sind. Dass die Sie- ger auch gegenüber der Zivilbevölkerung keine Gnade kannten, zeigte sich in der anschliessenden Plünderung und Zerstörung von Triesen. Was nicht wohl schon früher von den Schwäbischen zur Ver- sorgung der Truppe beschlagnahmt worden war, zogen nun die Eidgenossen ein, was nicht niet- und nagelfest war, wurde mitgenommen, das Vieh zum nächsten Lagerplatz getrieben und das Dorf in Schutt und Asche gelegt: «Also blündert man das schön dorf Trisen, verbrant es, [und] zugend da da- nen enhalb Rins gen Vaduz», so der nüchterne Kommentar des Chronisten.69 Aber auch das Bild der ausgelassenen, mit Beute beladenen Kriegs- schar auf ihrem Zug nach Vaduz, wie es die «Ber- ner Chronik» zu vermitteln sucht, ist unschwer vor- stellbar: «Und als d'Eidgnossen ... Trisen geplün- dret und verbrent hattend, zugend si mitenander frölich uf der viend erdrich dem Ryn nach für das stark schloss Fudutz, so her Ludwigen von Brandis was.»70 Feinde waren anscheinend weit und breit keine mehr anzutreffen, wer sich von den Schwäbi- schen nicht über den Triesnerberg, Kulm und das Saminatal ins Walgau abgesetzt hatte, hatte sich wohl schleunigst hinter die Mauern von Feldkirch in Sicherheit gebracht. Vaduz wurde eingenommen beziehungsweise wohl eher einfach besetzt, denn nennenswerten Widerstand dürfte es von Seiten der Einwohner wohl kaum gegeben haben. Und vom Schloss herab war keine tatkräftige Unterstüt- zung zu erwarten. Dort versuchte Ludwig von Brandis nämlich, von dem die Eidgenossen die be- dingungslose Kapitulation verlangten, auf dem Ver- handlungswege seinen Kopf aus der bedrohlich eng gewordenen Schlinge zu ziehen und jegliches weitere Blutvergiessen zu verhindern.71 Eine durchaus Erfolg versprechende Verschanzung auf Schloss Vaduz scheint er jedenfalls nicht in Be- tracht gezogen zu haben: «Aber man tät nie kain schütz harus, sonder ergab sich der her uf dem schloß, nämlich her Ludwig von Brandis, und tät das thor uf uf gnad.»72 Nicht ohne vorwurfsvollen Tadel vermerkt dies der sonst den Brandisern 176
        

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