ze Zeit standzuhalten: «Do das die vynd sichtig wurdint, do namend si von stund an die flucht über den berg, und was inen so not zuo fliechen, das si ir waffen liessint fallen, och ir harnasch von inen abschnidten und hinweg wurfmt.»57 Auch an einen einigermassen geordneten Rückzug war also nicht mehr zu denken. Als einziger Ausweg blieb den schwäbischen Kriegsknechten die Flucht bergauf- wärts gegen Triesenberg zu, verfolgt von den nach- jagenden eidgenössischen Kriegsknechten.58 Unter- dessen erreichten aber auch jene 1 000 Mann unter Heini Wolleb, die in der Nacht zuvor bei Balzers den Rhein überquert hatten und am Morgen den sich zurückziehenden schwäbischen Bundestrup- pen nachgezogen waren, das Gebiet von Triesen: «Und als die viend durch stud und stok einem berg zuo und uf fluchend, kamend inen engegen die 1 000 Eidgnossen, so die nacht uss bi Gutenberg warend gstanden.»59 Kann man das Geschehen am Rhein noch einigermassen als «normale Kampf- handlungen» umschreiben, sozusagen als Gefecht mit gleichlangen Spiessen und Hellebarden, muss man das, was nun folgte, doch wohl eher als bluti- ges Gemetzel, als grausames Abschlachten des in die Flände fallenden Feindes bezeichnen. Wer von den schwäbischen Landsknechten nicht von den nachstürmenden Eidgenossen eingeholt und nie- dergemacht wurde, fiel den in der Höhe am Berg herbeiziehenden Truppen unter Heini Wolleb zum Opfer. Dass dennoch überhaupt etlichen Schwäbi- schen die rettende Flucht über den Triesnerberg gelang, scheint nur dem Umstand zu verdanken ge- wesen sein, dass die vom Rhein her dem Feind bergwärts nachjagenden Eidgenossen ihre eigenen von Balzers herbeieilenden Truppen als feindlicher Truppenaufmarsch beziehungsweise als feindliche Nachhut missdeuteten und von einer weiteren Ver- folgung der fliehenden Landsknechte absahen: «Und als die vorgemelten 1 000 man den vienden also schnell nachkamend, wusste niemand anders, denn das es ein besunder zug oder ein nachhuot von den vienden werend; wan [denn] wiewol man si in der nacht hinüber geschickt hat, wusste man doch nit, daz si den vienden so ilends nachzuhen, sonders oben am Rin gnug ze schaffen haben soll-ten. 
Und durch sollich meinung bewegt, kert man sich mit den zeichen oben am berg umb, herab ze züchen, und vermeinten, ein nüwen angriff ze thun.»50 Wenn dieser Fehldeutung auch einige Landsknechte ihr Leben verdankten, denn «wo si den vienden nach hetten mögen ilen, so weren ir gar vil me umkomen, erstochen und erschlagen worden»61 so wirft dieser Trugschluss doch zu- gleich ein bezeichnendes Licht auf das eher planlo- se, jedenfalls keiner überlegten Kriegsstrategie fol- gende Vorgehen der Eidgenossen am Rhein zwi- schen Balzers und Triesen in jenen Februartagen. Was im übrigen der schon damals verbreiteten An- sicht Recht zu geben scheint, beide Seiten hätten zwar den Krieg mit allen Mitteln gesucht, keine je- doch sich vorwerfen lassen wollen, sie hätte damit angefangen. Dieser von beiden Seiten verfolgten Taktik der Provokation des Gegners zum wenn möglich noch übereilten und unüberlegten Erst- schlag konnte kaum eine ausgeklügelte Kriegsstra- tegie zugrunde gelegt werden, zu vieles musste da- bei zwangsweise dem Zufall überlassen bleiben. Zudem war es um die militärische Disziplin, die für eine erfolgreiche Durchführung aufeinander abge- stimmter Aktionen unbedingt erforderlich war, zu- mindest auf Seiten der Eidgenossen nicht immer zum besten bestellt. Der ungestüme Angriffs- und Kampfeswille der eidgenössischen Kriegsknechte, dem sich nicht selten auch die Hauptleute beugen mussten, wie die uns überlieferten Beschreibungen der Kämpfe bei Frastanz und an der Calven zeigen, war denkbar schlecht für die Inszenierung ausge- feilter taktischer Manöver zur Demonstration mi- litärischer Überlegenheit geeignet. Wenn Blut und Beute lockte, dann scheint es kein Zurückhalten der Männer mehr gegeben zu haben, man musste sie wohl oder übel gewähren lassen oder wie es in der «Wiler Chronik» heisst: «das man nachdem und die unsern der vynden enthalb Rins sichtig wurdint, iederman erlobt wär ze loffen und das best ze tuond.»62 Und wie die überlieferten Opfer- zahlen beweisen, taten sie wahrlich ihr «Bestes». Wenn die Angaben bei den einzelnen Chronisten auch teilweise beträchtlich voneinander abwei- chen, ja mitunter, was die Verluste auf der eigenen 174
        

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