DIE SCHLACHT BEI TRIESEN AM 12. FEBRUAR 1499 CLAUDIUS GURT fand er keine Bündner mehr vor, die hatten sich nämlich inzwischen auf die St. Luzisteig zurückge- zogen.48 Das Warten mitten in Feindesland auf die versprochene Hilfe scheint den Bündnern entweder zu gefährlich oder aber entschieden zu lang gewor- den zu sein. Denn in einem Schreiben49 vom 13. Februar aus dem Feldlager in Vaduz an die Bündner Hauptleute in Chur sahen sich die Urner Hauptleute genötigt, dem Gerücht, Heini Wolleb sei mit der angeforderten Verstärkung gar nicht zurückgekehrt, entschieden entgegenzutreten und die Sachlage klarzustellen. Demnach sei Heini Wol- leb, als er die Bündner nicht mehr vorgefunden habe, mit seiner Truppe - die Quelle spricht hier al- lerdings nur noch von 30 Kriegsknechten - nach Kleinmäls gezogen, wo diese auf einen feindlichen Vorposten gestossen seien und dabei etliche Feinde niedergemacht hätten. Danach seien sie «die gant- ze nacht in der Ordnung gestanden und fast übell erfrorenn».50 Bei Tagesanbruch, es war Fast- nachts-Dienstag, der 12. Februar 1499, rückte Hei- ni Wolleb mit seinen Kriegsknechten unter hefti- gem Beschuss von Gutenberg aus gegen Balzers vor. Die Schwäbischen hatten sich unterdessen wieder gesammelt und sich zum geordneten Rück- zug nach Triesen aufgemacht. Als dies die Eidge- nossen jenseits des Rheins bemerkten, zogen sie in aller Eile von Azmoos rheinabwärts in der Absicht, den Feind bei Triesen zur Schlacht zu zwingen: «Und also huob sich jedermann zuo ross und zuo fuss schnell uf den weg und lufen gan Trisen zu in meinung, den vienden fürzezüchen und mit inen ze schlachen.»51 Zusammen mit den von Sevelen her- aufziehenden Truppenaufgeboten aus Schwyz, Un- terwaiden, Appenzell und aus der Grafschaft Tog- genburg stürmte man bei Triesen über den Rhein. Hier traf man allerdings auf die erbitterte Gegen- wehr der sich inzwischen mit ihren Geschützen am Rhein postierten schwäbischen Landsknechte: «Desglich so zugend die küngschen ennethalb ab- tun, ouch in starker Ordnung, mit gwaltigem züg und gschüz, vermeinend den Ryn den Eidgnossen vorzehalten.»52 Aber den Sturmlauf der eidgenössi- schen Kriegsknechte vermochten die schwäbischen Bundestruppen nicht aufzuhalten: «Und wiewol die 
viend ir geschütz an dem Ryn und an die furt, da man hindurch musst, gericht und sich zu striten or- dentlich gerüst und darzuo den Rin ze vorteil blat- tend, lufen die unsern doch nit desterminder an den Rin und wuoten dardurch und schüchtend we- der geschütz noch anders, sonder griffens an und erstachen die büchsenmeister bi dem geschütz.»53 Auch der Rhein scheint für die anstürmenden Eid- genossen kein ernsthaftes Hindernis gewesen zu sein: «Do lüff man durch den Rin an etlichen orten unz [bis] under die uochs und putt ie ainer dem an- dern den spieß und hiengint den rossen an die schwänz, unz [bis] das si hindurch kämint.»54 Rund 600 Eidgenossen sollen so den Rhein überquert ha- ben.55 Einmal auf der anderen Rheinseite ange- langt, fiel man übereinander her: «Also griffend si ein ander bedersit an, schluogend, stachend und schussend zuo samen.»56 Die Schwäbischen ver- mochten den anstürmenden Eidgenossen nur kur- 46) Die bei Brennwald. Schweizerchronik (wie Anm. 32), S. 355 f. angegebene Zahl von gegen 400 erschlagenen Feinden dürfte wohl weit übertrieben sein, denn gemäss den «Acta» (wie Anm. 43), S. 8 sollen ja überhaupt nur 200 schwäbische Landsknechte auf der St. Luzisteig stationiert gewesen sein. 47) «Acta» (wie Anm. 43), S. 8 ff. 48) Vgl. Büchi, Freiburger Chronik (wie Anm. 17), S. 565 ff.; Brenn- wald, Schweizerchronik (wie Anm. 32), S. 355 f. 49) Jecklin (wie Anm. 25) 11. Teil: Berichte und Urkunden zusam- mengestellt von Fritz Jecklin Nr. 55, S. 105 f. (mit irrtümlichem Datum 15. Februar 1499). 50) Vgl. auch Büchi, Freiburger Chronik (wie Anm. 17), S. 565 ff., wonach Heini Wolleb mit seiner Truppe die Nacht am Ufer des Rheins bei Balzers verbracht haben soll: «doch lufen ertlich knecht durch den Ryn in das beer und us dem beer wider zu inen, also das an underlass volk uf dem weg was». 51) Büchi, Freiburger Chronik (wie Anm. 17), S. 568. 52) Die Berner Chronik des Valerius Anselm. Herausgegeben vom Historischen Verein des Kantons Bern, Band IL Bern, 1886, S. 116 f.: vgl. auch die von Wanger, Harald: Bilder aus der Geschich- te Liechtensteins. Hrsg. vom Schulamt des Fürstentum Liechten- stein. Vaduz, 1980, S. 105 zitierte Stelle aus der Chronik des Johan- nes Stumpf. 53) Büchi, Freiburger Chronik (wie Anm. 17), S. 568. 54) Wiler Chronik (wie Anm. 42), S. 177 f. 55) Brennwald, Schweizerchronik (wie Anm. 32), S. 356 f. 56) Ebenda. 173
        

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