Abb. 3: Schwäbische Landsknechte überfallen auf ihrem Zug nach Maien- feld? ein Dorf: «Die rät des Romschen küngs, nämlich her Paulus von Liechten- steig und Jorg Gossenbrot, stüpftent und wistend die Schwäbschen uff, den punt- lüten heimlich ein backen- streich ze geben, und brachtend sovil zewägen, das sich jemer ein züg versamlet, und leitend sich ungewarnter sach an Lüt- zelsteig, schlügend ettlich 
arm lüt ze tod, eroberten Meyenfeld und namend das in.» 
sein, und es kann wohl kein Zweifel daran beste- hen, dass seine Befürchtung ehrlich gemeint war, die Weigerung der Bündner, sich von der St. Luzi- steig zurückzuziehen, werde unweigerlich zum Kampfe führen: «Dann wo das nit beschicht, be- sorg [ich], dem volck nit zuo erweren sy, benant letz unnd stras ward mit gewaltt uffgethon.» Die Vertreibung der kleinen Bündner Besatzung auf der St. Luzisteig dürfte den schwäbischen Lands- knechten wohl kaum nennenswerte Probleme ge- macht haben, auch wenn aus einem nur indirekt überlieferten Bericht Ludwigs von Brandis, der für die königlichen Räte in Konstanz bestimmte, die ei- gene Tapferkeit ins rechte Licht rückende Eindruck erweckt wird, die Einnahme der St. Luzisteig sei unter grossen Verlusten des Feindes geschehen.41 Zur propagandistischen Darstellung der eigenen Kriegstüchtigkeit weit weniger geeignet war die anschliessende Besetzung der Stadt Maienfeld. Da- bei ist der Schilderung über die Einnahme der Stadt, wie sie die «Wiler Chronik» überliefert, mit Vorsicht zu begegnen - die Gegenpropaganda war wohl nicht minder tätig. Danach hätte ein unter der Führung von Hans Nigg von Brandis, eines illegiti- men Sohnes Ulrichs von Brandis, stehendes Über- fallkommando ihre roten Kreuze, die Erkennungs- zeichen der schwäbischen Landsknechte, «schant- lich und mit trugery» verdeckt und weisse Kreuze darüber gemacht; und seien daher, als befreundete Eidgenossen gehalten, in die Stadt eingelassen worden, «sigint also mit verrätery gen Mayenfeld kommen». Einmal in der Stadt, «hand si die wissen crütz von in geworfen und in die unsern gehawen und gestochen und iren etwevil also schantlich er- würgt».42 Weniger spektakulär und der Wahrheit wohl näher dagegen die «Acta des Tirolerkrieges», die den Einzug der schwäbischen Bundestruppen in Maienfeld ganz nüchtern kommentieren: «Da ist (durch her Ludwigs werben und pratick, mit her Sigmunden geprucht) thür und thor offen gewesen, und yederman (als ich acht der merthail) dess inne- menss fast fro gewesen.»43 Es ist durchaus glaub- haft, dass es den beiden Brandiser Brüdern gelun- gen ist, die in der Stadt agierenden Österreich be- ziehungsweise den Eidgenossen freundlich gesinn- 170
        

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