DIE SCHLACHT BEI TRIESEN AM 12. FEBRUAR 1499 CLAUDIUS GURT knappes halbes Jahr später über das Verhalten des Brandisers zuhanden der in dieser Angelegenheit ermittelnden eidgenössischen Vertreter verfasste. Und obwohl dieser Bericht mit Vorwürfen gegen- über dem Brandiser nicht zurückhält, eine vorur- teilslose Einschätzung der Sachlage rückblickend wohl auch nicht erwartet werden kann, scheint dieser Bericht dem Ludwig von Brandis sein Bemühen, es auf der St. Luzisteig nicht zum offe- nen Konflikt kommen zu lassen, nicht absprechen zu wollen. Von der Letze auf St. Luzisteig sollte den Brandisern kein Schaden erwachsen, für sie also die Strasse nach Maienfeld offenstehen, «äß wär dann sach, der gewaltt unns allen zuo schwär wurd, das wir dann inen vor schaden wiglung unnd warnung thuon weltennd, derglichenn weltt er unns ouch thuon, dann nit ain vogel uß Välkir- chenn heruß komen möcht, beruerter her Ludwig weltte sin gewar werdenn. Semlich begär ward von bayden taylen versprochenn unnd zuo gesagt».39 Diese allzu unverbindlich formulierte Vereinbarung hinderte denn Ludwig von Brandis auch nicht, «mit schwerem züg bis gen Baltzers» zu ziehen, ohne die Bündner auf der St. Luzisteig darüber zu infor- mieren, immerhin konnte er sich ja auf den Rechts- standpunkt berufen, als Mitglied des Schwäbischen Bundes nur seiner Bündnispflicht nachzukommen und dies immer noch auf seinem eigenen Herr- schaftsgebiet. Dass das Vorgehen des Brandisers von den Bündnern ganz anders interpretiert wur- de, zeigte sich dann deutlich in der eilig nach Bal- zers einberufenen Besprechung, an welcher der Churer Domdekan Konrad von Marmels und einige bündnerische Hauptleute teilnahmen.40 Die Forde- rung von Ludwig von Brandis nach Abbruch der Letze und Freigabe der Reichsstrasse auf der St. Luzisteig mit der Begründung: «Dann dye k[önigliche] m[ajestäjt ist des willens, ainen zuo- satz gen Mayenfeld zuo legen, den sinen in Brätti- göw zuo lieb.» Und die Versicherung: «Unnd söllt- tennd ir von Mayenfeld von den küngischen in kai- nen wäg geschadiget werden». Ein solchermassen begründetes Ansinnen musste den Bündnern doch wohl geradezu als Provokation in den Ohren ge- klungen haben. Die Antwort von Hans Karle darauf 
war denn zwar nicht undiplomatisch, aber mit deutlicher Spitze gegen die Schwäbischen: «Do anntwürt ich benanter Hanns, das ich nitt gewalt hett, benante letz zuo erledigen, on wüssen unnd willenn, dann benant lezt versächen wär für buo- benn volch unnd wärendt die Pündt dess willenns, ze haltten dye bericht, im Münstertal gemacht wär.» Die bündnerische Verhandlungsdelegation machte sich aber auch keine Illusionen darüber, dass aus ihrer momentanen Position der Schwäche heraus mit starken Worten allein dem drohenden Konflikt nicht beizukommen war. So stellt schliess- lich Hans Karle gegenüber Ludwig von Brandis re- signierend fest: «Ir hond unns beruöfft zuo tagen [unterhandeln]. Ir koment aber mit schwerem züg, mit mir zuo tagen. Mich befrömt [das], dann ich nitt guott mit uch tädingen [verhandeln] hab, so der züg üch uff den fuössenn nachzücht. Dann ich nüt anders disenn dinngen waisß zuo thuon, dann Gott lassen waltten.» Aber auch dem Brandiser muss die Ausweglosigkeit der Situation bewusst gewesen 32) Heinrich Brennwalds Schweizerchronik. Hrsg. von Rudolf Luginbühl. [Quellen zur Schweizer Geschichte. Neue Folge, 1. Abtei- lung: Chroniken]. Band II. Basel. 1910. S. 351. 33) Ebenda. 34) Jecklin (wie Anm. 25), II. Teil: Berichte und Urkunden zusam- mengestellt von Fritz Jecklin Nr. 43, S. 100 (Schreiben von Haupt- mann und Rat zu Maienfeld an Bürgermeister und Rat zu Chur vom 6. Februar 1499). Ebenso Büchi (wie Anm. 17), Nr. 633. S. 477 f. Vgl. auch Jecklin (wie Anm. 24). S. 79 und Büchi, Freiburger Chro- nik (wie Anm. 17), S. 563 f. 35) Jecklin (wie Anm. 34). Nr 43, S. 100. 36) Urkunden zur Geschichte des Schwäbischen Bundes (1488-1533). Hrsg. von K. Klüpfel. 2 Bände. Stuttgart, 1846/1853. [Bibliothek des literarischen Vereins in Stuttgart. Band 14 (1846) und Band 31 (1853)]. Band I. S. 283 (Schreiben von Jakob von Ems und Heinrich Binsch, Hubmeister in Feldkirch, an die königlichen Räte in Konstanz vom 7. Februar 1499). 37) Büchi. Freiburger Chronik (wie Anm. 17), Nr. 56, S. 33 f. 38) Ebenda Nr. 45, S. 101 f. (Schreiben vom 7. Februar 1499). 39) Jecklin (wie Anm. 25). II. Teil: Berichte und Urkunden zusam- mengestellt von Fritz Jecklin Nr. 232. S. 227 ff. (Schreiben vom 18. Juli 1499). 40) Ebenda Nr. 49, S. 103: Am 8. Febr. 1499 von Jakob von Bodman ausgestellter Geleitbrief für die an die Besprechung nach Balzers reisenden Bündner. 169
        

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