Den mit ihrer alten Herrschaft Brandis im mitt- leren und oberen Emmental im Kanton Bern aus der Schweiz stammenden Herren von Brandis ge- lang es, in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts durch geschickte Heiratspolitik und der erfolgrei- chen Durchsetzung von daraus resultierenden Erb- ansprüchen sich ein neues bedeutendes Herr- schaftsgebiet am Alpenrhein aufzubauen. Mit den Herrschaften Vaduz, Schellenberg und Maienfeld verfügten die Brandiser über einen geschlossenen Besitz am rechten Ufer des Rheins von der Land- quart bis fast zur III. Mit der vorarlbergischen Herrschaft Blumenegg war zudem ein für allfällige Expansionsbestrebungen strategisch günstig gele- genes Gebiet in ihren Händen.7 So vielversprechend für die Zukunft ihre schliesslich erreichte regionale Machtposition am Ende des 15. Jahrhunderts den Herren von Bran- dis auch erschienen sein mochte, eines konnte auch ihnen nicht verborgen geblieben sein: die heikle Grenzlage ihres Herrschaftsgebietes und die potentielle Gefährlichkeit des damit zusammen- hängenden Bündnis- und Beziehungsgeflechtes, welches sie zur Festigung ihrer Herrschaft selbst knüpften, in welches sie aber auch gezwungener- massen miteingebunden waren. Es war ja erst etwas mehr als ein halbes Jahr- hundert her, als in dem durch den Tod Fried- Abb. 1: Älteste Karte des Rheintales von Hans Kon- rad Giger, Anfang 17. Jahr- hundert (Ausschnitt). Auf der rechten Rheinseite die Herrschaften Maienfeld, Vaduz und Schellenberg, das geschlossene Herr- schaftsgebiet der Herren von Brandis zwischen der Landquart und der 111. 
richs VII., des letzten Toggenburger Grafen, aus- gelösten Alten Zürichkrieg dieses Beziehungsnetz den Brandisern fast zum Verhängnis geworden wäre. Die Stellung Wolfharts V. von Brandis als Rat und Diener der österreichischen Herzöge8, als österreichischer Vogt von Feldkirch9 und Bludenz10 und als Inhaber der von Österreich erworbenen Pfandschaftsrechte über Freudenberg bei Ragaz und Nidberg bei Mels/Sargans11 einerseits, als ver- bündeter Landmann mit Schwyz und Glarus12 und als Burger der Stadt Bern" andererseits, Hessen eine abwartend neutrale Haltung ratsam scheinen, gerade in einem Grenzraum, wo sich nicht selten die Fronten zwischen österreichischem und eid- genössischem Einflussbereich verwischten.14 Dass die Brandiser dann in einem für die Durchsetzung ihrer eigenen Interessen günstig erschienenen Au- genblick ihre Neutralitätspolitik aufgaben und sich auf die Seite Österreichs stellten, dafür wurde ih- nen dann in der verlustreichen Schlacht bei Ragaz 7) Zur Herrschaft Blumenegg unter den Herren von Brandis vgl. Grabherr, Josef: Die reichsunmittelbare Herrschaft Blumenegg [Veröffentlichungen des Vereins für christliche Kunst und Wissen- schaft in Vorarlberg, III. Heft]. Bregenz, 1907, S. 36 ff. 8) Thommen. Rudolf (Hrsg.): Urkunden zur Schweizergeschichte aus österreichischen Archiven, Band III, Nr. 209, S. 225 f. (Urkunde vom II. Dezember 1429). 9) Ritter, Rupert: Liechtensteinische Urkunden im Landesregierungs- archiv Innsbruck. In: JBL 36 (1936), S. 74 (Urkunde vom 14. Sep- tember 1439). 10) Vgl. Butler. Placid: Die Freiherren von Brandis. In: Jahrbuch für Schweizer Geschichte 36 (1911). S. 1-151, hier S. 93. 11) Krüger, Emil: Die Grafen von Werdenberg-Heiligenberg und von Werdenberg-Sargans. In: Mitteilungen zur vaterländischen Geschich- te 22 (1887), Regest Nr. 893, S. 101 (Urkunde vom 31. Mai 1444). 12) Urkundensammlung zur Geschichte des Kantons Glarus. Hrsg. im Auftrag des historischen Vereins von Jlohann] J[akob] Blumer und Gottfried Heer, Band II, Nr. 206, S. 82 ff. (Urkunde vom 11. April 1437). 13) Fulda, Johannes F.: Zur Entstehung der Stadtverfassung von Maienfeld [Diss. Universität Zürich]. Chur. 1972, S. 58. 14) Niederstätter, Alois: Der Alte Zürichkrieg. Studien zum öster- reichisch-eidgenössischen Konflikt sowie zur Politik König Friedrichs III. in den Jahren 1440 bis 1446. (Forschungen zur Kaiser- und Papstgeschichte des Mittelalters. Beihefte zu J. F. Böhmer, Regesta Imperii Band 14). Wien/Köln/Wehnar, 1995, S. 303. 164
        

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