den damaligen Ereignissen nur gleichsam durch die womöglich auch schon bereits ein bisschen ge- trübte Brille des Chronisten zu nähern vermögen. Ja Ihnen als Leser werden die Vorgänge jener Fe- bruartage zusätzlich gebrochen durch meine Sicht der Dinge vermittelt. Sie müssen sich also darauf verlassen, dass meine Brille sozusagen genügend scharf geschliffen ist. Ich meinerseits dagegen kann nur hoffen, dass sich die Chronisten auf Informan- ten verlassen haben, die ihnen das Geschehene möglichst wahrheitsgetreu erzählt haben. Und als Resultat wird sich hoffentlich ein Bild jener fernen Ereignisse ergeben, das der Wahrheit möglichst nahe kommt, zumindest aber aufzuzeigen vermag, wie sie sich abgespielt haben könnten. Um die Schlacht bei Triesen in ihren grösseren Zusammenhang einordnen zu können, muss in ge- botener Kürze auf die Vorgeschichte des Schwa- ben- beziehungsweise Schweizerkrieges eingegan- gen werden, soweit sie für die Interpretation der vorhandenen Quellen, die Rekonstruktion des Ge- schehens und zum Verständnis der Vorgänge rund um Triesen an jenen Februartagen des Jahres 1499 von Bedeutung sein kann.2 Der auf Betreiben Kaiser Friedrichs III. am 14. Februar 1488 schliesslich beschworene Schwäbi- sche Bund umfasste die meisten oberschwäbischen Reichsstädte, zahlreiche Klöster und Prälaten, aber auch als zugewandte Mitglieder den Grafen von Württemberg und - wohl nicht ganz freiwillig - den das Haus Habsburg in Tirol und den Vorlanden re- präsentierenden Erzherzog Sigmund von Öster- reich. Mit den in der Gesellschaft mit St. Jörgen- schild organisierten Adelsherren, etwa 575 an der Zahl, trat zudem fast die gesamte schwäbische Rit- terschaft dem Bund bei. Auch die in Vaduz und Maienfeld residierenden Herren von Brandis gehörten zweifelsohne über ihre schon früh be- zeugte Mitgliedschaft in der Ritterschaft mit St. Jör- genschild dem Schwäbischen Bund an.3 Mit diesem Bund aber erhielten Kaiser Friedrich III. und sein Sohn Maximilian ein wirksames Instrument zur Durchsetzung ihrer Politik im Südwesten des Rei- ches in die Hand. Nicht nur der bayerischen Ex- pansionspolitik nach Schwaben sollte damit ein 
Riegel vorgeschoben werden. 1487 hatte nämlich Erzherzog Sigmund die gesamten Vorlande mit Ausnahme der vorarlbergischen Herrschaften an die Wittelsbacher übertragen, selbst Tirol sollte an die bayerischen Herzöge verkauft werden, so ging zumindest das Gerücht. Die Gründung dieses Schwäbischen Bundes musste auch zwangsläufig zur Störung jeglichen Versuchs einer praktikablen regionalen Gleichgewichtspolitik führen, zu gross war das damit geschaffene Machtpotential, um ohne Auswirkungen auf die politische Landschaft zu bleiben. Als der verschwendungssüchtige Sig- mund schliesslich 1490 Tirol und die Vorlande an Maximilian abtreten musste, und dieser nach dem Tode seines Vaters im Jahr 1493 die gesamte habs- burgische Hausmacht in seiner Hand vereinigte, muss die empfundene Bedrohung bei den Eidge- nossen einen Grad erreicht haben, der einen Aus- trag der machtpolitischen Gegensätze mit kriegeri- schen Mitteln wohl unausweichlich erscheinen Hess. Durch die mit der schwäbischen Bundesgrün- dung gegebenen Möglichkeit einer existenziellen Gefährdung der von Getreideimporten und von Salzeinfuhren für die Viehzuchtgebiete abhängigen Eidgenossenschaft muss die Bereitschaft zur Kon- frontation noch mehr gesteigert worden sein.4 Schliesslich war Maximilian, der 1496 durch den Tod Sigmunds auch noch in den Besitz aller vor- derösterreichischen Gebiete gekommen war, selbst Mitglied des Schwäbischen Bundes geworden. Sei- ne Doppelstellung - als römischer König Nachfol- ger seines Vaters im Heiligen Römischen Reich, als Herr seiner österreichischen Erblande ein Reichs- stand unter anderen mit eigenen, mit den Interes- sen der übrigen Reichsstände und des Reichs oft nicht zu vereinbarenden politischen Absichten, was gerade die schon unter seinem Vater Friedrich begonnene Durchführung der so nötig gewordenen Reichsreformen auch unter Maximilian so schwie- rig machte -, diese Doppelrolle bot die Gelegenheit, reichspolitische und österreichische Interessen zu verbinden beziehungsweise erstere den letzteren, falls opportun, vorzuschieben. Maximilian hat denn auch nicht gezögert, den Reichskrieg gegen die Eidgenossen zu erklären, mit der von diesen 162
        

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