DER «SCHWEIZER-» ODER «SCHWABENKRIEG» VON 1499 ALOIS NIEDERSTÄTTER nähme am Krieg gegen die Eidgenossen - zur «Be- strafung der groben, bösen, schnöden Bauern», wie es hiess - zu bewegen. Er werde die Eidgenos- sen strafen oder sterben, liess der König verkün- den. Am 21. April - am Tag nach der verheerenden Niederlage bei Frastanz - traf Maximilian in Frei- burg ein, am 27. April in Überlingen. Während ei- ner beeindruckenden Feier liess der Herrscher im Überlinger Münster das Reichsbanner feierlich auf- richten und den Reichskrieg gegen die Eidgenossen erklären. Man setzte grosse Hoffnungen darauf, dass der römische König das Blatt wenden würde: Es hiess, er habe einen grosszügigen Plan entwor- fen: Die Eidgenossen sollten vom Engadin bis ins Elsass gleichzeitig angegriffen und ein für alle Mal geschlagen werden. Die Realität hingegen sah an- ders aus: Das Reich half dem König nur in gerin- gem Mass, in erster Linie zogen ihm Kontingente aus Schwaben und Tirol zu. Innerhalb des Schwä- bischen Bundes traten massive Spannungen zwi- schen Adel und Städten auf. Im Mai hielt sich Maximilian im vorarlbergi- schen Feldkirch auf. Im Begriff, über den Arlberg, Landeck, den Reschen in den Vintschgau und von dort nach Graubünden zu ziehen, erfuhr er von der fürchterlichen Niederlage, die die Tiroler in der Schlacht an der Calven erlitten hatten. Bei Mals und Glums im oberen Vintschgau hatten die Öster- reicher ein grosses Heer zusammengezogen, um mit einem massiven Schlag der Bedrohung Tirols von Graubünden aus ein Ende zu setzten. Zur sel- ben Zeit waren die Bündner entschlossen, sich mit einem militärischen Kraftakt von den ständigen Übergriffen von Tirol her zu befreien. Sie versam- melten ein starkes Heer vor der Calvener Schanze, hinter der die Königlichen lagen und auf die Ver- stärkung warteten, die ihnen Maximilian zuzu- führen im Begriff war. Dem kamen die Bündner zu- vor. Am 22. Mai griff ihr Hauptkontingent die Schanze frontal an, während, ähnlich wie bei Fras- tanz, zwei kleinere Detachements im Begriff war, die Stellungen des Gegners weit ausgreifend über das Gebirge zu umgehen. Trotz einiger Pannen er- rangen die Bündner nach mehrstündigem, mit äus- serster Härte geführtem Kampf einen vollständigen 
Sieg.29 Die Bündner triumphierten, ihr Wappentier, der springende Steinbock, habe dem Tiroler Adler die Federn gerupft, so dass der einst stolze Vogel nun einer Krähe gleiche. Sinnlose Grausamkeiten folg- ten: Die Bündner überzogen den ganzen Vintsch- gau mit Mord, Schändung, Raub und Brand, während man österreichischerseits die seit Kriegs- beginn in Meran festgehaltenen Engadiner Geiseln grausam umbrachte. Die Landbevölkerung lebte in katastrophalen Verhältnissen. Der Humanist Willi- bald Pirckheimer30, der das Nürnberger Kontingent befehligte, traf im Vintschgau Hunderte von Wai- senkindern an, die von Frauen «auf die Weide ge- trieben» wurden, um ihren Hunger an Gras und Sauerampfer zu stillen. Ein von Maximilian befohlener Gegenschlag ins Engadin blieb militärisch ohne Nutzen, weil die Bündner Kontingente den Königlichen auswichen. In weiterer Folge verhinderten die mangelnden fi- nanziellen und personellen Ressourcen weitere Kampfhandlungen am südlichen Kriegsschauplatz. Die Eidgenossen verlegten, als sich der König in Tirol befand, den Schwerpunkt des Kriegs an den Hochrhein und den Bodensee, sie überfielen wie- derum den Hegau und bedrohten das Hauptquar- tier des Schwäbischen Bundes in Überlingen. Des- sen Kontingente beriefen sich darauf, ohne den Kö- nig nichts unternehmen zu können. Viele waren während der Abwesenheit Maximilians nach Hau- se gezogen. Sein Plan, die Eidgenossen mit einem Mehrfrontenkrieg zu zermürben, war gescheitert. So verliess Maximilian Ende Juli Tirol west- wärts: Über Feldkirch und Lindau zog er in das Hauptlager nach Überlingen. Schliesslich verlegte er sein Heer nach Konstanz und musterte es bei ei- 28) Vgl. hierzu Tschaikner. Manfred: Uli Mariss - «Verräter und Wetterdämon». In: JBL 98 (1999), S. 41-48. 29) Zur Calvenschlacht und ihrem historischen Umfeld nunmehr: Gedenkschril't zum Calvengeschehen 1499-1999. Chur, 1999. 30) Rück, Karl: Willibald Pirckheimers Schweizerkrieg. Nach Pirck- heimers Autographum im Britischen Museum. München, 1895; Eckert, Paul Willehad; Imhoff, Christoph von: Willibald Pirckheimer. Dürers Freund im Spiegel seines Lebens, seiner Werke und seiner Umwelt. 2. Aufl. Köln, 1982. 151
        

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