Ansätze dazu scheiterten an den unterschiedlichen politischen Interessen der Orte. In Anbetracht der Stärke des Feindes Hessen sich die Truppen des Schwäbischen Bundes auf keine grösseren Kampf- handlungen ein, sondern wichen den Eidgenossen aus. Diese wiederum vermieden Unternehmungen, die ihrer Kriegermentalität widersprachen, wie etwa die längere Belagerung von Städten. So sehr ein Teil des schwäbischen Adels im Ver- trauen auf die militärische Kraft des Schwäbischen Bundes den Krieg gegen die Eidgenossen ge- wünscht hatte, so wenig war man auf königlicher Seite in der Lage, koordiniert und zielgerichtet zu handeln. Das lag schon in der Struktur des Bundes begründet. Nicht alle Mitglieder sandten entspre- chend grosse Kontingente, entweder weil sie an ei- nem Krieg mit den Eidgenossen kein Interesse hat- ten oder sie so weit entfernten waren, dass sie sich von dieser Auseinandersetzung nicht betroffen fühl- ten. Ins Feld geschickte Truppen wurden vielfach aus Kostengründen so rasch wie möglich wieder zurückberufen. Darüber hinaus scheint trotz des im Aufschwung befindlichen Landsknechtswesens noch ein spürbarer Mangel an erfahrenen Kriegsleuten bestanden zu haben. Auch die Kommandostruktu- ren Hessen - aus moderner Sicht - zu wünschen übrig. Die Kontingente der einzelnen Stände, waren sie auch noch so klein, unterstanden ausschliesslich ihrem Hauptmann. Diesen Hauptleuten übergeord- net war ein oberster Feldhauptmann, den die Bun- desversammlung für jeden Feldzug eigens wählte und dem wiederum einige Kriegsräte zur Seite stan- den. Ausgeprägtere Hierarchien waren dagegen nicht vorgesehen. Dass auch die eidgenössische Kriegführung an den Sonderinteressen der einzel- nen Orte schwer litt, wurde letztlich nur durch die grössere Effizienz ihrer Kriegführung ausgeglichen. Den ganzen Februar hindurch herrschte auf Sei- ten des Schwäbischen Bundes Verwirrung. Der Kö- nig weilte nach wie vor fernab vom Kriegsschau- platz in den Niederlanden, niemand konnte oder wollte die Initiative ergreifen. Zwar hatte Maximili- an am 15. Februar den Bischof von Chur geächtet und das Reich gegen ihn und seine Verbündeten aufgeboten, doch reagierten die Reichsstände dar-auf 
wie üblich, nämlich gar nicht oder nur sehr zö- gerlich. Am 16. Februar fragte Herzog Ulrich von Württemberg an, nachdem ihn der Schwäbische Bund um Unterstützung gebeten hatte, wie stark die Schweizer denn eigentlich seien, ob man den Krieg gegen sie als Feldstreit - also mit der Absicht auf offene Feldschlachten - oder aber als Klein- krieg zu führen gedenke. Erst am 8. März be- schloss der Bundestag zu Überlingen einen An- schlag, also die Grösse der von den einzemen Mit- gliedern zu stellenden Kontingente, und wählte den Grafen Wolfgang von Fürstenberg zum obersten Feldhauptmann. Vorerst sollten 5 000 Mann zu Fuss und 800 Berittene aufgestellt werden, um den Hegau, aus dem sich die Eidgenossen inzwischen wieder zurückgezogen hatten, zu sichern.25 Obwohl beide Seiten den Krieg nun mit be- trächtlichem Engagement und mit zunehmender Brutalität führten, mangelte es an der Koordinati- on. Am 22. März traf eine etwa 800 Mann starke Freischar, die sich vor allem aus Solothurner und Luzerner Kriegsknechten zusammensetzte, unweit von Basel auf einen zahlenmässig dreifach überle- genen gegnerischen Verband, der sofort attackiert und unter beträchtlichen Verlusten schwer geschla- gen wurde. Solothurn berichtete an Bern und Frei- burg, dass der Feind 600 Mann, die Angreifer hin- gegen keinen einzigen verloren hätten. Im Verlauf des März 1499 scheinen die Rüs- tungsmassnahmen des Schwäbischen Bundes all- mählich gegriffen zu haben. Ein grosses Kontin- gent wurde bei Konstanz zusammengezogen, seine Aufgabe war es, nun selbst in die Offensive überzu- gehen. Gleichzeitig stiessen österreichische Kräfte aus Tirol ins Engadin vor, das sie gründlich verwüs- teten. Die Sieger rühmten sich, 17 Dörfer niederge- brannt, viele Feinde erstochen, erhängt und ver- brannt, 450 Gefangene gemacht und 6 000 Stück Vieh ausser Landes gebracht zu haben. Auch im heutigen Vorarlberg wurden königliche Truppen zusammengezogen, um eine neue Front aufzubau- en und Vorstösse über den Rhein zu unternehmen. Am Morgen des 11. April griff das Gros des kö- niglichen Heers von Konstanz aus einen in Erma- tingen liegenden eidgenössischen Vorposten an. 148
        

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