überraschenden Gegenschlag gewannen die Bünd- ner Mitte Januar 1499 das Münstertal.17 Letzte Be- mühungen, die Streitigkeiten gütlich zu regeln, scheiterten. Für dieses Scheitern waren nicht zu- letzt die Verbündeten der unmittelbar in Streit Ste- henden verantwortlich. Die Grafschaft Tirol war Mitglied des Schwäbischen Bundes, der ihm im Kriegsfall zu Hilfe kommen musste, die Bündner waren mit den Eidgenossen verbündet. Beide, so- wohl der Schwäbische Bund wie auch der überwie- gende Teil der Eidgenossenschaft, wollten zu die- sem Zeitpunkt offenbar bereits die militärische Konfrontation, beide Hessen grosse Truppenver- bände in die Grenzräume aufmarschieren sowie in aller Eile Befestigungsanlagen und Landwehren verstärken. Weitere Gewalttätigkeiten ereigneten sich An- fang Februar im Alpenrheintal. Ein Urner Kontin- gent unter Heinrich Wo lieb, einem Sachwalter fran- zösischer Interessen in der Eidgenossenschaft, drang zu einem Handstreich über den Fluss vor. Umgekehrt gelang Verbänden des Schwäbischen Bundes, verstärkt durch Vorarlberger Landwehr- einheiten, der Durchbruch über die St. Luzisteig nach Maienfeld, das eine Vorarlberger Besatzung erhielt. Nun brach der Krieg - ohne förmliche Kriegser- klärung - vollends los.18 Am 12. Februar überschrit- ten die Aufgebote von Uri, Luzern, Glarus, Zug, Schwyz und Unterwaiden auf der Höhe von Triesen den Rhein und schlugen ein schwäbisch-öster- reichisches Heer in die Flucht, das Schloss Vaduz, das den Freiherren von Brandis gehörte, fiel.19 Von dort zogen die eidgenössischen Kriegsknechte plün- dernd und brandschatzend nach Norden ins heutige Vorarlberg. Die Aufgebote des Schwäbischen Bun- des und die meist isolierten Landwehren konnten dem Gegner nicht Paroli bieten.20 Für beide Seiten bestand das Problem darin, dass die potentielle Frontlinie mehrere hundert Ki- lometer lang war. Sie reichte von Basel dem Hoch- rhein entlang über den Bodensee und Alpenrhein bis ins Engadin und den Vintschgau. Weder der Schwäbische Bund noch die Eidgenossen verfügten über eine Gesamtstrategie, keiner der Gegner war aufgrund der Gegebenheiten in der Lage, seine 
Verbände zu einem letztlich entscheidenden Schlag zusammenzufassen. Ganz in mittelalterlicher Ma- nier richtete sich die Kriegführung in erster Linie gegen das Hinterland des Feindes, man zündete die Dörfer an, in der Regel aber erst, nachdem man sie zuvor gründlich ausgeplündert hatte, zumindest wurde den Bewohnern eine saftige Brandschat- zung auferlegt. Das Beutemachen war eine wesent- lich stärkere Triebfeder für die Bewegungen der Truppen als taktische Überlegungen. Gehässigkei- ten, Gewalttaten und Grausamkeiten jeder Art ins- besondere gegen jene Menschen, die man mit ei- nem modernen Begriff als Zivilbevölkerung zu be- zeichnen pflegt, waren an der Tagesordnung. Die erste grosse Schlacht des Schweizer- oder Schwabenkriegs fand schliesslich am österreichi- schen Bodenseeufer bei Hard, unweit von Bregenz, statt. Dort hatten sich einerseits Verbände des Schwäbischen Bundes gesammelt, die vor dem ra- schen Vorstoss der Eidgenossen im Rheintal zu- rückgewichen waren, andererseits war das Bun- desheer von Norden her verstärkt worden. Dem eidgenössischen Heer zogen Aufgebote des St. Gal- ler Klosterstaates, der Stadt St. Gallen und der Ap- penzeller zu. Es war etwa 10 000 Mann stark. Am 20. Februar trafen die Heere aufeinander, die Kö- niglichen in der Position der Verteidiger, der eid- genössische Heerhaufen im Angriff aus der Bewe- gung.21 Während die Kommandanten der Königli- chen lieber das Eintreffen weiterer Verstärkungen abgewartet hätten, gaben sich die Landsknechte durchaus kampflustig. Man wollte es den Eidgenos- sen, den verhassten «Kuhmäulern», zeigen, sie auch in offener Feldschlacht niederringen. Dieses Selbstbewusstsein der schwäbischen Landsknechte ist die Folge militärischer Innovatio- nen, die zwar ihren Ausgang zum Teil in der Eidge- nossenschaft genommen hatten, von König Maximi- lian I. aber modifiziert wurden. Die geradezu spek- takulären Erfolge von Fusstruppen seit dem begin- nenden 14. Jahrhundert, sei es der Eidgenossen, der Niederländer oder der Hussiten, hatten tiefgrei- fende Veränderungen der Kriegführung eingeleitet. Maximilian I. machte sie für sich nutzbar, er förder- te die Fusstruppen entscheidend, liess immer grös- 146
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.