DER 18. JANUAR 1699 - WENDEPUNKT UNSERER GESCHICHTE? / PAUL VOGT Begriff «Anschluss» gibt die Formulierung wieder, wie sie für die Bezeichnung des betreffenden Akts im Landesarchiv verwendet wurde. Die Initiative ging von den Unterländer Vorstehern aus. Landes- verweser Karl von In der Maur begegnete der Idee mit grosser Zurückhaltung: Er meinte, die Unter- länder könnten an einer solchen Feier nicht gehin- dert werden, doch könne es sich dabei nur um eine «rein lokale Feier» handeln, die nicht den Charak- ter einer Gründungsfeier des Fürstentums haben könne.3 Die beiden Herrschaften Vaduz und Schel- lenberg seien 17184 zum Reichsfürstentum Liech- tenstein erhoben worden. Fürst Johann II. stimmte dieser Meinung zu. Die Unterländer Vorsteher liessen sich durch In der Maur nicht beirren. Am 23. Februar 1899 schickten die Unterländer Vorsteher eine gemein- same Huldigungsadresse an Fürst Johann IL, in der es heisst: «Im Vollbewusstsein dieses Glücks, gehoben von den Gefühlen der Dankbarkeit gegen Gott und unser edles Fürstenhaus erneuern wir darum heute feierlich das Gelöbnis unserer ewig unwandelbaren Treue und des unterthänigsten Ge- horsams in die Hände Euer Hochfürstlichen Durch- laucht.»5 
Die Gemeinde Schellenberg errichtete bei einer Feier am 23. Februar 1899 «zur Erinnerung an die zweihundertjährige Gedenkfeier der Erwerbung der Reichsherrschaft Schellenberg am 23. Februar 1699 durch Seine Durchlaucht Fürst Johann Adam Andreas von und zu Liechtenstein»6 einen Gedenk- stein, der heute noch an der Strasse in den hin- teren Schellenberg steht. Zum Abschluss dieser Feier wurden sämtliche Strophen der Landeshym- ne gesungen.7 Bemerkenswert ist das falsche Da- tum für den Kauf (23. Februar statt 18. Januar): Dieses ist wohl darauf zurückzuführen, dass «un- ser» Nationalhistoriker Peter Kaiser in seiner Ge- 3) LLA RE 1899/29, Schreiben In der Maur an die Hofkanzlei vom 29. Januar 1899. 4) Die Urkunde, mit der die beiden Herrschaften Vaduz und Schel- lenberg vereinigt und zum Reichsfürstentum Liechtenstein erhoben wurden, datiert vom 23. Januar 1719. Die falsche Jahreszahl beim an sich geschichtsinteressierten In der Maur ist ein Hinweis darauf, dass die Geschichtsforschung noch ganz in den Anfängen steckte. 5) Liechtensteiner Volksblatt vom 3. März 1899. 6) Text auf der Gedenktafel in Schellenberg. 7) Liechtensteiner Volksblatt vom 3. März 1899. Anlässlich der 200-Jahrfei- er des Kaufs der Herrschaft Schellenberg wurde an der Strasse nach Hinterschel- lenberg ein Gedenkstein ge- setzt. Er trägt das falsche Datum «23. Februar 1699» statt 18. Januar 1699. 7
        

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