nerseits befürchtete eine Aushändigung des Inhaf- tierten an die Schweizer Behörden.283 Auf Nachfrage wurde Hübner von Alois Vogt über einen legalen Weg orientiert, Blaschke in Vaduz zu enthaften. Vogt habe vertraulich empfoh- len, dass Deutschland einen Auslieferungsantrag stelle «für den Fall, dass an der Auslieferung des Hackert [alias Rudolf Blaschke, d. Verf.] an deut- sche Behörden Interesse bestünde.»284 Hübner und ihm zur Seite Karl Kriener, der Gestapochef in Feldkirch, waren im Dezember 1942 die lokalen Unterredungspartner der liechtensteinischen Be- hörden. Zu seiner Vorgangsweise in Liechtenstein sprach sich Hübner weiterhin mit höheren SD- und Gestapo-Stellen ab. Vom RSFIA erhielt der Gestapo- Kommissar Rückendeckung für die Stellung eines Auslieferungsbegehrens. Im internen deutschen Dienstverkehr stand dieses Vorgehen zeitweise in Konkurrenz zu waghalsigeren Erwägungen. Der ebenfalls durch Blaschkes Verhaftung alarmierte SS-Führer Dauser vom SD-Leitabschnitt München meldete sich am 5. Dezember telefonisch bei Gesta- pochef Kriener. Dauser wünschte eine Unterredung mit Alois Vogt, «um diesen zu veranlassen gegen eine Bezahlung von 30 000 bis 50 000 sfr. den H. [Hacker, d. Verf.] freizulassen bezw. ihm die Flucht zu ermöglichen.»285 Der förmliche Weg, so tele- grafierte die lokale Gestapo an München zurück, sei «erfolgversprechender und ungefährlicher».286 Hübner und Kriener standen zwar unter Erfolgs- druck, wünschten aber im Verkehr mit der liech- tensteinischen Regierung, «dass der offizielle Cha- rakter unserer Dienststelle gewährleistet bleibt».287 Die liechtensteinische Regierung hielt den in- formellen Weg zur Gestapo offen, agierte aber ebenfalls vorsichtig. Hübner, der aus München einen eigens für Blaschke verfertigten Haftbefehl und fingierte Ermittlungsakten zur Übergabe in Va- duz erhielt, gab zu bedenken, «dass die Regierung in Liechtenstein diesen Weg als formell falsch ab- lehnt.»288 Ein amtliches Auslieferungsgesuch wur- de am 10. Dezember von Kommissar Hübner an Regierungschef Hoop ausgefolgt.289 Alois Vogt habe Hoop daraufhin geraten, den «ad hoc» gestellten Antrag zu schubladisieren.290 Andere Wege wurden 
beschritten, die ein Eingehen auf das deutsche Ge- such schliesslich erübrigten. Der «Geschäftspart- ner» Blaschkes, Friedrich Schwend, tauchte in Begleitung eines SS-Offiziers, Dr. Wilhelm Groebl vom RSHA, in Feldkirch auf. Dort traf sich der Regierungschef-Stellvertreter mit Schwend, mit Groebl, so Vogt, sei er nicht zusammengekommen. Schwends Ansuchen, ihm eine Grenzkarte zur Einreise nach Liechtenstein und dortigen Zeugen- aussage, zu legitimieren, lehnte Vogt ab. Ein an- deres Vorgehen wurde gewählt. Auf Anraten Vogts und nach Vorschlag von Gestapochef Kriener begab sich der zuständige Untersuchungsrichter Dr. Hermann Risch in Begleitung eines Polizeibe- amten nach Feldkirch und führte eine Einvernah- me Schwends durch.291 Die gegenseitigen Bemühungen um eine rechts- förmige und stille Abwicklung des Falles Blaschke mündeten schliesslich in eine bemerkenswerte Lagebesprechung in Vaduz. Diese fand am Don- nerstag den 17. Dezember 1942 statt, am Vortag der Obergerichtssitzung zu Blaschkes Enthaftungs- gesuch. Quellenmässig festgehalten ist die Bespre- chung durch eine diesbezügliche Verständigung zwischen den Gestapostellen Feldkirch und Bre- genz.292 Kriener war frühmorgens nach Vaduz ge- laden und wurde über die bevorstehende Sitzung des Obergerichts und ein mögliches Vorgehen zugunsten Blaschkes orientiert. Anwesend waren Regierungschef Hoop, dessen Stellvertreter Vogt sowie Dr. Risch als Untersuchungsrichter. Risch, der in der fraglichen Sache als Landrichter, Unter- suchungsrichter und Verteidiger in einem (!) fun- gierte, schätzte die Aussichten des Gesuchstellers Blaschke als gut ein. «Es handelt sich aber da- rum, dem Obergericht die Sache günstig darzustel- len» erinnerte Kriener Rischs Ansicht. Zwei Dinge wären von deutscher Seite erforderlich: eine Kau- tionsstellung sowie eine ordentliche gerichtliche Einvernahme des Friedrich Schwend, jene in Feld- kirch genügte nicht. Alois Vogt habe diesen Punkt unterstrichen und die Gestapo-Beamten um Erledi- gung der Angelegenheit ersucht. Diese erwogen nach der Besprechung in Vaduz, sich an Vogt zu wenden, damit er das Telegramm zur Kautions- 96
        

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