Idee einer antibolschewistischen Allianz einge- gangen, die «Schaffung eines Heimatbundes auf überparteilicher Grundlage» habe er begrüsst.262 Die praktische Umsetzung solcher Kooperations- vorschläge liessen Alois Vogt und seine Begleiter von der VU-Führung allerdings in der Schwebe. Zum Erstaunen Sichelschmidts stellte Vogt Kalkül und Ressentiment der Landespolitik in den Vorder- grund: Er und Dr. Schaedler hätten kein Programm für die VU, diese Partei sei «lediglich das Instru- ment zur Unterbauung ihrer persönlichen Positio- nen in der Regierung und im Landtag». Ausserdem habe Vogt den nationalsozialistischen Charakter der VDBL bestritten, «sie [die VDBL, d. Verf.] sei lediglich ein Sammelbecken der grundsätzlich oppositionell Eingestellten.»263 Sichelschmidts ab- schliessende Einschätzung der VU-Haltung doku- mentiert Realitätssinn und Verachtung des «gross- deutsch» gesinnten SS-Führers gegenüber den un- entschlossenen Liechtensteinern: «Es zeigt sich, dass Männer wie Dr. Vogt und Dr. Schaedler einfach nicht in der Lage und Willens sind, direkt auch nur die kleinsten Entschlüsse zu fassen. Neben der liberal-parlamentarischen Grundeinstellung dieser Männer tragen daran natürlich die engen Verhältnisse in Liechtenstein schuld, die aus jedem kleinen Problem gleich eine Staatsfrage erster Ordnung machen. Hinzu kommt, dass sie offenbar klare Festlegungen aus politi- schen Gründen nicht wollen, dass ihre Verhand- lungsbereitschaft mit der Volksdeutschen Bewe- gung und Reichsstellen also nur dem Gebot der politischen Klugheit entspricht, sich für alle Fälle nach der nationalsozialistischen Seite hin den Weg offen zu halten.»264 Sichelschmidt gab die Hoffnung auf eine völ- kische Zusammenarbeit in Liechtenstein nicht ganz auf. Bereits vor der Besprechung war Klaus Huegel vom SD Stuttgart zum «ständigen Verbindungs- führer» der VOMI für Liechtenstein bestellt wor- den. Nun war es an Huegel, für die Umsetzung der besprochenen Kooperationsanregungen - «Hei- matbund» und «Antibolschewistisches Komitee» - besorgt zu sein. Huegels Beauftragung dürfte das Ende einer vom Reich beförderten, anschlussorien-tierten 
Volkstumspolitik in Liechtenstein besiegelt haben. Das Vorhaben einer Fusion von VDBL und VU scheint durch Absprachen zwischen Auswär- tigem Amt und RSHA im April 1943, einen Monat nach Friedrichshafen, aktenmässig abgeschlos- sen.265 Zur selben Zeit wurde Klaus Huegel nach Berlin ins RSHA berufen und Leiter des Schweiz/ Liechtenstein-Referates des SD. Im Arbeitsgebiet Fluegels war der neutrale Kleinstaat vorab nachrichtendienstlich interessant. Seit Sommer 1942 streckte Huegels Chef im RSHA, Walter Schellenberg, vorsorgliche Friedensfühler in der Schweiz aus.266 Huegel konnte seinen liech- tensteinischen Vertrauten Alois Vogt 1942 und 1943 in dieser Angelegenheit gewinnen, als Mit- telsmann zum englischen Generalkonsul Cable.267 Vogt wurde ausserdem in zwei Fällen um nach- richtendienstliche Hilfestellung angegangen. Sol- ches erfolgte nach Friedrichshafen, im Sommer 1943; auch mit Verweis auf die Unterstützung des SD bei der Ausschaltung der VDBL. In Liechten- stein selbst wurden Herausgabe und Vertrieb des VDBL-Organs «Der Umbruch» am 8. Juli 1943 per Regierungsverfügung eingestellt. 92
        

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