sen und dann kriechen kommen ...».24S Anders sehe es mit Liechtenstein aus; in einer kürzlichen Konferenz habe man beschlossen, Liechtenstein «als deutsches Land zu behandeln und die liech- tensteinische Frage zu forcieren». Dies bedeutete damals, so Vogt, den Anschluss herbeizuführen. Alois Vogt teilte diese Eröffnungen umgehend Erd- mannsdorff und Strak in der politischen Abteilung mit, damit diese bei der Reichsregierung inter- venierten. Erdmannsdorff habe ihn beruhigt und eine Verständigung Ribbentrops zugesichert.249 Möglicherweise, diese Deutung würde durch Vogts Erinnerung nahegelegt, stand die September- Besprechung im Auswärtigen Amt bereits unter dem Eindruck einer von der Ministeriumsspitze 1942 erneuerten Zurückhaltung in der Liechten- stein-Frage. Im November 1942 traf Vogt in Liechtenstein eine über die Besprechungsergebnisse vom 8. Sep- tember hinausgehende Abmachung mit einem RSHA-Vertreter. 1946 gab Vogt an, dass seitens ei- niger SS-Stellen die Idee einer Fusion der VDBL und der VU seit Herbst 1942 verfolgt wurde; der SD-Mann Klaus Huegel habe ihm dies mitgeteilt. Huegel meinte, dass die SS - welcher er ja selber angehörte - ein Interesse daran habe, das Rand- problem VDBL «ohne Prestigeverlust» loszuwer- den.250 Vogt vermutete, dass seine Vorsprachen im Auswärtigen Amt den Fusionsplan mitbewirkten, dass er selber mit einem RSHA-Vertreter Abspra- chen traf, erwähnte er 1946 nicht. Allerdings hatte auch die Deutschlandabteilung im Auswärtigen Amt eine abschliessende Regelung der Volkstums- politik offen gelassen, eine weitere Besprechung im Reich zu einem anlasslälls abgestimmten Vorgehen von VU und VDBL wurde «ins Auge gefasst».251 Eine interne Folge von Vogts «Verstoss» war, dass nun die Deutschlandabteilung ihrerseits alarmiert wurde und über mehrere Monate im RSHA Nach- fragen zu Gegenstand und Beteiligten jener Abma- chung unternahm.252 
DISPOSITION, VERLAUF UND FOLGEN DER FRIEDRICHSHAFNER BESPRECHUNG VOM 13. UND 14. MÄRZ 1943 Ein Treffen zwischen den politischen Führern der VU und der VDBL wurde bereits im September 1942 im Aussenministerium in Aussicht genom- men. Am Abend des 13. März 1943 und am da- rauffolgenden Tag fand es schliesslich im Kurgar- tenhotel in Friedrichshafen statt, von SS-Stellen erwünscht,253 unter den Auspizien des Auswärtigen Amtes und unter Beteiligung eines Mitarbeiters des RSFIA. Seitens der VU nahmen Parteiführer Dr. Otto Schaedler, der Verwalter des Parteiorgans «Liechtensteiner Vaterland» Gustav Schädler so- wie, wortführend, Alois Vogt teil. Von der VDBL waren der ehemalige Landesleiter Dr. Alfons Goop, sein Nachfolger Dr. Sepp Ritter, Ingenieur Martin Hilti, bis 1942 «Schriftleiter» des VDBL-Organs «Umbruch», sowie der VDBL-Jugendführer und Lehrer Ernst Schädler anwesend. Goop war Vogts Besprechungspartner, seine Landesleiterstellung hatte er kurz zuvor mit Eintritt in die Waffen-SS an Sepp Ritter abgegeben. Vom SD Innsbruck nahm SS-Hauptscharführer Nockerl teil, aus Stuttgart waren der SS-Sturmbannführer Böhm und Haupt- sturmführer Klaus Huegel in Begleitung einer Se- kretärin, «Frl. Hacker», angereist. In der Person des SS-Sturmbannführers Hummitzsch vom SD Inland war auch das RSHA in Berlin beteiligt. Die VOMI vertrat der zuständige Referatsleiter Dr. Sichelschmidt, damals im Rang eines SS-Haupt- sturmführers.254 Obwohl die Besprechung im März 1943 auf deutschem Boden und in Regie der VOMI durchge- führt wurde, galt sie keiner expansiven und akti- vistischen Volkstumspolitik mehr. Vorabsprachen, insbesondere jene im Auswärtigen Amt vom Sep- tember 1942,255 schlugen sich in entsprechenden Dispositionen des Konferenzleiters Sichelschmidt nieder: Erwünscht war eine «Zusammenarbeit der beiden deutsch-orientierten Gruppen in Liech- tenstein», eine Parteienfusion von VU und VDBL schien wegen der fortdauernden Aussetzung der Landtagswahlen innenpolitisch nicht angezeigt.256 90
        

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