selbst erklärte, dass nach mehrmonatigen vergeb- lichen Kontaktversuchen ein erstes Treffen mit Otto von Erdmannsdorf! im Auswärtigen Amt zustande kam.230 In einem zweiten Treffen, vermutlich eben- falls 1941,231 vermittelte Erdmannsdorff eine wohl- wollende Haltung der Reichsführung zu Liechten- steins Fortbestand in der schweizerischen Nach- barschaft. Allerdings habe der deutsche Offizial Vogts Vermutungen bezüglich einer auswärtigen Unterstützung der VDBL bestätigt. Erdmannsdorff verwies auf «SS-Kreise», welche seine Amtsstelle in der Liechtenstein-Frage kritisierten und empfahl Vogt, dort zu intervenieren.232 Alois Vogt wurden schliesslich von seinem SD- Vertrauten Klaus Huegel die fraglichen SS-Stellen bezeichnet. Vogt erinnerte sich an eine erste Vor- sprache bei der VOMI, namentlich dem für die Schweiz und Liechtenstein zuständigen SS-Führer Dr. Hans Sichelschmidt, im Jahre 1941.233 Die Aus- sagen Alois Vogts sind auch hier die einzige vorlie- gende Quelle; nach Zeitpunkt und Inhalt erschei- nen sie plausibel. Vogt wies den VOMl-Vertreter daraufhin, dass gerade aus Sicht seiner Stelle eine Stützung der VDBL ungünstig sei. In der grundsätz- lich deutschfreundlich eingestellten Bevölkerung Liechtensteins wirkten die «nach deutschem Mus- ter angewandten Methoden» der VDBL eher ab- schreckend.234 Gemäss Erinnerung Vogts habe die VOMI aber unverdrossen an einer Verbindung zur Anschluss- bewegung festgehalten. Tatsächlich scheint die VOMI ihre Wunschvorstellung eines nationalso- zialistischen Liechtenstein erst im Zuge der Frie- drichshafner Besprechung korrigiert zu haben. KOOPERATIONSPLÄNE VU - VDBL: DEUTSCHE DIVERGENZEN UND ALOIS VOGTS LAVIEREN Gemäss zweier unabhängiger Quellen wurde ein politisches Zusammengehen von VU und VDBL mindestens seit Frühjahr 1942 gezielter verfolgt.235 Der deutsche Dienstverkehr belegt, dass hierbei im Laufe des Sommers und im Herbst 1942 wenigs-tens 
dreimal unterschiedliche Positionen einge- nommen wurden: Im August 1942 berichtete der VOMI-Zuständige Sichelschmidt von «Verhandlungen über die Zu- sammenlegung der Volkdeutschen Bewegung und der Vaterländischen Union in Liechtenstein». Diese seien auf gutem Wege, «aussenpolitische Schwie- rigkeiten» gebe es nicht, der SD Innsbruck solle die Vorverhandlungen mit VU und VDBL soweit führen, dass deren Abschluss unter Leitung der VOMI «auf jeden Fall ein positives Resultat» er- gebe.236 In einer dem VOMI-Schreiben beigefügten Handnotiz schränkt ein Volkstumsreferent im Aus- wärtigen Amt die Zuversicht Sichelschmidts ein: Helmut Triska von der Deutschlandabteilung (Refe- rat D VIII) hielt eine Besprechung im Amt fest, bei der Alois Vogt, Dr. Sichelschmidt von der VOMI, der SD-Mann Klaus Huegel und Legationsrat Franz Rademacher, ebenfalls von der Deutschlandabtei- lung, anwesend waren. In diesem Treffen vom 8. September 1942, also kurz nach der optimistischen VOMI-Meldung, wurde ein «Zusammenschluss» der VU mit der VDBL abgelehnt. Allerdings solle ein «gegenseitig abgestimmtes Vorgehen bei aku- ten Anlässen» in einer weiteren Besprechung ab- geklärt werden.237 Zwei Monate später habe sich Vogt entgegen der Abmachung in Berlin mit einem Vertreter des RSHA in Liechtenstein auf «ein Ab- kommen über eine Vereinbarung» zwischen der VU und der VDBL eingelassen. Dies berichtete Ra- demacher von der Deutschlandabteilung, bei dem Alois Vogt persönlich vorsprach.238 Der liechten- steinische Regierungschef-Stellvertreter bestätigte die Meldung und rechtfertigte sich gegenüber Rademacher: «Vogt gab zu verstehen, dass er den Mann [vom RSHA, d. Verf.] habe loswerden wollen. Er habe die Vereinbarung aber so abgefasst, dass sie ihn praktisch nicht binde.»239 Das deutsche Besprechungsprotokoll des Fried- richshafner Treffens bestätigt das angesprochene Lavieren Vogts in völkischen Fragen. Auch dort erweist sich der liechtensteinische Regierungs- mann als rhetorisch entgegenkommend, in der Konkretisierung einer VDBL-Zusammenarbeit aber praktisch unverbindlich.240 88
        

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