Frühe Entwicklungen bis ins 14. Jahrhundert Der Entstehung und Entwicklung des Eigentums- begriffes kann hier nicht nachgegangen werden. Es wäre dies ein eigenes grosses, separat zu behan- delndes Thema. Es sei lediglich betont, dass die heutigen Vorstellungen von Eigentum und Besitz denjenigen früherer Zeiten nicht gleichgesetzt wer- den dürfen. Die heutigen Begriffe lassen sich nur mit erheblichem Vorbehalt auf frühere rechtsge- schichtliche Perioden anwenden. Privates Eigen gab es in früher Zeit nur bei den Hofstätten, in unmittelbarer Siedlungsnähe. Das übrige Land, Riede, Auen, Wälder, Alpen und aller unproduktive Boden bildeten die freie Mark. Es war dies Gemeingut der bäuerlichen Siedlungen, an dem hoheitliche Gewalthaber, der römische Staat, das karolingische Königtum und später ade- lige Landesherren, Obereigentum inne hatten. Die Wurzeln des Eigentums sind im einzelnen unklar. Rechte am Boden, wie sie uns in den ältesten schriftlichen Quellen begegnen, sind jedenfalls rö- mischen und germanischen Ursprungs. Für die älteste Zeit gibt es kaum Belege für die Eigentums- und Besitzverhältnisse am Boden. Ar- chäologische Funde und Namenforschung geben wenige Hinweise auf die Siedlungsgeschichte und die Art der Nutzung des Bodens. Aus einzelnen urkundlichen Quellen, aufgrund der Flurnamen und der topographischen Gegebenheiten, lassen sich verschiedene Nutzungsarten wohl lokalisieren, nicht aber sicher zeitlich einordnen. Wie die Nut- zungsverhältnisse sind auch die Besitzverhältnisse anhand der spärlichen zeitgenössischen Quellen- belege bis ins 14. Jahrhundert nur ungenau zu rekonstruieren. Bei den in den Urkunden dieser Zeit aufgeführ- ten Grundstücken im Talraum handelt es sich durchwegs um Eigengüter. Gemeinbesitz ist hier nirgends direkt erwähnt. Es gab ihn aber sehr wohl, wie sich aus den späteren urkundlichen Quellen des 15. und 16. Jahrhunderts erschliessen lässt. In den Alpen hingegen ist Gemeinbesitz schon im 14. Jahrhundert urkundlich eindeutig belegt. Der Gemeinbesitz bildete bereits in dieser frü- hen Zeit einen wichtigen Bestandteil des bäuer-lichen 
Betriebes. Hofstätten und Eigengüter (Acker- und Wiesland, Wein- und Baumgärten) wurden denn auch «mit aller Zubehör» verkauft, «mit Weiden, Wäldern, Gestäuden», «mit Weg und Steg, mit Holz und Feld, mit Stock und Stein, mit Wasen und Zweig» oder «mit Wunn und Weid, mit Holz und Feld». So werden in den zeitgenössischen Urkunden die Nutzungs- und Gewohnheitsrechte an der gemeinen Mark umschrieben, die an den einzelnen Höfen und ihren Gütern hafteten. Damit sind neben Lasten vor allem Rechte am Gemein- besitz gemeint. Wunn und Weid, Wald und Wasser, Wege und Stege, bildeten die gemeinsame Mark. An dieser hatten die Nachbarschaften von Schaan, Vaduz und Planken Anteil, diese nutzten und ver- walteten sie zumindest teilweise gemeinschaftlich. Ein entsprechend organisierter Zusammenschluss zu einer Markgenossenschaft mit eigenen Satzun- gen und Organen ist jedoch nicht nachzuweisen. Die Mark wurde aber als Gemeingut der drei Dorf- schaften angesehen. Jede nahm das ihr zunächst gelegene Stück Weide und Wald in ihre Nutzung. Nutzungseigentum war aber noch nicht ausge- schieden, Nutzungsgrenzen waren noch nicht vor- handen. Es war dies auch nicht nötig, da für die damaligen kleinen Siedlungen die Mark als unbe- schränkt vorhandenes Gut erscheinen musste. Pri- vatbesitz war beschränkt auf den vom Gemeinland abgegrenzten engeren Dorfbereich mit seinen Hof- stätten, Weingärten und Ackerfluren. Die Abgren- zung erfolgte durch den sogenannten Etter oder Dorfzaun, der auch als Hecke oder Mauer ausgebil- det sein konnte. DAS KIRCHSPIELTERRITORIUM IM TALRAUM Im Talraum war das Territorium des Kirchspiels von Schaan, Vaduz und Planken schon seit alter Zeit abgesteckt. Gegen Norden bildete die Grenze zwischen Ober- und Unterland auch seine Grenze. Sie entsprach einer frühkirchlichen Unterteilung des Landes aus der Spätantike. Die Grenze gegen Süden bildete in etwa die heutige Gemeindegrenze zwischen Vaduz und Triesen. 4
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.