«DER EINZIGE MANN, DER DIE SACHE AUF SICH NEHMEN KÖNNTE ...» / JÜRGEN SCHREMSER dem man von deutscher Seite «Anweisungen» ge- ben könne.176 Gerade daran schien das Reichsaus- senministerium nicht interessiert, es reagierte auf die gemeldeten Vorstösse mit Zurückhaltung: Peter Rheinberger solle beruhigt werden, «Jeder Putsch könne sich sehr zu Ungunsten Liechtensteins aus- wirken.»177 Zu den Fragen der liechtensteinisch- schweizerischen Beziehungen nehme man «Auf Anweisung des H. RAM», also Ribbentrops, «vor- läufig», das heisst im Oktober 1940, keine Stel- lung178 und auch im Mai 1941 solle «in der Sache selbst» - Anschlussfrage und Verhältnis zur Schweiz - «kurz getreten werden.»179 Diese Posi- tion solle Vogt beziehungsweise Rheinberger wie- derum vom SD vermittelt werden, an einer wei- teren Nachrichtenverbindung mit Alois Vogt und einer diesbezüglichen Unterrichtung seiner Abtei- lungen war das Auswärtige Amt interessiert.'80 ZWIESPÄLTIGER EINDRUCK DER KONTAKT- DIPLOMATIE DER JAHRE 1940 UND 1941 Alois Vogt äusserte nach dem Krieg gegenüber der schweizerischen Bupo, dass er seit Herbst 1940 über mehrere Monate versuchte, «heraus- zubringen, wo die liechtensteinische Opposition, die Volksdeutsche Bewegung, in Deutschland ihre Stützpunkte habe», um der VDBL dort entgegen- zutreten.181 Als Adressaten seiner Vorstösse gab Vogt unter anderem den SD in München an. Hier- bei habe ihm Peter Rheinberger geholfen.182 Über Vermittlung eines Bekannten in Berlin sei schliess- lich ein Treffen mit Erdmannsdorff im Auswärtigen Amt zustande gekommen.188 Vogts Angaben bestätigen den Zeitraum und decken sich teilweise mit den Inhalten der deut- schen Korrespondenz. Beide Quellen bieten den- noch ein lückenhaftes und zwiespältiges Bild der damaligen Kontaktdipiomatie. Möglicherweise ging es Vogt darum, die Haltung der «massgebenden» Stelle zur VDBL, der liechtensteinischen Anschluss- bewegung, einzuholen. Seine nächstliegenden Kon- takte bestanden 1940 nicht zum Auswärtigen Amt, sondern zur VOMI und zu Vertretern des SD Stutt-gart.184 
Auf Anfrage hatte bereits der SD-Mann Pe- ter seinen Bekannten Alois Vogt zur Liechtenstein- Einstellung der Reichsführung orientiert. Dies er- folgte im Vorfeld des VDBL-Putschversuchs vom 24. März 1939.18S Allerdings erscheint Vogt in den späteren deutschen Quellen exponierter, ja selbst, der VDBL-Linie folgend, zu Eingliederungsver- handlungen bereit. Sowohl die Erinnerung Vogts als auch die deutsche Wahrnehmung bleiben selek- tiv. Vogt erwähnte 1946 keine Besprechungsange- bote zu Eingliederungs- oder «Schweizer Fragen». 165) LLA 0. S. Sammelakt NS, Dok. Nr. 484850 - 484874. Dass. AA, PA Inland II g 409. Zur Bewertung in der Literatur siehe Krebs: Zwischen Fürst und Führer, S. 559 L 166) Dok. Nr. 484874 enthält eine Handnotiz «betreffend Liechten- stein» vom 25. September 1941, ohne dass ein Zusammenhang mit den vorhergehenden Vorgängen deutlich würde. 167) LLA 0. S. Sammelakt NS, Dok. Nr. 484850, 12. September 1940: Heydrich (SD) an Ribbentrop (AA). 168) Ebenda. 169) LLA 0. S. Sammelakt NS. Dok. Nr. 484851, undat. Aktennotiz im Amt VI F (SD). 170) LLA 0. S. Sammelakt NS. Dok. Nr. 484855 - 484865. 24. Okto- ber 1940: Jost (SD) an Luther (AA). 1 71) LLA 0. S. Sammelakt NS. Dok. Nr. 484870 - 484874. Mai 1941. 172) Ebenda, Dok. Nr. 484852, undat. Handnotiz im AA, Abteilung Deutschland. 173) Ebenda. 174) PAAV/523 Zeugenaussage Alois Vogt, 18. Januar 1946. S. 10. 175) LLA 0. S. Sammelakt NS. Dok. Nr. 484872 f., 14. Mai 1941: Handnotiz Neuwirth (AA). Tatsächlich hatte Alois Vogt mit Mit- arbeitern des SD Stuttgart schon 1939 Bekanntschaft gemacht. 176) Ebenda Dok. Nr. 484855. 24. Oktober 1940. 177) Ebenda Dok. Nr. 484853. 9. Oktober 1940. 178) Ebenda Dok. Nr. 484855. 27. Oktober 1940: Handnotiz Luther (AA). 179) Ebenda Dok. Nr. 484870. 14. Mai 1941: Handnotiz Kieser (AA). 180) Ebenda Dok. Nr. 484866, 31. Oktober 1940: Picot (AA). 181) BAB Bupo-Vernehmung Alois Vogt 1946. S. 12 f. 182) Ebenda, S. 6 f. 183) Ebenda, S. 13. 184) Siehe S. 75. 185) Siehe S. 66. 81
        

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