«DER EINZIGE MANN, DER DIE SACHE AUF SICH NEHMEN KÖNNTE ...» / JÜRGEN SCHREMSER Putschfolgen war auch der Landesfürst einbezo- gen.'1'7 Vogt dürfte seine weiteren Kontakte im Reich mit Zutrauen des Regierungschefs und des Landesfürsten verfolgt haben. Für eine Missbilli- gung durch Hoop oder Fürst Franz Josef II. finden sich keine Hinweise. Vogts deutschvölkischer Par- teihintergrund war Hoop bekannt, Besprechungen und Reisen des Vizeregierungschefs im Deutschen Reich wurden auch in Liechtenstein misstrauisch oder mit Anschlusserwartungen verfolgt. Aller- dings beanspruchten FIoop und Vogt ihre jewei- ligen Kontaktleute «für sich». Vogts SD-Vertrauter Huegel erinnert, dass Vogt ihn nie mit Regierungs- chef Hoop zusammengebracht habe, sein «dezen- tes» Auftreten in Liechtenstein sei sehr wohl argwöhnisch vermerkt worden. Andererseits un- terhielt Alois Vogt zu Hoops Mittelsmännern, etwa Konsul Sieger, keine vertrauliche Beziehung. Während Hoop und Vogt ihre freundliche Linie gegenüber Deutschland im Landtag gemeinsam vertraten, scheint sich Hoop nach 1941 aus den Kontakten im Reichsgebiet zurückzuziehen. Vogt blieb für Besprechungen verfügbar, nach Einschät- zung Huegels wollte Regierungschef Hoop nicht mehr persönlich im Reich hervortreten, anderer- seits habe er Reisen nach Berlin aufgrund der Kriegseinwirkungen gescheut.158 Die Reichshaupt- stadt wurde von den Alliierten stark bombardiert. Alois Vogt habe von einem Luftangriff 1944, bei Eintreffen seines Zuges nach Berlin, erzählt.159 Vogt setzte sich auch im Auftrag des Fürsten mehrmals mit Berlin in Verbindung,160 zuletzt Ende 1944, um die Ausfuhr fürstlicher Kunstschätze zu erwirken.161 Zu einer grösseren Verstimmung die auswärtigen Beziehungen betreffend kam es Ende 1944. Unmittelbarer Anlass war die eigenmächtige Errichtung einer liechtensteinischen Gesandtschaft in Bern durch Franz Josef II. Hierbei stellten sich die Gesamtregierung und der Landtag im Dezem- ber 1944 gegen den Monarchen. Die Regierung leg- te ihre Argumente schriftlich nieder, sie befürchtete Komplikationen nicht zuletzt hinsichtlich «guter Beziehungen zu Deutschland».162 Die Argumenta- tion der Regierung deckte und bekräftigte nur fünf Monate vor Kriegsende die bisherige Linie gegen-über 
dem Reich. Ein diplomatischer Verkehr mit Berlin über Gesandtschaften oder das EPD163 wäre «als Mangel auch insofern zu werten, als der viel- fach gepflogene Verkehr ein gewisses Vertrauens- verhältnis geschaffen hat, das zur Erledigung der mannigfachen schwebenden Fragen sehr beigetra- gen hat.»164 149) Siehe S. 80-81. 150) Siehe S. 82-83. 151) BAB Bupo-Vernehmung Alois Vogt 1946, S. 24. 1 52) AA, PA Inland II g 409. 26. August 1942: Sichelschmidt (VOMI) an AA. 153) Laut Bupo-Bericht habe Süss über den Abwehr-Chef Admiral Wilhelm Canaris Verbindung mit Widerstandskreisen gehabt: BAB E 2001 (E) 1969/262 Bd. 40. 14. April 1947: Bupo-Bericht Inspektor Benz. 154) Eugen Steimlc, geb. 1909. von September 1936 bis Februar 1943 Leiter des SD Stuttgart, danach Chef der Westeuropa-Gruppe des Auslands-SD im RSHA, ab Juni 1944 im Rang eines SS-Stand- artenführers (militär. Rang eines Oberst). Steimle unterbrach seine zivile SD-Tätigkeit zweimal für Kommandoübernahmen bei den berüchtigten SD-Einsatzgruppen im Osten. Er wurde 1948 nach dem Einsatzgruppen-Prozess zum Tod verurteilt. Das Urteil wurde in eine 20-jährige Haftstrafe umgewandelt. 155) Siehe S. 99. 156) Siehe S. 67-68. 157) Siehe Anm. 105. 158) PAAV/524 Bupo-Vernehmung Klaus Huegel 1946, S. 6. 159) Mitteilung Rudolf Rheinberger, 1. September 1997. 160) BAB Bupo-Vernehmung Alois Vogt 1946, S. 12, 22: Alois Vogt erinnerte sich, vom Fürsten wiederholt zur Abklärung deutscher Liechtenstein-Einschätzungen aufgefordert worden zu sein. Im November 1942 korrigierte er eine Einschätzung des Fürsten als «deutschfeindlich» gegenüber Erdmannsdorf!'vom Auswärtigen Amt. Für einen inoffiziellen Fürstenbesuch im Juli 1943 klärte Vogt ebenfalls bei Erdmannsdorf ab (LLAO. S. Sammelakt NS, Dok. Nr. 192037/38, 192041. Dass. in AA, PA Büro des Staatssekretärs.) 161) Siehe Gustav Wilhelm: Der Weg der Liechtenstein-Galerie von Wien nach Vaduz. In: JBL 95 (1998) S.23 f.: Peter Geiger: «Am Rande der Brandung». Kriegsende 1945 in Liechtenstein. In: JBL 95 (1998) S. 57. 162) LEA RF 227/228. 7. Dezember 1944: Regierungsmemorandum zur Frage der Gesandtschaftseinrichtung. 163) Auch gegenüber der Schweiz behielt man sich den von Hoop seit 1938 anvisierten Freiraum offen. Vgl. S. 62. 164) LLA RF 227/228. 79
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.