«DER EINZIGE MANN, DER DIE SACHE AUF SICH NEHMEN KÖNNTE ...» / JÜRGEN SCHREMSER UMSTÄNDE DER VERBINDUNGSAUFNAHME: GEHEIMDIPLOMATIE UND NACHRICHTEN- DIENSTE Alois Vogt war im Laufe des Jahres 1938 von Re- gierungschef FIoop in Liechtensteins Aussenver- tretung einbezogen worden.130 Als Regierungschef- Stellvertreter war Vogt auch beim offiziellen Berlin- Besuch am 2./3. März 1939 beteiligt, bei den Besprechungen mit Hitler, Göring und Ribbentrop waren nur Hoop und Fürst Franz Josef II. zuge- gen.131 Der nationalsozialistische Putschversuch in Liechtenstein erfolgte nur drei Wochen nach Ber- lin. Er erwies, dass man sich bezüglich der bestim- menden deutschen Haltung auf persönliche Ein- drücke, Stimmungsbilder und zugetragene Hin- weise, im besten Falle von der Führungsebene, stützen musste. Der Berlin-Besuch vor Kriegsbe- ginn sollte der einzige offizielle Staatsakt in den deutsch-liechtensteinischen Beziehungen werden. Inoffizielle Linien wurden aufrechterhalten, für Be- schwichtigungen und Informationszugänge im Um- feld der Reichsspitzen. Regierungschef Hoop hatte Mittelsmänner in Gauverwaltungen, Propaganda- ministerium und im Auswärtigen Amt. Sein Kon- taktmann Konsul Sieger blieb bis nach Kriegsende in Liechtenstein. Vogt baute seine Verbindungen allmählich auf, im Amtsverkehr und im Rückgriff auf Bekanntschaften, die er während seines LHD- Engagements gemacht hatte. Ein wichtiger An- knüpfungspunkt lag in Stuttgart. Das dortige deut- sche Auslandsinstitut war eine Anlaufstelle für Volksdeutsche Aktivitäten im Ausland. Vogt hatte als LLID-Sekretär in Stuttgart Vertreter des VDA kennengelernt. Solche Bekanntschaften wurden durch den rechten VU-Flügel, Alois Vogt, VU-Präsi- dent Otto Schaedler und nachmalige VDBL-Mitglie- der weiterverfolgt. Den SD-Mann Klaus Huegel und dessen damaligen Vorgesetzten Dr. Ernst Peter lernte Vogt vor dem März 1939 als Bekannte von Otto Schaedler und Peter Rheinberger kennen. Auch der VOMI war Vogt zunächst durch Parteiprä- sident Schaedler und dessen deutschvölkische For- derungen im März 1938 empfohlen. In der Folge sollte Vogt die Verbindung zu Fluegel selbständig 
ausbauen; mit dem VOMI-Gesandten Stier verhan- delte er anlässlich des Putschversuchs ebenfalls alleine, in Wahrnehmung deutscher und liechten- steinischer Interessen.132 Vogt lernte Einzelperso- nen kennen, zu deren Stellung im verflochtenen Behörden- und Parteiapparat Flitlerdeutschlands gewann er nur partiellen Einblick. Huegel und Peter traten in kulturell-publizistischer Mission auf, als Geheimdienstoffiziere hielten sie sich sowohl in der Schweiz wie in Liechtenstein bedeckt.133 1939 nutzte Alois Vogt seine Verbindung zu Klaus Huegel für die Abklärung eines liechten- steinischen Industrievorhabens bei deutschen Fir- men.134 Über Vermittlung Huegels und mit Hilfe Peter Rheinbergers konnte Vogt ab 1940 weitere Verbindungen zu liechtensteinbezogenen Dienst- stellen einleiten. Für 1940 und 1941 sind mehrere Kontaktvorstösse belegt. Vogt gab nach dem Kriegsende an, dass er über mehrere Monate vergeblich eine Erkundung der deutschen Haltung zur VDBL anstrebte.135 In den deutschen Quellen erscheinen die Vorstösse problematischer, wird als Besprechungsgegenstand die «Einverleibung Liechtensteins ins Grossdeutsche Reich» ange- führt.136 Über Vermittlung eines Bekannten sprach Alois Vogt schliesslich im Reichsaussenministerium bei Otto von Erdmannsdorf!' und dessen Mitar- beiter «Geheimrat Strak» vor. Erdmannsdorf be- stätigte den wohlwollenden Liechtenstein-Kurs und 130) Siehe S. 60-63. 131) PAAV/523 Zeugenaussage Alois Vogt, 18. Januar 1946. S. 10. 132) Siehe S. 66-67. 133) Vgl. Anm. 118. 134) PAAV/279. 6. Juni 1939: Schreiben Klaus Huegel an Torpedo Werke A.G. Es handelte sich um die industrielle Verwertung des Schreibinaschinenmodells «Orion» des deutschen Ingenieurs Otto Haas. Peter Rheinberger war ein Mitarbeiter von Haas. Alois Vogt vertrat seit den Dreissigerjahren die von Haas und Rheinberger gegründete «Orion Registred Manulactory». Die Idee einer Schreib- maschinenproduktion wurde von der liechtensteinischen Regierung unterstützt. 1939 und 1940/41 klärte Alois Vogt diesbezüglich im Deutschen Reich ab. Siehe auch Geiger: Krisenzeit 1. S. 276. 135) BAB Bupo-Vernehmung Alois Vogt 1946, S. 13. 136) LLA 0. S. Sammelakt NS. Dok. Nr. 484851. Dass. AA, PA Inland II g 409. 75
        

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