ins Reich einer Neubewertung unterzog. Zu mög- lichen deutschen Auskunftserwartungen räumte er sich Distanz ein: In einem Schreiben einen Tag nach Bestellung zum Vizeregierungschef bat Vogt den Adressaten, Dr. Eberharter in Berlin, um Ent- schuldigung «wegen der Zurückhaltung, die ich anlässlich unseres letzten Telephongesprächs in der Frage Liechtenstein zeigte». Erklärend führte Vogt an, dass er Telefonüberwachung befürchte, und er schloss vorsorglich: «Ich werde auch zukünftig als Regierungschef-Stellvertreter mich nicht anders einstellen können.»94 DER PUTSCHVERSUCH 1939: TESTFALL UND MUSTER FÜR DIE ZUSAMMEN- ARBEIT HOOP - VOGT Am 24. März 1939 unternahm die nationalsozialis- tische VDBL den Versuch eines Anschlussputsches in Liechtenstein, mit Unterstützung von Parteifor- mationen in Vorarlberg und in der Hoffnung auf Rückendeckung durch Berlin. Die Abwehr dieses Putschversuchs erfolgte koordiniert: im Zusam- menwirken der liechtensteinischen Regierungsmit- glieder, in Rücksprache mit dem Eidgenössischen Politischen Departement (EPD) in Bern und unter Aktivierung deutscher Verbindungen durch Regie- rungschef FIoop und seinen Stellvertreter Vogt. Letzterer war mittlerweile ein Jahr im Amt, die zentrale Forderung seiner Partei nach einem Ver- hältniswahlrecht war gesetzlich umgesetzt, in die Aussenvertretungen Liechtensteins war Vogt einge- bunden. In welchem Masse solches galt, wird mit Blick auf den Putschversuch und seine erfolgreiche Abwehr deutlicher. Peter Geiger hat die bislang gründlichste Untersuchung der Putschvorgänge vorgelegt.95 Hinsichtlich der Rolle von Alois Vogt lassen sich ein paar Ergänzungen anbringen. Alois Vogt tritt vor, während und nach den Ereignissen vom 24. März 1939 als einer der zen- tralen Akteure auf. Als mitentscheidend für das Misslingen des lokalen Putschversuchs erwies sich der fehlende Rückhalt in den Führungsstellen des Deutschen Reiches. Während der Putsch im Rollen 
war, intervenierten sowohl Vogt wie FIoop in der Vermutung, dass die Entscheidungsspitzen in Ber- lin die lokalen Nationalsozialisten nicht decken würden. Vogts wiederholter Hinweis gegenüber den Vorarlberger Behörden, notfalls Bern und Ber- lin einzuschalten, zeigte Wirkung.96 Auf welche Auskünfte konnten sich die Liechtensteiner stüt- zen? Geiger weist darauf hin, dass sich Vogt durch Besprechung mit Dr. Ernst Peter, dem damaligen Leiter des Ausland-Nachrichtendienstes des SD in Stuttgart, einer deutscherseits nicht drohenden Aktion versicherte. Dies geschah Tage vor dem 24. März. FIoop hatte, durch Gerüchte beunruhigt, sei- nerseits vorgefühlt. Zu Kommissar Josef Schreieder von der Grenzpolizei Bregenz bestand «engerer Kontakt». Schreieder sicherte Hoop zu, allfällige Putschbestrebungen in Vorarlberg zu verhindern.97 Geiger bemerkt, dass die vorgängige Besprechung Vogts mit dem SD-Mann Peter nur Parteifreund Schaedler bekannt war. Während der turbulenten Ereignisse sei dies der Grund gewesen, dass Vogt den Putschführern und den Behörden in Vorarl- berg «so sicher» entgegentreten konnte.98 Wusste Vogt von Hoops Kontakten mit Kommissar Schrei- eder? Wusste der Fürst um die Sonderlinien seiner Regierungsspitze? Für eine laufende gegenseitige Unterrichtung gibt es keine Flinweise. Aufschluss- reich ist demgegenüber, wie trotz Kommunika- tionslücken und Verunsicherung während des Ab- laufs des Putschversuches Zutrauen beansprucht und eng kooperiert wurde. Letzteres galt auch für die politische Bereinigung der Folgen des 24. März. Während des Putschtages lag der Fürst krank in Zürich, Hoop weilte mit seiner Frau in Lugano. Vogt handelte in Liechtenstein und Feldkirch gleichsam als «Chef vom Dienst», durch Bern gedeckt, aber durch die konkreten Ereignisse ver- unsichert,99 durch die drängenden VDBL-Führer in seinem Büro wurde er hautnah mit dem An- schlusswunsch konfrontiert. Die Besprechung mit dem SD-Mann Peter hatte ihn bezüglich der deut- schen Haltung beruhigt, doch wie weit war auf ver- mittelte Signale der Reichsführung Verlass? Ver- bindliche Zusagen hatten die Liechtensteiner keine. Im Oktober 1938 hatte Vogt von einem deutschen 66
        

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