blieb fortan kritische7"' Voraussetzung der Macht- beteiligung. Zwei Umstände trieben die Einbindung der VU in den liechtensteinischen Verfassungsbogen vor- an: die zustimmende Haltung der Reichsführung zur Frage der liechtensteinischen Eigenstaatlich- keit und die Formierung einer anschlussorientier- ten politischen Kraft im Fürstentum, der Volks- deutschen Bewegung in Liechtenstein (VDBL). Die in den Märztagen grundgelegte Nichteinmi- schungspolitik der deutschen Entscheidungsspit- zen76 stabilisierte den liechtensteinischen Parteien- kompromiss. Sie entsprach Hoops Bemühen um die Erhaltung des zweiseitigen Status quo, die deutscherseits geschonte liechtensteinische Staat- lichkeit in der schweizerischen Zollunion. Sie stütz- te andererseits den legalen, am administrativen Einflussgewinn orientierten Kurs der VU-Spitze. Mit dem organisierten Auftreten einer natio- nalsozialistischen Anschlussbewegung wurde eine Spaltung im deutschfreundlichen Lager der VU eingeleitet. Alois Vogt trug ihre Konsequenzen mit, als Amtsträger und als ehemaliger Heimatdienst- Exponent. Eine gemeinsame politische Linie der VU mit der VDBL sollte sich nicht ergeben.77 Es gibt keinen Hinweis, dass Vogt den Bruch mit den «radikalen Gefolgsleuten der Vaterländischen Uni- on»78 nach innen, d. h. durch politische Konzessio- nen, überbrückt hätte, im Gegenteil. Als Amtsträ- ger vollzog Alois Vogt die behördlichen Einschrän- kungen der VDBL-Tätigkeiten mit. Nach aussen versuchte er schliesslich über Reichsstellen die VDBL als namhafte liechtensteinische Stimme aus- zuschalten.79 WAHRNEHMUNG ALOIS VOGTS IM DEUTSCHEN REICH: ERWARTUNGEN UND UNSICHERHEITEN Die Regierungspartner Hoop und Vogt wurden von deutschen Stellen, namentlich der VOMI und dem Auswärtigen Amt, unterschiedlich wahrgenom- men. FIoop galt als «katholisch-monarchisch-kon- servativ»,80 1940 gar als «liberal»81. In solchen 
Kürzeln wurde Hoops ideologische Distanz zum deutschen Regime wie sein Interesse an der be- stehenden liechtensteinischen Staatlichkeit kom- muniziert. Demgegenüber figurierte Vogt als Ver- treter des deutschorientierten Lagers der VU. Alois Vogt wurde vor Kriegsbeginn von der VOMI als «Vertrauensmann»82 geführt, eine Einschätzung, die 1940/41 vom deutschen SD, dem Geheimdienst der SS, und von der Deutschlandabteilung im Aus- wärtigen Amt geteilt wurde.88 Erste Einschränkungen einer stereotypen Ko- operationserwartung an Vogt tauchen erst im Laufe des Krieges auf, als sich der Regierungschef- Stellvertreter allein und mit unterschiedlichen Dienststellen im Deutschen Reich besprach. Worauf konnten sich die Einschätzungen an- fänglich stützen? Bei der kritischen Beurteilung Hoops wird in deutschen Quellen dessen Taktieren und Anpas- sungsdiplomatie angeführt.84 Für deutsche Vor- behalte lieferte FIoop auch inhaltliche Anhaltspunk- te, etwa in jenen Passagen seiner Eschner Rede 1938, die auf kleinstaatliches Selbstbewusstsein zielten. Vogt entwickelte für die deutsche Wahr- nehmung 1938 kein mit Hoop vergleichbares indi- viduelles Profil; die Quellen zeichnen ein wider- sprüchliches Bild des Partei- und Regierungsman- nes Alois Vogt. Die deutschvölkische Charakterisie- rung Vogts durch die VOMI gründete zunächst in dessen LHD-Engagement. Die dortige Annäherung an den Nationalsozialismus und die damals auf- gebauten VDA-Kontakte wirkten in der deutschen Wahrnehmung fort. Und diese wurde - trotz der aufgedeckten Spitzeltätigkeit des Vaterland-Redak- tors Carl von Vogelsang - weiterhin bedient. Ein Gesprächspartner aus dem Reich erinnert im Juli 1938 sein Bekanntwerden mit Alois Vogt im Herbst 1937; zu Weihnachten habe er Vogt eine Aufsatzsammlung aus der SS-Zeitschrift «Das Schwarze Korps» zukommen lassen.85 Ein SS- Bericht vom 21. März 1938 resümierte, dass die VU gegen die «Verjudung Liechtensteins» gegrün- det worden sei.86 Auch während und nach der Märzkrise 1938 blieb die rechte VU-Spitze an eige- nen Linien ins Deutsche Reiche interessiert. In den 64
        

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