den Vizeregierungschef, eilends durchgeführt. Vom erwünschten Einbezug Vogts in die offizielle Aus- senvertretung war schliesslich auch die Volksdeut- sche Mittelstelle (VOMI) unterrichtet.53 Hoop reagierte drei Tage nach den Besprechun- gen in Bern auf das Drängen der VU, er notierte: «Mit H. [Herrn, d. Verf.] Dr. Vogt vereinbart, fall- weise sich über die Unterhandlungspartner zu eini- gen», hiervon werde der VU-Parteiausschuss von Vogt verständigt.54 Hoops Notiz ist für das Mitwir- ken Vogts in der Aussenvertretung eigentümlich. Beide, Hoop wie Vogt, hatten sich auf ihre aussen- politischen Auftritte zu einigen. Hier kam das koa- litionäre Moment zur Geltung. Hoops knapper Ver- merk deutet andererseits auf informelle Spielräu- me in der auswärtigen Interessenwahrung. Hier bestand keine feste Ressortordnung, sie konnte «fallweise» nötig werden, mit wechselnden «Unter- handlungpartnern». Hoop selbst war mit dem improvisierten Charakter der liechtensteinischen Diplomatie vertraut. Auch in den Kontakten mit dem Deutschen Reich griff er ohne eigene aussen- politische Bürokratie und Vertretung auf persönli- che Beziehungen zurück. Einer dieser informellen Drähte ins Reich war der liechtensteinische Brief- markenberater und NSDAP-Funktionär Hermann Sieger.55 Sieger war FIoop bei dessen Berlinreise während der Märzkrise behilflich. Dieser Besuch erfolgte noch in Rücksprache mit Bern,56 der zweite, «offizi- elle» Staatsbesuch vom 2./3. März 1939 wurde unter Umgehung der schweizerischen Diplomatie von Hoop und Fürst Franz Josef II. vorbereitet.57 Im Inland verteidigte Hoop die informelle Kontakt- pflege mit dem Deutschen Reich. In seiner Eschner Rede vom 11. Dezember 193858 meinte Hoop, dass er mit «hohen Persönlichkeiten» im Reich ver- kehre, er werde dabei nicht «wie ein Elephant in einem Porzellanladen» auftreten, sondern «klug und überlegend» handeln.59 Dieses Rechtferti- gungsmuster der Beschwichtigungspolitik - das Wohlwollen des Reiches durch persönliche Kon- taktpflege zu erhalten - wird im Laufe des Krieges beibehalten, von Hoop und Vogt.60 
In der Literatur wird darauf hingewiesen, dass FIoop trotz Bevorzugung der schweizerischen An- bindung Liechtensteins an einer grundsätzlichen Abklärung der eigenen Handlungsspielräume in- teressiert war. Angeführt werden Hoops Erörterun- gen eines allfälligen Zollanschlusses an das Deut- sche Reich61 und der Wunsch des Regierungschefs nach einer Absicherung der liechtensteinischen Neutralität. Eine entsprechende Anfrage wurde nach Bern gerichtet.62 Rechtliche Abklärungen erfolgten aber auch an anderer Stelle. Die an- schlussfreudige VOMI berichtete dem Auswärtigen Amt über ein Gutachten, dass Hoop zur Frage der Neutralität Liechtensteins und der Schweiz aus- fertigen liess.63 Die Rechtsauskunft an FIoop deckte sich im Resümee mit der offiziellen Sprachregelung der Reichsführung, die von einer weiteren Anleh- nung Liechtensteins an die Schweiz abriet.64 Der liechtensteinischen Souveränität wäre es demge- genüber dienlicher, «wenn sich das Fürstentum die Pflege seiner diplomatischen Beziehungen zu Staa- ten gleichfalls deutschen Volkstums gegebenenfalls selber vorbehält.»65 Schliesslich wurde ein Spiel- raum für fallweise, völkerrechtliche Abmachungen durch Staatschefs, Chefs der Regierung oder Be- vollmächtigte eingeräumt.66 Im auswärtigen Ver- kehr nach dem 30. März 1938 waren damit Regie- rungschef Dr. Josef Hoop, Thronfolger beziehungs- weise Fürst Franz Josef und der Regierungschef- Stellvertreter Dr. Alois Vogt bezeichnet. In die praktische Aussenvertretung Liechten- steins wurde Alois Vogt von Regierungschef Hoop im Laufe der ersten Regierungsmonate einbezogen. Eine erste gemeinsame Besprechung mit deut- schen Unterhändlern am 18. Juli 1938 betraf die Durchführung eines HJ-Lagers in Liechtenstein.67 Das Vorhaben wurde nach Rücksprache mit Bern abgeblasen. Als die Frage der Errichtung einer liechtensteinischen Vertretung aufgeworfen wurde, verständigte Hoop den Fürsten darüber, dass allen- falls sowohl in Bern wie in Berlin anzufragen wäre. Dies teilte er auch Vogt mit.68 Später, während des Krieges, sollte Vogt diesen Standpunkt im Deut- schen Reich erneuern.69 62
        

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