Alois Vogts Eintritt in die Regierung Hoop 1938: Weichenstellungen und Zusammenarbeit Die Koalition zwischen FBP und VU vom März 1938 band ungleiche, bislang gegnerische poli- tische Kräfte ein. Sie hatte Kompromisscharakter und musste sich als Entscheidungsstruktur erst be- währen. Regierungschef Dr. Josef Hoop und sein Stellvertreter Dr. Alois Vogt traten ihrerseits unter diesen Vorzeichen an. Hoop hatte die auswärtigen Beziehungen über Jahre geprägt, Vogt kam als Neuling, mit deutschvölkischem Hintergrund und einer Rückbindung an seine Partei, die VU. Deren Präsident, Otto Schaedler, hatte eine eigene reichs- deutsche Allianz noch nicht aus den Augen verlo- ren. Wie wirkte sich diese Konstellation in den deutsch-liechtensteinischen Beziehungen aus, wie in Rücksicht auf die Schweiz? Die kleinstaatliche Aussenpolitik blieb ein be- sonders sensibler Bereich. Sie war nach dem An- schluss Österreichs durch eine duale Ausrichtung bestimmt. Nach wie vor galt die enge Anbindung Liechtensteins an den Zollvertragspartner Schweiz. Sie sollte während des Krieges noch vertieft wer- den. Andererseits wuchs der Einfluss Deutsch- lands. Faktisch über die militärische Zugriffsmög- lichkeit und das deutsche Wirtschaftspotential: Be- schäftigungschancen und Flandelsverbindungen. Die deutsche Vormacht beeinflusste auch den Be- reich spekulativer Erwartungen, die Befürchtungen und Floffnungen der Bevölkerung und der Behör- den Liechtensteins. Abhängigkeiten und Erwartun- gen sind aufeinander verwiesen. Beide Hinsichten gelten auch bezüglich der Rolle Alois Vogts. Ein- zuschätzen ist seine amtlich-diplomatische Einbin- dung in den vorgegebenen aussenpolitischen Rah- men und seine Ansprechbarkeit für Dienststellen im nationalsozialistischen Deutschland. Für das Gelingen des ersteren können einige Umstände be- nannt werden, für letzteres gilt es auf Signale und Details zu achten, Vorkehrungen und Kontaktver- suche. In den Dokumenten klingen Spannungs- momente im Regierungsgremium an, aber auch ge- genseitiges Zutrauen. Fragmentarisch ist die Quellenlage bezüglich der von der VU-Spitze weitergeführten deutschen Kon- takte. Immerhin sind sie belegt. Belege dafür, dass die Zusammenarbeit Hoop-Vogt vor Kriegsbeginn 
eine persönliche Vertrauensbasis schuf, ergeben sich nachträglich durch die gemeinsame Putschab- wehr im März 1939. Sie gelang, während Vogt de facto Chef der liechtensteinischen Exekutive war, über Rückversicherung in Bern und durch wirksa- men Einsatz der jeweiligen Sonderlinien ins Reich. ERSTE WEICHENSTELLUNG 1938: VORGABEN HOOPS UND EINBINDUNG VOGTS Die ersten Verhandlungsschritte im zweiseitigen Verhältnis Liechtensteins gegenüber der Schweiz und dem neuen Nachbarn Deutschland setzte Re- gierungschef Dr. Josef Hoop. Die Visiten Hoops in Bern und Berlin erfolgten vor Alois Vogts Vereidi- gung in Vaduz am 1. April und vor dem Regent- schaftsantritt des nachmaligen Fürsten Franz Josef II. am 25. Juli. Hoop beschwichtigte nach aussen angesichts der innenpolitischen «Märzkrise». Sie hatte sich in den durch den VU-Präsidenten Otto Schaedler vermittelten Vorbehalten zur Eigenstaat- lichkeit zugespitzt. Zugleich suchte Hoop die Hal- tung der für Liechtensteins Souveränität massgeb- lichen Nachbarstaaten abzuklären. Solches erfolgte nicht ohne gewagte Annäherungssignale während des Berlinbesuchs vom 20. bis 24. März.50 Als die Behörden- und Regierungsbeteiligung der VU verbindlich wurde, drängte die Partei auch auf aussenpolitische Mitwirkung. Gleichzeitig mit der Bestellung Vogts zum Stellvertreterkandidaten forderte der VU-Landesausschuss am 29. März dessen Beizug zu den Verhandlungen mit ausländi- schen Vertretern, ehestens solle Vogt den schweize- rischen Behörden vorgestellt werden.51 Dieses Er- suchen, welches auch an den Thronfolger Franz Josef erging,52 zielte vorerst auf den Antrittsbesuch in Bern am 4. April 1938. Er wurde noch in «klei- ner» Besetzung vom Thronfolger und FIoop, ohne 50) Geiger: Krisenzeit 2. S. 171 f. 51) PAAV/467. 29. März 1938: Protokoll VU-Landesausschuss- sitzung. 52) Ebenda, 2. April 1938: VU-Vorstand an Prinz Franz Josef. 60
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.