«DER EINZIGE MANN, DER DIE SACHE AUF SICH NEHMEN KÖNNTE ...» / JÜRGEN SCHREMSER wurde ausser Landes geschafft,31 die deutschen Linien in eigener Regie aufrechterhalten. Im März 1938, nach der Eingliederung Österreichs ins Deut- sche Reich, erwiesen sie sich als innenpolitisches Druckmittel, institutionelle Macht zu erlangen. ALOIS VOGTS STUDIEN IN WIEN: DEUTSCHNATIONALE UND ANTISEMITISCHE BEWEGUNGEN AUF UNIVERSITÄTSBODEN Alois Vogts Vertretung der ständischen Idee ver- dankte sich einer österreichischen Prägung. Vogt studierte in den Jahren 1928 bis 1933 in Innsbruck und Wien Rechtswissenschaften.32 Bei Professor Othmar Spann, dem prominentesten Theoretiker eines ständisch-organischen Gesellschaftsaufbaus in Österreich, belegte Vogt Volkswirtschaftslehre. Über Vogts Zugehörigkeit zur katholischen Studen- tenschaft Österreichs ergab sich eine weitere Nähe zum österreichischen Ständeregime. Auch anti- semitische und völkische Haltungen hatten einen Hintergrund in Vogts Studienzeit in Wien.33 Dort ereignete sich verbale und tätliche Judenhetze in Hörsälen, ein einflussreicher deutschnationaler Teil der Professorenschaft stützte dies. Der pronon- ciert deutschvölkische Wenzel Gleispach war Vogts Strafrechtsprofessor. Gleispach forderte eine Un- terteilung der Studentenschaft nach Volks- und Sprachgruppen. Vogts deutschnationale und anti- semitische Beeinflussung im Umkreis der Wiener Universität ergeht aus knappen Eintragungen in den Inskriptionsbüchern; dort gibt Vogt unter der Rubrik Volkszugehörigkeit einmal «deutsch», ein ander Mal «deutsch-arisch» an.34 Welche genaue politische Zuordnung diese Kürzel einschlössen, ist schwieriger zu bestimmen. Zu Vogts Studienzeit und bis zum Anschluss 1938 war das deutschna- 1.3) LHD-Zeitung 14. Oktober 1933. 14) LHD-Zeitung 28. Oktober 1933; 13. Januar 1934. 15) LHD-Zeitung 14. Februar 1934. 16) Etwa bei einer öffentlichen Verteidigung Vogelsangs in der LHD- Zeitung IS. April 1934. 
10 Geiger: Krisenzeit 1, S. 441-449. 18) PAAV/340. 23. Juni 1936; LLA RF 180/309, 25. Mai 1938. 19) LLA RF 161/041. 20) LLA RE 169/170 Korrespondenz Carl v. Vogelsang, Briefe Nr. 117-119. 21) AA, PA Politisches 1922-1936. 19. September 1935: Walther Reusch (VDA) an AA. 22) BAB E 4320 (B) 1990/133 Bd. 52. Vernehmungsprotokolle Alois Vogt der schweizerischen Bundespolizei (Bupo) vom 24./25. Sep- tember 1946 und 21. August 1947. Kurzbeleg: BAB Bupo-Vernehmung Alois Vogt 1946 (1947). 23) Bericht über LHD-Reisegesellschaft beim deutschen Auslands- institut in LHD-Zeitung 23. November 1935. 24) AA, PA Polit. Schriftstücke 1923-1938, 29. November 1935: Konsul Voigt an AA. Siehe auch Walk: Liechtenstein 1933-1945. S. 388, über einen Bericht der Landesleitung LHD vom 22. Dezem- ber 1934. 25) AA. PA Polit. Schriftstücke 1923-1938, 17. Juni 1935: Schäfer- Rümelin (Konsulat Zürich) an AA; ebenda Politisches 1922-1936. 15. August 1935: Steinacher (VDA) an Promi. Das Generalkonsulat Zürich riet bei AA und Promi von einer Zusammenarbeit mit Vogelsang ab. Dies wurde dem VDA mit Schreiben vom 5. August 1935 mitgeteilt. 26) LLA RE 169/170, Nr. 48-53, Nr. 117-119, Lageberichte aus Liechtenstein und Vorschläge zur Zusammenarbeit mit LFID bzw. VU. 27) LLA RE 169/170, Nr. 24, 19. Juni 1935. 28) LLA RE 169/170. Nr. 34-35, 8. November 1935: Dr. Frank ersucht um «allerstrengstes Stillschweigen» über Arbeitsdienst- Pläne, «nur der engste Führerrat des LHD» solle davon Kenntnis haben. 29) AA. PA Politisches 1922-1936. 15. August 1935: Steinacher (VDA) an Promi. 30) LLA RE 169/170, Nr. 36. 7. Januar 1936. 31) Siehe die dramatische Schilderung bei Geiger: Krisenzeil 1, S. 456-460. 32) Das Sommersemester 1931 verbrachte er in Freiburg in der Schweiz. Alois Vogt begann mit dem Wintersemester 1928/29 in Innsbruck, wechselte im Wintersemester 1930/31 nach Wien über und schloss dort seine Studien im März 1933, knapp 27-jährig, mit der Promotion zum Dr. jur. ab. 33) Siehe hierzu Oliver Rathkolb: Die Rechts-und Staatswissenschaft- liche Fakultät der Universität Wien zwischen Antisemitismus, Deutschnationalismus und Nationalsozialismus 1938, davor und danach. In: Willfährige Wissenschaft: die Universität Wien 1938-1945. Hrsg. Heiss. Mattl. Meisl et al. Wien, 1989. S. 197-232. 34) UAW «Nationale» Juristen: Wintersemester 1931/32. Sommer- semester 1932. 57
        

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