ULI MARISS - «VERRÄTER UND WETTERDÄMON» MANFRED TSCHAIKNER Vor nunmehr über einem halben Jahrtausend fand die Schlacht bei Frastanz statt. Sie gilt als «eines der bedeutendsten Kriegsereignisse in der Vorarl- berger Geschichte».1 Es verwundert deshalb nicht, dass diese Schlacht über Jahrhunderte hindurch im Bewusstsein der Menschen geblieben ist und sich darum einige Volkserzählungen gerankt ha- ben. Dazu zählt die Überlieferung, dass die Nie- derlage der österreichischen Seite massgeblich auf den Verrat des Schaaner Bauern Uli Mariss zurück- zuführen sei. Er soll einen Teil der Schweizer Trup- pen über die Berge in den Rücken der Österreicher geführt haben. Vor einigen Jahrzehnten versuchte Alexander Frick diesem Aspekt des Kriegsgeschehens den Nimbus des Sagenhaften zu nehmen und seine his- torische Realität nachzuweisen.2 Fricks Darlegun- gen fanden breite Akzeptanz. Im Folgenden sollen dem vermeintlichen Verräter Uli Mariss dennoch einige weitere Überlegungen gewidmet sein, die eine neue Interpretation seiner Rolle bieten. 
DER HISTORISCHE ULI MARISS Der bislang früheste historische Beleg für den Ver- räter aus Schaan findet sich in der Kreyfeuer- ordnung für die Herrschaften Bludenz und Sonnen- berg aus dem Jahr 1652. Dort ist die Rede von einem «Pauren von Schann, der Flerrschaft Vadutz, Ulrich bej der Kirchen genandt».:i Gemeint war wohl schon damals Uli Mariss, dessen Familien- name jedoch erstmals in der Prugger'schen Chro- nik aus dem Jahr 1685 aufscheint («ein falscher und geldbegieriger Bauer, mit Namen Ulrich Mariss von Schaan ab der Kirche»).4 Dass diese Angaben aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts noch keinen Beleg für die Flisto- rizität des Uli Mariss und seines Verrats bilden, steht wohl ausser Zweifel. Genauso wenig kann der Umstand, dass für die Zeit kurz nach 1500 tatsäch- lich ein bei der Schaaner Kirche wohnhafter Uli Mariss in den Quellen fassbar ist, als Beweis dafür gelten, dass er den Verrat begangen hat. Diese his- torischen Nachweise gaben Alexander Frick über- haupt mehr Rätsel auf, als sie zur Klärung der An- gelegenheit beitrugen, denn laut Sage hatte der Verräter seine Tat ja noch am Tag der Schlacht, am 20. April 1499, mit dem Leben büssen müssen.5 1) Burmeister, Karl Heinz: Die Schlacht bei Frastanz am 20. April 1499. In: Rheticus 21 (1999). S. 113-125. hier S. 120. 2) Frick. Alexander: Ist der Verrat des Uli Mariss nur eine vage Sage oder geschichtliche Wirklichkeit? In: Jahrbuch des Historischen Vereins für das Fürstentum Liechtenstein, Band 62 (1962), S. 81-101: ders.: Der Verrat des Uli Mariss wurde nicht in der Prugger'schen Chronik 1685 erstmals aufgezeichnet, dies geschah schon etwa 150 Jahre früher. In: Jahrbuch des Historischen Vereins für das Fürsten- tum Liechtenstein. Band 66 (1967). S, 37-45. 3) Burmeister (wie Anm. 1). S. 116. 4) Frick, 1962 (wie Anm. 2), S. 85 f. 5) Frick. 1962 (wie Anm. 2). S. 99 f.; Frick, 1967 (wie Anm. 2), S. 45. 43
        

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