«durch Widersetzlichkeit zu Kosten und Zögerung keinen Anlass zu geben».97 Am 8. August 1797 fanden in allen beteiligten Gemeinden Versammlungen statt. Es wurden be- vollmächtigte Vertreter zu den eigentlichen Tei- lungsverhandlungen gewählt. Die Vollmachten wurden von allen Versammlungsteilnehmern un- terschrieben.98 Am 8. und 10. bis 16. August 1797 fanden beim Oberamt getrennte und gemeinsame Verhandlun- gen zwischen den Gemeindevertretern statt.99 Den Verhandlungen zugrunde lagen die Vermessung, die vorgenommene Schätzung und der Teilungs- vorschlag seitens der Geometer und Schiedsrichter. Strittig waren nicht nur Einzelheiten der vorge- schlagenen Bodenzuteilung, sondern vor allem die Festlegung der Zahl der berechtigten Nutzungsteil- nehmer in den beteiligten Gemeinden. Diese Zahl bildete nämlich den Verteilungsschlüssel. Am 13. August bestätigten die Vertreter von Schaan und Vaduz die Zahl der Teilnehmer an der Teilung: Schaan - 
146 Vz, Vaduz - 124, Mühleholz - 3 Teil- nehmer.100 Am 19. August 1797 deponierten die Schiedsrichter den Markenbeschrieb.101 Die Ge- meindeterritorien von Schaan, Vaduz und Planken waren damit bis auf wenige Ausnahmen abge- steckt. Dann gingen die Streitereien aber erst rich- tig los. Schaan beschuldigte Vaduz des Betrugs. Vaduz habe «gegen die Abred und gegen den vorliegenden Gemeindsbrief» (von 1740) zu viele, beziehungsweise nicht berechtigte Teilhaber an der Gemeindenutzung angegeben.102 Es folgte ein Gerichtsprozess durch alle damaligen Instanzen. Erneut reihten sich Äusserungen und Gegenäus- serungen aneinander, verfasst von beigezogenen Juristen. Stets wachsende Aktenpakete mit Rechts- gutachten, beglaubigten Akten- und Protokollaus- zügen, amtlichen Stellungnahmen und anderen Dokumenten, wurden zwischen Wien und Vaduz hin- und her versandt. Die Gemüter in den beiden Dörfern erhitzten sich erneut. Am 30. Mai 1798 klagten die Vaduzer beim Oberamt, Schaan «treibe alles ihr Vieh auf den Antheil im Sommerried, der nun der Gemeind 
Vadutz zugehöre, und ruiniere ihn dergestalten, dass sie von dem beträchtlichen Nutzen, den sie sonst gehabt hätte, nichts zu hoffen habe.» Auch die Pfaffenmäder hätten die Schaaner «gänzlich ausgefrätzt».103 Der Schaden wurde vor Ort durch neutrale Schiedsrichter aus dem Unterland fest- gestellt. Sie fanden das Sommerried so abgeätzt wie seit mehreren Jahren nicht mehr und «einen von der Gemeind Schan aufgestellten Kuhhirten unter einem dabey stehenden Felbenbaum schla- fend». 148 Stück Hornvieh wurden gezählt.104 Der Schaden wurde später unter Beizug von Josef Leo- pold Gugger, vorarlbergisch ständischer Buchhal- ter, Landammann Nescher und Johann Georg Hei- bert, des Gerichts, aus Eschen geschätzt. Er wurde auf 248 Gulden beziffert, was 124 Fudern Streue entsprach.105 Am 26. November 1799 entschied schliesslich ein 80-seitiges Rechtsgutachten der juristischen Fakultät der Universität Freiburg i. Br.106 Es kam zum Schluss, «dass die klägerische Gemeinde Schaan mit ihrem ganz unbegründeten und un- 97) LLA RA 32/1/52. Oberamtsbefehl vom 3. August 1797. 98) LLA RA 32/1/58, Vollmacht für die Vertreter der Gemeinde Schaan. 8. August 1797: LLA RA 32/1/59, Vollmacht für die Vertreter der Gemeinde Vaduz. 8. August 1797; LLA RA 32/1/60. Gemeindeversammlungsprotokoll Schaan, 8. August 1797. 99) LLA RA 32/1/61-63, Oberamtsprotokolle vom 8., 10. und 14. August 1797. 100) LLA RA 32/1/64, Bestätigung, 13. August 1797. 101) LLA RA 32/1/75, Verzeichnis der abgemessenen und zuge- wiesenen Gemeinheiten. 19. August 1797; LLA RA 32/1/76-78, Oberamtsprotokolle vom 19. August 1797. 102) LLA RA 32/1/80. Oberamtsprotokoll vom 16. Dezember 1797. 103) LLA RA 32/1/126, Oberamtsprotokoll vom 30. Mai 1798. 104) LLA RA 32/1/144. Bericht von Amtsschreiber Goldner, Land- ammann Franz Josef Nescher und Sebastian Marxer, des Gerichts, über einen Augenschein im Sommerried. 105) LLA RA 32/1/145. Kommissionsprotokoll vom 14. Dezember 1798. 106) LLA RA 32/1/166, «Rechtliches Gutachten in Sachen der Gemeinde Schaan contra die Gemeinde Vadutz pto. streitiger Zahl der Atitheilnehmer an den Gemeinheiten, und Uibervortheilung bei geschehener Abtheilung derselben», Freiburg, 26. November 1799. 28
        

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