DAS LIECHTENSTEINISCHE LANDESMUSEUM VOR DEM NEUBEGINN / MICHAEL PATTYN / NORBERT W. HASLER Seit der aus statischen Gründen notwendig gewor- denen Schliessung des Landesmuseums im Früh- jahr 1992 befindet sich das Ausstellungsgut in Depoträumen im Mehrzweckgebäude in Triesen. Zusammen mit den Museumssammlungen ist auch die Museumsleitung nach Triesen übersiedelt. Nach sorgfältigen Vorbereitungs- und Planungs- arbeiten kann nun bald mit der Renovation der bestehenden Bauten des Landesmuseums wie auch mit der seit langer Zeit notwendig gewordenen baulichen Erweiterung begonnen werden. KURZER RÜCKBLICK IN DIE GESCHICHTE DES LIECHTENSTEINISCHEN LANDES- MUSEUMS Bald nach seinem Amtsantritt im Jahre 1892 fasste der damalige Landesverweser Friedrich Stellwag von Carion den Plan, «in den früheren Kasernloka- litäten auf Schloss Vaduz ein Museum einzurichten, das aus einer Abteilung von Antiquitäten und Raritäten, einer naturhistorischen Abteilung und einer Ausstellung von Erzeugnissen der hierländi- schen Industrie und des Gewerbefleisses bestehen soll». Stellwag von Carion dachte zunächst daran, die Mittel für die Einrichtung und den Ankauf musealer Gegenstände dem fürstlichen Wohltätig- keitsfonds zu entnehmen. Er hatte erkannt, dass unser Land schon lange ein begehrtes Tätigkeits- feld für Antiquitätenhändler geworden war, wo- durch vieles an altem und wertvollem Kulturgut spurlos und unwiederbringlich verlorengegangen ist. Am 18. Oktober 1893 legte er seine Pläne Fürst Johannes II. bei einer Audienz in Wien vor und fand beim Fürsten, der stets für kulturelle Anliegen sehr interessiert war, volles Verständnis und die Bereitschaft zur Förderung. Es wurde nicht nur die Unterbringung des zu gründenden Museums auf Schloss Vaduz bewilligt, sondern Fürst Johannes sagte zugleich die finanzielle Unterstützung zu und widmete einen ersten Betrag von 1 000 Gulden für Einrichtung und Ankäufe des Museums. Stellwag gab seiner Gründung den Namen «Fürstliches Lan- desmuseum». Die erste bescheidene Sammlung 
kam auf Schloss Vaduz. Der Gründer Stellwag von Carion erlebte jedoch die Eröffnung des Museums nicht mehr, er starb bereits 1896 im Alter von vier- zig Jahren. Im Jahre 1904 wurde die grundlegende Renovation von Schloss Vaduz in Angriff genom- men, die Museumssammlung wurde vorüberge- hend im neuen Regierungsgebäude untergebracht. Einige Jahre nach der Wiederherstellung des Schlosses konnte das Museum im Bibliothekszim- mer und zwei weiteren Räumen erneut eingerichtet werden. Schon bald nach der Gründung des Histo- rischen Vereins für das Fürstentum Liechtenstein im Jahre 1901 wurde die Förderung der Museums- ziele ein erklärtes und zentrales Anliegen des His- torischen Vereins. Als im Jahre 1938 der Umbau des Schlosses zur Residenz des Fürsten in Angriff genommen wurde, musste das Museumsgut wieder übersiedeln, dies- mal in das Rathaus in Vaduz und als Depotsamm- lung in das Schulhaus Ebenholz. 1952 kommt eine Vereinbarung der Regierung mit dem Verwaltungs- rat der Liechtensteinischen Landesbank zustande: Die Bank überlässt dem Museum das oberste Stockwerk des Neubaues. Zu Pfingsten 1954 wird das Museum eröffnet. 1966 kam die Nachricht, dass die Landesbank die Räume des Museums dringend für eigene Zwecke benötige. Das Landes- museum wurde erneut geschlossen, die Samm- lungsbestände behelfsmässig magaziniert. Erst nach erfolgtem Umbau des benachbarten ehema- ligen Zoll- und Gasthauses «Zum Adler» in den Jahren 1968 bis 1970 verfügte das Landesmuseum erstmals über ein eigenes Ausstellungs- und Ver- waltungsgebäude. Am 15. April 1972 konnte das Liechtensteinische Landesmuseum in den neu re- novierten Räumlichkeiten eröffnet werden. Mit Gesetz vom 9. Mai 1972 wurde die öffenlich-recht- liche Stiftung Liechtensteinisches Landesmuseum errichtet. Das zwischen dem Gebäude des Landes- museums und dem Regierungsgebäude liegende Verweserhaus, ursprünglich das Verwaltungsge- bäude des Landesverwesers, wurde in weiterer Folge für die Erweiterung der Verwaltungsräume des Landesmuseums sowie für Unterrichtsräume der Liechtensteinischen Musikschule genutzt. 309
        

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