200 JAHRE GEMEINDEGRENZEN SCHAAN/VADUZ/ PLANKEN / ALOIS OSPELT Antheil an der Vadutzer Au in na(tur)a wolle zu- kommen lassen. Nun ist zu bemerken, dass Vadutz 104, Schaan hingegen über 140 Bürger zählet; und da sich die Au gegen Schan zu ausspitzet, ober Vadutz aber sehr ausbreitet, so würde das Terrain um Vadutz grösstentheils den Schauern zufallen, und die Vadutzer bekämen ihre Besitzungen unter Schaan. Die Vadutzer, die das Unzulässliche einer solchen Abtheilung wohl einsehen, wollen alles auf Sachverständige ankommen lassen, und diesen anheimstellen, in wie weit ein solches Verlangen stattfinden könne; die Schaner hingegen, die ihrer Sache selbst nicht trauen, wollen vorher versiche- ret seyn, dass ihnen ihr Antheil an der Au bleiben solle, und sich vorher weder auf Sachverständige noch Schiedsrichter einlassen. Vadutz verlangte, das Oberamt möchte erkennen; und da man den Schanern zu verstehen gab, dass es allerdings der Natur der Sache angemessen sey, zuerst unpar- teyl.[iche] Sachverständige zu erwählen, ehe man sich in die Theilung selbst einlasse, so war dies den Schanern genug, das Oberamt als parteyl.[ich] aus- zurufen und demselben, so ungegründete als un- billige Vorwürfe wegen Llinauslassung des Frucht- quantums zu machen; wie ich der Landvogt dieser Tagen mit einem andern Anlass umständl.[ich] zeigen werde. Dieses veranlasste uns, uns heraus- zuziehen und beide Theile anzuweisen, sich ent- weder sachverständige Schiedrichter zu wählen, oder die Sache an Se.Line] Durchlaucht selbst ge- langen zu lassen, wie wir diese auf Ansuchen der Vadutzer anmit gehorsamst einsenden.»71 Am 3. März 1796 schickte das Oberamt die zwischenzeitlich eingetroffene Gegenäusserung der Gemeinde Schaan, «um allem Vorwurf, dass man sie nicht genugsam angehört habe, auszuweichen», unverzüglich an die Hofkanzlei in Wien.7Z Im Be- gleitschreiben73 hiess es wörtlich: «Sie Schaner stellen darin vor, dass dieses Unternehmen auf die dermaligen Zeiten, wo man die Abgaben ohnehin nicht aufzubringen wisse, gar nicht schickl.fich] wäre. Allein die Vadutzer sind auf die Abtheilung der Gemeinheiten so stark versessen, dass sie diese unter gar keinem Vorwand verschieben lassen wollen; nicht nur darum, weil sie ein für allemal 
dermal einst zu dem ihnen gebührenden Genuss der Gemeindsnutzungen gelangen wollen, sondern auch darum, weil die Schaner diejenigen Waldun- gen etc., die ihnen Vadutzern in der Abtheilung zufallen möchten, auszuholzen suchen und derglei- chen. Im übrigen suchen die Schaaner ihren Satz:  auf eine andere gangbare Art einzuleiten; indem sie gewisse Präliminarfragen ausgemacht wissen wol- len, ehe man Sachverständige oder Feldmesser anstelle. Zu diesem Ende aber sey eine Zusammen- trettung einsichtsvoller Männer nöthig. Hierzu aber haben sich die Vadutzer schon lang aufs bereitwil- ligste erkläret, und nur die Schaner wollten nichts davon wissen; es sey dann, dass man ihnen ihren betr.feffenden] Antheil an der Vadutzer Au noch vorher accordire und folgl.fich] zuerst theile, und dann erst Schiedsrichter und Sachverständige auf- stelle. Wir überlassen den weitern Innhalt höherm Ermessen und verharren in vollkommenstem Re- spekt.» Am 30. März 1796 antwortete die Hofkanzlei auf die Oberamtsberichte und schickte die Bittschrift der Gemeinde Schaan vom 29. Februar an das Oberamt zurück mit dem Auftrag, diese der Ge- meinde Vaduz zur Vernehmlassung mitzuteilen.74 Falls die Gemeinde Vaduz die Teilungssache nicht «bis zum Ausgang des gegenwärtigen Krieges in Anbetracht der von der Gemeinde Schan angeführ- ten Beweggründe» ruhen lassen wolle, habe sie innert vier Wochen «einen ausführlichen und be- 68) LLA RA 32/1/3. Hofkanzlei an Oberamt.. 2. Mai 1795. 69) LLA RA 32/1/4, Protokoll über einen Vaduzer Gemeindever- sammlungsbeschluss. o. D. (20. Juli 1795). 70) LLA RA .32/1/4, «Pro Nota» des Oberamts auf dem Gemeinde- versammlungsprotokoll vom 20. Juli 1795 (?). 71) LLA RA 32/1/6. Oberamt an Hofkanzlei, 25. Februar 1796. 721 LLA RA 32/1/7, Oberamt an Hoftanzlei. 3. März 1796. 73) Ebenda. 74) LLA RA 32/1/8. Hofkanzlei an Oberamt, 30. März 1796. 23
        

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