schafft werden», ohne dass der Weidgang beträcht- lich geschädigt würde. Am 2. Mai 1795 schickte die fürstliche Hofkanz- lei die Bittschrift an das Oberamt mit dem Auftrag, «zu versuchen, ob nicht mit gütlicher Einverständ- niss der beyden Gemeinden Vadutz und Schaan eine schicksame Abtheilung ihrer Gemeinheiten bewirket werden könne».68 Nun kam Bewegung in das bislang stockende Teilungsgeschäft. Am 20. Juli 1795 vermerkte das Oberamt den Eingang eines Protokolls über eine vermutlich am gleichen Tag in Vaduz abgehaltene Gemeindever- sammlung.69 Danach war die «ehrsame Gemeind ... auf den gewöhnlichen Gemeindsplatz zusam- men berufen» worden. Der Versammlung war folgendes eröffnet worden: Es sei «einem jeden bekannt, dass wir Vaduzer von unsern Mitge- meindsgenossen zu Schaan sowohl auf den Waid- gängen, in den Auen, im Holz, auf den Wiesen und auf dem Ried, wie auch in Ansehung der Waldun- gen, als überhaupt in all übrigem schon lange, und je länger je mehr übervortheilet worden sind.» Die Gemeinde Vaduz müsse «durch diese Gemeinheit oder gemeinsame Benutzung jährlich grossen Schaden und Nachtheil leiden». Deshalb habe man schon mehrmals «darauf angetragen, mit der Ge- meind Schaan alle Gemeinheiten abzutheilen». Es hätten sich aber bisher immer «Hindernisse erge- ben», so dass die Teilung nicht zustandegekommen sei. Nun habe man es aber «in auswärtig benach- barten Herrschaften als auch selbst in der untern Herrschaft Schellenberg für besser und nützlicher erfunden, sich von der Gemeinheit abzusondern». Dieses Beispiel habe auch «viele von uns» ange- eifert, die den Fürsten mit einer Bittschrift um Ge- meinheitenteilung ersucht hätten. Der Fürst habe diese Bitte erhört und das Oberamt beauftragt, «eine gütliche Abtheilung aller Gemeinheiten zwi- schen Vadutz und Schaan« zustande zu bringen. Dieses Vorhaben wurde der versammelten Ge- meinde nicht nur vorgetragen. Es wurden auch «die Stimmen aufgenommen, welche ... abtheilen wollen oder nicht, und zwar auf folgende Art: ltens Es solle, ehe und bevor man wirklich zur Abtheilung mit der Gemeind Schaan schreite, ein 
öffentliches Instrument oder schriftliche Verab- kommniss von uns Gemeindsleuten zu Vadutz errichtet, von allen Gemeindsleuten unterschrie- ben, und sodann obrigkeitlich ratifiziert werden, dass nach wirklich erfolgender und beschehener Abtheilung alle die uns betreffenden Gemeinheiten zu allen Zeiten für die Zukunft ein gemeinsames Wesen für unsere Gemeind Vadutz seyn und ver- bleiben sollen. Und dass 2tens Wenn wir miteinander dahin übereinkom- men würden sowohl in Ansehung des Waidgangs als der Waldungen eine bessere und nützlichere Ordnung einzurichten, dennoch kein Gemeinds- mann befugt seyn solle, eine weitere Theilung oder Forderung eines Eigenthumes verlangen zu kön- nen. Wer nun auf solche Art zu Abtheilung von der Ge- meind Schaan sich einlassen will, der solle seinen Namen eigenhändig hieher unterschreiben.» Es folgten 82 Unterschriften oder Stimmen und eine «Pro Nota» des Oberamts auf dem Protokoll. Danach wurde dieser Antrag der Gemeinde Vaduz «den Vorgesetzten zu Schaan durch ein Befehl ... mit dem zu wissen gemacht, dass sie sich in mög- lichster Bälde hierüber äussern sollen, um mit dem Oberamte die Wege überlegen zu können, wie diese Theilung zum schicklichsten, wohlfeilsten und ge- schwindesten vorgenommen werden könne.»70 Mit Protokollauszügen belegte das Oberamt am 25. Februar 1796 gegenüber der fürstlichen Hof- kanzlei in Wien, dass es sich sehr wohl bemüht habe, zwischen Schaan und Vaduz «eine schick- liche Abtheilung der Gemeinheiten» zu erzielen. «... Wir haben aber biesher nichts ausgerichtet, die Vadutzer dringen zwar mit Ungeduld auf die Ab- theilung, die Schaner hingegen, die den biesher bezogenen Vortheil nicht gern aus den Händen las- sen, suchen die Abtheilung zu verhindern; und da sie aus Erfahrung wissen, dass sie dieses direc- te nicht bewirken können, so suchen sie es indi- recte zu erlangen; das ist, sie setzen Bedingnussen voraus, die mit einer vernünftigen Abtheilung nicht bestehen können, z. B. sie wollen vor allem ver- sicheret seyn, dass man ihnen ihren betreffenden 22
        

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