200 JAHRE GEMEINDEGRENZEN SCHAAN/VADUZ/ PLANKEN / ALOIS OSPELT Gemeindevorständen, aber auch unter den Ge- meindsleuten der beiden Dörfer.54 Am 25. Januar 1790 vermerkte die Oberamts- kanzlei den Eingang einer Beschwerde einer statt- lichen Zahl von Vaduzer Gemeindsleuten. Die Be- schwerde datiert vom 28. Dezember 1789. Das Original trägt 34, die vom Oberamt erstellte Ab- schrift verzeichnet 43 Unterschriften.55 Die Unter- zeichneten führten an, sie hätten keinen Gemeinds- nutzen und auch nicht «einige Aussicht, ... ihn in ihrem Leben erlangen zu können.» Sie müssten aber wie jene mit ganzer Gemeindsteilnutzung Frondienste, Strassenbau-, Damm-, Wuhr- und an- dere Beschwernisse und Kosten tragen. Die Unter- zeichneten verlangten eine «billige Verteilung des Gemeindebodens». Wenn die Gemeindsvorstände die Verteilung verweigerten, wollten sie «ihr Fle- hen bis an den Thron Sr. Hochfürstl. Durchlaucht gelangen lassen». In etwa gleichzeitig mit den Vaduzern reichten 23 Schaaner Gemeindsleute eine Bittschrift ähn- lichen Inhalts ein.56 Das Oberamt Hess die Beschwerden den Ge- meindevorgesetzten von Schaan und Vaduz zustel- len. Diese sollten die Bittsteller «ihrer dem An- schein nach wohl gegründeten Beschwerde halber von selbst klaglos stellen» oder innerhalb 14 Tagen gegenüber dem Oberamt begründen, «aus was für Ursachen sie sich bewogen finden, ihre Mitbürger, die mit ihnen die Beschwerden der Gemeind tra- gen, mit einem solchen Ansuchen abzuweisen».37 Die Antwort der Gemeindeobrigkeit liess auf sich warten. Das Oberamt mahnte Landammann Tschetter am 26. April 1790: «Die Untertanen trei- ben auf eine Resolution». Wenn die schon lange ausstehende Stellungnahme der Gemeindsvorge- setzten nicht beigebracht werde, gehe das Bitt- gesuch ohne weiteres an den Fürsten.58 Am 29. April traf dann die verlangte Stellung- nahme ein. Sie war offensichtlich von einem Rechtsbeistand verfasst und von Landammann Lorenz Tschetter, den Säckelmeistern und je drei Mitgliedern «des Gerichts» der beiden Gemeinden eigenhändig unterschrieben worden. Darin wurde angeführt, die Beschwerden seien nur dem An-schein 
nach begründet. Wörtlich hiess es: «... In der Regel sollte zwar jeder Gemeindsmann glei- chen Antheil an den Gemeindsnutzungen haben, und hat es auch wirklich in Wunn und Waid, Trieb und Tratt, da nämlich in diesen Gemeinden ein jeder soviel Stück Vieh austreiben kann, als er will, wo doch von Rechts wegen jeder nur soviel treiben sollte, als er zu überwintern oder im Stalle zu ernähren vermag. Was aber die Benützung der besonderen eingeschlagenen Plätze auf den ver- schiedenen Gemeindsdistrikten anbetrifft, hieran können nicht alle Anteil nehmen und bekommen; die Lokalität, die Umstände und die Bedürfnisse der Gemeinden und des Landes müssen hier die Bestimmung geben. Eine Herde von ca. 1400 Stück Vieh braucht einen grossen Platz, und die Hegung der Stauden-Gewächse zur Faschinierung an dem Rhein-Wuhrbau erfordert gleichfalls einen grossen Distrikt; diese zwey Umstände sind es, welche unsere Vorfahren bewogen haben, nicht mehr Plät- ze zum privativen Gebrauch einzuschlagen, um nicht den Waidgang und Nachwuchs der Stauden zu verkürzen; diese guten Gründe walten noch für und hindern uns, mehr Plätze einzuschlagen. Wir und unsere Väter, wie der Kläger Väter haben uns diese zum allgemeinen Besten gemachte Anord- nung müssen gefallen lassen, haben oft viele Jahre lang auf die Erledigung einiger Gemeindsteile war- ten müssen; mancher hat es gar nicht erlebt, nun aber in den neueren Zeiten und bei den jüngeren Einrichtungen währt es nicht mehr halb so lang; 54) LLA HA 10/28/5/22-23. Oberamt an Landammann, liichter. Säckelmeister. Geschworene und Gomeindsleute zu Schaan und Vaduz. 3. und 7. März 1787. 55) LLA RA 29/3/1/1 und 2. Beschwerde vom 28. Dezember 1789. eingegangen am 25. Januar 1790. 56) Die Schaaner Petition mit der Anzahl der Petitionäre ist erwähnt in der Stellungnahme der Ortsvorstände von Schaan und Vaduz zu den eingereichten Bittschriften (LLA RA 29/3/1/4. Schriftsalz, o. D., eingegangen am 29. April 1790: vgl. Anm. 59). 57) LLA RA 29/3/1/1. Oberamtsvermerk auf Beschwerde vom 28. Dezember 1789. 58) LLA RA 29/3/1/3. Oberamt an Landammann Tschetter. Schaan. 26. April 1790. 19
        

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