200 JAHRE GEMEINDEGRENZEN SCHAAN/VADUZ/ PLANKEN / ALOIS OSPELT Die Aufteilung der gemeinsamen Mark zwischen Schaan, Vaduz und Planken, 1787 bis 1811 Am Ende des 18. Jahrhunderts setzte ein mehr- jähriger Streit zwischen Schaan und Vaduz ein, in den später auch Planken einbezogen wurde. Der Streit endete mit der Auflösung der ehemaligen gemeinsamen Mark und führte zur Aufteilung des Gemeinguts. Auf diese Weise sind die heutigen Ge- meindeterritorien entstanden. Gestritten wurde einerseits zwischen den Dör- fern, andererseits zwischen denen, die bereits Gemeindsteile hatten, und denen, die darum an- standen. Es ging nicht nur um die Bodenteilung, sondern auch um die Gemeinleistungen, sogenann- te Gemeinfronen oder Gemeinwerke wie Wuhr- und Dammarbeit, Grabenöffnung, Weideräumung und Strassenunterhalt. Die Meinungen der Ge- meindevorstände und der Bewohner beider Dörfer waren geteilt. Das Oberamt erstrebte nicht nur die Teilung zwischen den Gemeinden, sondern gar die Auflösung und letztlich Privatisierung der Gemein- heiten. Die Vaduzer Vorgesetzten sahen in der Trennung von Schaan die einzige Möglichkeit, um die Bittsteller zu befriedigen. Schaan sah seine Vorteile gefährdet und unternahm alles, um die Teilung zu verhindern oder wenigstens hinaus- zuschieben. Das Teilungsgeschäft war eine äus- serst schwierige und verwickelte Angelegenheit. Auch die Plankner und gar die Buchser Gemeinds- leute waren einzubeziehen. Die Oberamtsakten darüber füllen zwei Archivschachteln.52 Die Akten enthalten eine Fülle von Informationen zur Ge- meindegeschichte. Im folgenden seien einige der Dokumente herausgegriffen und deren Inhalt in chronologischer Abfolge auszugsweise wiederge- ben. Die ganze Teilungsgeschichte ist sehr weitläu- fig und böte Stoff für eine grössere Abhandlung. Die Oberamtsakten über die Streitigkeiten set- zen 1787 ein. Die Frage der Bodenteilung zwischen Schaan und Vaduz hatte das Oberamt aber schon früher beschäftigt. Dies belegt ein nicht datierter, aber eindeutig älterer «Ohnvorgreifl.[icher] für- schlag, wie die Hölzer undt Auwen Zwischen der Gmaind Vaduz und Schan ohngevärlich abzutailen sein möchten». Das Dokument enthält detaillierte Angaben für die Teilung und Grenzziehung zwi- schen den beiden Dörfern.53 
1787 ging es noch nicht um eine Gebietsauf- teilung zwischen den beiden Dörfern. Es sollte le- diglich, wie schon in früheren Jahren, erneut «ein gewisses Stuckh au zu Heu wachs mit Mayen, und gemeiner Herbst azung» eingelegt werden. Die Rede war von einem «schon lang herumgezogenen Geschafft». Die Teilungsbestrebungen hatten dem- nach schon seit längerer Zeit bestanden. Da die Mühleholzteile durch einen Rüfegang beschädigt worden waren, sollte jetzt durch eine Neueinlegung von Gemeingut Ersatz geschaffen werden. Eine Einlegung sollte im Neugut, eine zweite unterhalb des Möliholz erfolgen. Entsprechende Beschlüsse wurden an getrennt stattfindenden Gemeindever- sammlungen in Schaan und Vaduz gefasst. Das Tei- lungsgeschäft führte zu Streitigkeiten zwischen den 44) AlpAV U18, Urkunde vom 1. Januar 1483. 45) LUB 1/4, S. 273. 46) LLA RA 10/2/8/3/7-12. Gräfliche Amtsakten 5. Juli bis 16. Sep- tember 1627. 47) AlpAV U2, Urkunde vom 29. Juni 1643 (Abschrift von Josef Ospelt). 48) Die «Gemeinde», d. i. die Versammlung der stimmberechtigten Haushaltvorstände fand auf der halben Distanz zwischen den beiden Dörfern im Möliholz statt. 49) AlpAV, «Gnossbuch». ältestes Genossenschaftsbuch mit Einträ- gen über Einkäufe, Rechnungswesen etc. 1641 bis 1732; Genossen- schaftsbuch (Fortsetzung). 1733 bis 1834. 501 In der am 14. Januar 1733 vom Oberamt vermittelten und bestätigten Übereinkunft über den «Einkauf der fremden Weibs- personen in den Gemeinden der obern Herrschaft» wurde ausdrück- lich festgehalten, dass die Einkäufe in die «gemeindt Schaan und Vaduz» ohne den Alpeinkauf erfolgen. Dieser sei gesondert zu bezahlen (LLA RA 29/1/3. Urkunde vom 14. Januar 1733; vgl. Anm. 13 oben). Der Gemeindsbrief der «Löbl. gemaindt Vaduz und Schaan», beschlossen am 31. März 1739. vom Oberamt bestätigt am 30. März 1740. regelt die Einzelheiten der Voraussetzungen für die Zuteilung und Nutzung von Gomeindsteilen, sowie die Rechte und Pflichten der teilnehmenden Gemeindsleute. Er enthält keinerlei Hinweise auf die Alprechte (LLA RA 42/2; vgl. Anm. 37 oben). 51) Als Eigentümer der Vaduzer Alpen wurden 1809 eingetragen «die Bürger von Vaduz als Alpgenossen mit Ausschluss der Nummern ... [es folgen die Hausnummern der nicht alpberechtigten Haushaltungen]». 52) LLA RA 32/1 und 2. 53) LLA RA 32/1/1, o D. 17
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.