widmeten sich die Mönche dem Innenausbau des Hauses (z. B. Räume 12, 13, 15). Die aufgehenden Mauern dürften zum grössten Teil ebenfalls dem dritten und vierten Jahrzehnt des 17. Jahrhunderts zugeordnet werden. Auch die Bauten auf der alten, der Kirche zugeordneten Kelleranlage (Keller 1) waren - zumindest im Konzept - in die architekto- nische Gestaltung miteinbezogen. Die Erstellung des Torkels und des grossen Weinkellers in der vor- gefundenen Erscheinung kann als letzter Vorgang der Bauphase 3 angesehen werden und dürfte um 1700 stattgefunden haben. Die Prämonstratenser von St. Luzi in Chur waren während der intensivsten baulichen Tätig- keit am alten Pfarrhaus in Bendern im Zeitraum von 1633/1644 am Ende ihres 100-jährigen Exils auf dem Kirchhügel von Bendern angelangt. Graubünden war damals Schauplatz rivalisieren- der europäischer Mächte. Zwar hatte der Abt von St. Luzi schon 1624 - auf österreichischen Druck hin - Güter und das zerfallene Kloster in Chur zurückerhalten. Der österreichische Kaiser und Wallenstein versprachen am 18. Juni 1629, das Kloster zu schützen. Allein die allgemeine Un- sicherheit während des Dreissigjährigen Krieges, das Misstrauen gegenüber den Bündnern und die in Chur besonders arg wütende Pestwelle führten die Mönche immer wieder nach Bendern in ihre Statthalterei,30 wo sie auch Pfarrdienste verrichte- ten und dank des Bodenbesitzes eine Existenz- grundlage hatten. Die bestimmende und führende Persönlichkeit unter den Mönchen von St. Luzi scheint zur Bauzeit der Periode 3 des alten Pfarrhauses Johannes Kopp (t 1661) gewesen zu sein.31 Er war als Pfarrer von Bendern auch Administrator und - nach 1639 - Abt von St. Luzi. Als Johannes IV. wirkte er segens- reich für das Kloster und galt als eigentlicher Wie- derhersteller der Klostergemeinschaft von St. Luzi in Chur. Das alte Pfarrhaus von Bendern verweist auf seine reformerische Tätigkeit. Das barocke Pfarrhaus sollte in der Geschichte Liechtensteins eine besondere Rolle spielen. Denn hier versammelten sich am 16. Mai 1.699 alle Män- ner der Herrschaft Schellenberg, die mehr als 14 
Jahre alt waren - 273 an der Zahl -, am Morgen zwischen neun und zehn Uhr. Sie sollten dem neuen Landesherrn, Fürst Johann Adam Andreas von Liechtenstein (1657-1712), vertreten durch Amtmann Johann Franz Bauer, den Huldigungseid leisten. Die Gäste begaben sich in die Wohnung des Pfarrers. Niemand erwartete eine «Diffikultät» oder gar eine Verweigerung der Eidesleistung. Da meldeten sich Landammann und Geschworene der Herrschaft Schellenberg, begleitet von Fürsprech Franz Braun, Stadtrat in Feldkirch, und begehrten zusätzliche Sicherheiten in Betreff Einhaltung alter Rechte und Gewohnheiten - nicht unbegründet, wie es sich später herausstellte. Die Verhandlungen zogen sich bis nachmittags vier Uhr hin. Dann kamen der Landammann Andreas Büchel, die Geschworenen und die stimmberechtigten Männer im Hof vor dem Pfarrhaus zusammen. Die kaiser- liche Kommission und der Delegierte des Fürsten begaben sich zum Söller des Pfarrhauses hinaus, wo der Kaiserliche Kommissar, Johann Jakob Motz, «durch das Fenster hinunter gegen den Kirchhof hinüber» an die Versammlung sprach und sie zum Eid auf die neue Herrschaft aufforderte. Am späten Nachmittag schworen die Männer der Herrschaft Schellenberg Fürst Johann Adam And- reas Treue.32 Seit diesem Vorgang sind beinahe 300 Jahre verflossen. 174
        

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