DAS ALTE PFARRHAUS AUF DEM KIRCHHÜGEL BENDERN / GEORG MALIN an der Südostseite des Raumes 1. Auf das Mauer- haupt wurden zwei Flolzsäulen von 2,37 m und 2,50 m Höhe in sekundärer Verwendung gestellt. Sie stützen einen zirka 8 m langen Balken, auf dem rechtwinklig aufgesetzt fünf Deckenbalken aus Weisstannenholz liegen. Die Deckenbalken sind mit Nuten versehen und dienen zur Montage eines Schrägbodens, soweit der Grundriss des Raumes 1 dies erfordert. Die drei südwestlich anschliessen- den Vierkanthölzer über dem eigentlichen Stiegen- raum weisen keine Nuten auf. Die ganze Konstruk- tion deckt ein Bretterboden von 1875 ein. Die 1,70 m vor der nordöstlichen Giebelfront stehende Tan- nensäule (26 cm x 23 cm) ist dendrochronologisch auf die Jahre 1640/41 datiert, ebenso die fünf er- wähnten, mit Nuten versehenen Deckenbalken. Die zweite hier verwendete Säule ist aus einem Ei- chenstamm gehauen (28 cm x 30 cm Querschnitt) und entzieht sich einstweilen einer Dendrodatie- rung. Diese 2,37 m messende Eichensäule weist eine 50 cm hohe Basis, einen 1,44 m langen, abge- fasten Schaft und eine 43 cm starke Kapitellzone auf, die einseitig zur Montage eines angeblatteten Kopfholzes hergerichtet ist. Ob der grosse Stein- sockel mit der eingemeisselten Jahreszahl 171.2 - er liegt im Keller 2 - als Basis für eine Jochsäule ge- dient hat oder ob er Bestandteil der Pressvorrich- tung im Kelterraum war, lässt sich nicht feststellen. Das Fundament der Nordwestfässade ist trotz der Mängel in der Bauperiode 3 übernommen wor- den. Die Steinlager trugen nur eine leichte Wand in Holzbauweise. Den Beweis liefert ein im Oberge- schoss vermauerter Ständer mit Nuten (1633/34), der in der nordwestlichen Front - 6,20 m von der Nordecke des Hauses entfernt - zum Vorschein kam (Abb. 27, 28). In der nachfolgenden Bauzeit ist dieser Fassadenteil neu gestaltet worden, so dass uns über dessen Erscheinung keine detaillierten Hinweise verblieben sind.-'' Die erheblichen baulichen Neuerungen während der Bauperiode 3 verursachten Umstellungen im Nordwestbereich des Hauses in den Räumen 3 und 4. Die Türe in der Ostecke des Raumes 3 wurde zugemauert, die ihr zugeordnete Treppe entfernt und die so entstandene Grube ausgefüllt. Das fel-sige 
Gehniveau im Raum 4 hob man mittels einer humosen Auffüllung um 35 cm an und legte eine Kopfsteinpflästerung darauf (Abb. 17; 468.14). Das aufgehende Mauerwerk der Aussenfront ruht auf den alten Fundamenten. Von der Rheinseite her erschloss eine 1,30 m breite, heute vermauerte stichbogige Tür den Raum 4 (Abb. 19, 25). Die nicht mehr vorhandene Treppe musste eine Höhe von zirka 1 m überwinden. Wies der ursprünglich wohl als Keller konzipierte Raum 4 ein Flächen- mass von 6,40 m x 4,50 m auf, verlor er nun in der südöstlichen Ausdehnung 2 m, so dass ein quadra- tischer Raum entstanden ist. Der beschriebene Gang (Raum 1) ist der Grundrissfläche des Raumes 4 abgenommen worden. Der aus der vorgängigen Bauperiode stammen- de Raum 2a erhielt in einem ersten Bauvorgang einen beinahe gleichgrossen Zwilling (2b). Und die auf diesen beiden Grundrissen (8, 9) aufliegenden, zirka 2,20 m hohen Räume belichtete je ein 1 m hohes und 50 cm breites Fenster (Abb. 19, 46, 52). Die lichte Öffnung an der Fassade ist mit Vierkant- holz gefasst. Die Wände im Innern sind unverputzt. Ein vermutlich roher Dielenboden war in Firstrich- tung verlegt. Die Räume haben wohl als Depot ge- dient oder wurden gewerblich genutzt. Zur Wohn- lichkeit hergerichtet waren sie nie. Man muss da- mit rechnen, dass diese Kompartimente bald nach ihrer Erstellung während der Bauperiode 3 mit den darunter liegenden Räumen (2a, 2b) zu einem Torkelraum vereinigt worden sind, der durch die höher liegenden drei Fenster in der Nordost- und Südostfassade genügend Licht erhielt und mit der neugewonnenen Höhe erst nutzbar wurde. Wie die Räume über den beiden parallel liegen- den Kellern (1, 2) organisiert waren, lässt sich heu- te nicht mehr sicher feststellen. Man kann vermu- 2a) Zur Datierung der diversen Hölzer vgl. den Bericht von Christian Orcel/Alain Orcel/Jean-Pierre Hurni. wie Anm. 20, besonders die Nrn. 10. 11, 66, 71, Ref. Nr. LRD 8/R2261. 167
        

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