UNMITTELBARE UMGEBUNG Die Untersuchungsergebnisse im Bereich des alten Pfarrhauses können wir wie folgt zusammenfas- sen: Das Haus steht auf einem nach Osten abfallen- den, von Gletschern glattgeschliffenen Felsrücken; die vier Hausecken ruhen auf dem gescheuerten Kalkfelsen. In der Nordecke des Baues erreichen die Fundamente schon in 70 cm Tiefe den anste- henden Fels.18 Die übrigen drei Ecken des Flauses stehen etwas tiefer im Erdreich, ehe sie auf das an- stehende Gestein stossen. Am tiefsten steckt die Südecke im Löss und Moränenschutt. Das aufge- hende Mauerwerk des Flauses deckt ein Grundriss- geviert von 12,70 m zu 16,60 m Seitenlänge. Das Haus ist in seiner Ausrichtung nicht eindeu- tig festzulegen. Das schlichte Satteldach überdeckt ein Gemäuer mit wechselvoller Baugeschichte. Der erste Eindruck einer Orientierung des Baues nach Nordosten täuscht. Die wärmetechnisch ungünsti- ge Ausrichtung der Fenster im ersten Obergeschoss in der Nordostfassade, bei einer fast fensterlosen Südwestfassade, erscheint als ein Resultat bauli- cher Eingriffe und Veränderungen. Die heutige Wegführung zur Kirche hin ist sehr alt. Der «große Kürchweeg», wie der Zugang im Jahre 1751 genannt wurde, führt direkt zum spätgotischen Turm. Man gelangt vom heutigen Schwurplatz aus, einem geologischen Graben, an- gefüllt mit Moränenschutt und Löss, zur Statthal- terei und zur Kirche mit dem Friedhof. Die Wegfüh- rung wird alsbald zu einer hohlen Gasse. An deren Anfang stand rechter Fland seit dem späten 18. Jahrhundert auf einem Gartenplateau ein Türm- chen. Den weiteren Verlauf des eingetieften Weges flankiert an der Südostseite ein geschliffener Fels- rücken, bekrönt - vermutlich seit dem Spätmittel- alter, sicher seit dem 18. Jahrhundert - von einer Weinbergmauer mit satteldachartiger Abdachung (Abb. 4; AM 4). An der Nordwestseite des «gro- ßen Kürchweeges» steht eine vergleichbare Stütz- und Gartenmauer. Unmittelbar vor dem Kirchturm stand das «Rote Tor», durch welches man den Friedhof betrat.19 Den Belag des Weges bildet ei- ne Kopfsteinpflästerung, die bei einem Wasserlei-tungsbau 
im Januar 1970 etwa 1 m unter dem heu- tigen Niveau in der Höhe des erwähnten runden Gartenturms gefunden worden ist Auch die den Weg begleitende nordwestliche Stütz- und Gartenmauer hat ihre eigene Geschichte (Abb. 4, 5, AM 1). In einer ersten Bauphase, ver- mutlich in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts, errichteten die Mönche bei der Ostecke des alten Pfarrhauses eine erste Umfriedung für einen Gar- ten. Das Gemäuer diente entlang des grossen Kirchweges sowohl als Stütz- wie als Gartenmauer. Der Aushub von Fundamenten und den Kellern des Pfarrhauses wurde hier zumindest teilweise depo- niert. Diese erste Stütz- und Gartenmauer lag 2,80 m von der gegenwärtigen nordöstlichen Mauer zurückversetzt und folgte dem grossen Kirchweg, wie dies das bestehende Mauerwerk tut. Die Fun- dationstiefe der ersten Mauer war um zirka 40 cm geringer als die der Nachfolgemauer. Aus dem Pro- fil des abgelagerten Erdreichs kann ferner gelesen werden, dass der südöstliche Vorplatz des Pfarr- hauses ursprünglich etwa 40 cm tiefer lag, ehe die Planierung mit Aushub erfolgte. Wie die Urkunde von 1751 berichtet, lag hier ein Pfarrgarten, «am großen Kürchweeg nächst dem alten hauß ...» Entlang der Nordostseite dieses Gartens und der entsprechenden Giebelfront des alten Pfarrhauses sowie der Stützmauer des Ostgartens der Statthal- terei auf der Gegenseite führte - wie heute - eine Wegabkürzung zu den rheinseitigen Eingängen des alten Pfarrhauses und zur nördlich gelegenen spät- gotischen Statthalterei. Der steile Erschliessungs- weg gewährte auch Zutritt zum grossen rundbogi- gen Tor im Kellergeschoss der Nordostfässade und diente so unter anderem der Zufuhr des Pressgutes zum Torkel. 154
        

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