dem Rhein wieder «aus dem Rachen gezogen» und nutzbar gemacht. Um 50 Gulden überliess der Graf die ihm «iure zu einem Wildtstandt zue- khommene guetter». Künftig sollten die beiden Ge- meinden mit den genannten Auen und Wiesen nach Belieben schalten und walten, sie ohne jede Einrede aufwachsen lassen oder roden dürfen.17 In diesem Rechtsgeschäft berühren sich Gemein- und Obereigentum. Der Kauf von 1672 erhellt eine jahrhundertalte Rechtsentwicklung: Auf Jagdrecht reduziertes Obereigentum wird von gemeinen, zu Eigentum sich wandelnden Nutzungsrechten ver- drängt. Im sulzisch-hohenemsischen Urbar (um 1600) werden die Schaaner und Vaduzer Au als «der Herrschaft eigen» bezeichnet.18 Noch 1805, als die Privatisierung der Auen zur Diskussion stand, erwähnte Landvogt Menzinger dieses Herr- schaftseigentum an den Auen als «dominium di- rectum». Er räumte dabei aber ein, dass das Nut- zungseigentum, das «dominium utile», nämlich Weiderecht und Holznutzen, unstrittig der Gemein- de gehöre.19 1704 beschloss die «Gemaindt Vaduz unnd Schan» die «aussgebung der aigenthumblichen Aw unnder den Schaner Wisen».20 Wo ist diese Au, wo sind die Schaaner Wiesen zu lokalisieren? Eine Skizze des Rheinverlaufs aus dem Jahre 179021 gibt uns eine Antwort. Danach dürfte die Au nördlich der heutigen Zollstrasse gegen den Rhein zu gele- gen haben. Gemäss Beschluss von 1704 wurde die Au aus- gemessen, die Teile wurden als fällige Gemeinds- teile zur privaten Nutzung an die Gemeindsleute ausgegeben. Die Au sollte als , das heisst als Heuwiese gebraucht, der Zu- und Abtrieb von Vieh sollte wie bei den anderen Wiesen beste- hen bleiben. Gleichzeitig wurde das Anrecht auf einen Gemeindsteil umschrieben und das Einkaufs- geld für Fremde und für eingeheiratete Frauen festgelegt. Und «weilen vor hochnothwendig dem Newen Gueth unnder dem Hoch Gericht22, sein Steeg und Weeg ab- und darzuezuefahren, zue zai- gen, unnd zuenambsen», d.h. weil es für dringend nötig erachtet wurde, vom Galgen an der Triesner Grenze angefangen, jedem die Zufahrtswege zum 
neu eingelegten Gut anzuweisen, wurden die Trieb- und Fahrrechte im ganzen gemeinsamen Gebiet geregelt. Dabei wurden den einzelnen Siedlungs- teilen eigene Wege und Triebe von und zur einge- legten Au zugeordnet:23 - «Die Vaduzner, unnd die von der Guschg, nam- mens OberGass- und Winckhel24, wie auch die Zu- schger»25 (sollten) «nach ihrer Komblichkheit an- fengklich von der Aw dem Rhein nach, neben der Gemeindtwis an denen gewöhnlichen weeg, unnd dan hinauff dem alten wisen weg nach auf die alte weegsame zwischen dem Schaner Äwle20 und 17) GAS U35, Urkunde vom 20. Dezember 1672. 18) LUB 1/4, S. 340. 19) LLA RA 32/2/29, Menzinger an fürstliche Hofkanzlei. 1. März 1805. 20) GAS 38/10/147. «Proiect» vom 13. Dezember 1704, vom Ober- amt am 21. April 1713 bestätigt. 21) LLA RA 41/6/2/31: Skizze des Rheinverlaufs von l.andvogt Menzinger, 1 790. 22) Richtstätte «bim Galga» in der Rütti, westlich vom Meierhof. an der Genieindegrenze zu Triesen. 23) Die Zuordnung erfolgt in der Reihung der geographischen Lage der verschiedenen Dorfteile von Süden nach Norden, von der Triesner Grenze bis an den nördlichen Dorfrand von Schaan. 24) Mit «die von der Guschg, nammens Obergass- und Winckhel» ist der Dorfteil von Schaan bezeichnet, dessen alpberechtigte Hofstätten gemäss Teilungsbeschluss von 1503 zur Alpgenossenschaft Guschg zugeordnet sind. 25) Die Bezeichnung «Zuschger» ist nicht sicher zu identifizieren und zu lokalisieren. Gemeint sind vermutlich entweder die Rodfuhr- leute oder die bei der Zuschg, der Verladestation für Waren im Rodfuhrverkehr, wohnhaften Leute. Der Standort der Zuschg wäre dann im Bereich der Strassenkreuzung St. Peter/Wiesengasse zu suchen. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass Schaan 1703 eine neue Zuschg errichtete und 1704 an einer Zusammenkunft in Brcgenz eine neue Rodordnung beschlossen wurde (vgl. Bieder- mann. Klaus: Das Rod- und Fuhrwesen im Fürstentum Liechten- stein. In: JBL 97. 1999. S. 77 f.). 26) Das «Schaner Äwle» ist wohl im Bereich der heutigen Flur «Äulo», nördlich der Rüttigass rheinwärts, an der Grenze zu Vaduz, zu lokalisieren. 10
        

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