das sie mit 210 gegen 15 Stimmen ablehnte. Un- günstiges Omen, doch hatte Pfister immerhin als Offizier Verrat geübt. Die Präsidentenkonferenz der Räte verzichtete darauf, für die neuerlichen zwei Gnadengesuche eine ausserordentliche Bundes- versammlung einzuberufen, und so mussten Qua- derer und Roos bis zur Sommersession Anfang Juni warten. Solange konnten sie und ihre An- gehörigen hoffen. Mit dem ergangenen Urteil wa- ren sie formell nicht mehr in Untersuchungshaft, sondern in «Sicherheitshaft», vorerst immer noch im Bezirksgefängnis St. Gallen. Auf Weisung von Grossrichter Roth wurden sie am Nachmittag des 4. April 1944 einzeln in die kantonale Strafanstalt St. Jakob, die im Bereich des heutigen Olma-Areals lag, transferiert, bis zur Erledigung des Begnadi- gungsgesuchs. Mutter und Tochter unternahmen verzweifelte Rettungsschritte. Die Mutter bat die liechtensteini- sche Regierung eindringlich, diese möge ebenfalls ein Gnadengesuch an den Bundesrat zuhanden der Bundesversammlung einreichen und dazu auch eine Befürwortung durch den Fürsten erlangen. Ihr Sohn sei verleitet worden, durch schlechte Kame- raden und durch einen Verwandten - gemeint war Weh -, der das Vertrauen der Familie schändlich missbraucht habe. Sie sei sicher, dass ein Begna- digungsgesuch des Landesfürsten und der liech- tensteinischen Regierung angesichts der «ausge- zeichneten Beziehungen» mit den schweizerischen Behörden von Erfolg begleitet sein werde. So kön- ne ihrem Sohn doch das Leben erhalten bleiben. Zugleich gelangte die Schwester, die wegen des ihrem Bruder drohenden Schicksals unter Angst- zuständen litt, flehend an den Fürsten. Sie bat um Audienz. Sie erhoffte des Fürsten persönliche Für- sprache bei den Schweizer Behörden. Fürst Franz Josef II. gewährte keine Audienz, er liess das schwesterliche Bittschreiben der Regie- rung übergeben. Er beschied, eine allfällige Inter- vention in Bern komme nur durch die Regierung in Frage. Mit einem Vorstoss der Regierung in Bern zugunsten von Quaderer war der Fürst aber ein- verstanden. Zu einem eigenen Schritt in Bern zu- gunsten des zum Tode verurteilten Liechtensteiners 
war Franz Josef nicht geneigt, er hatte - wie er dem Verfasser später als Zeitzeuge sagte - mit den in der Schweiz verurteilten Verrätern und auch mit Alfred Quaderer «gar kein Mitleid». Wäre die Audienz für die Schwester zustande gekommen, hätte er sich vielleicht doch erweichen lassen. Der Verurteilte seinerseits richtete Anfang April 1944 ein kurzes Schreiben an den Fürsten. Darin entschuldigte er sich als «Landeskind» beim Fürs- ten, dem «Landesvater», für die seinem Vaterlande zugefügten «Beleidigungen», und versprach: «Ich will sühnen & sühne als Liechtensteiner mit Schneid & wie es sich gehört.» In diesem Schreiben an den Fürsten dankte Quade- rer zugleich der Regierung. Der wohl auf Anraten des Verteidigers abgefasste Brief diente offenbar auch den Anstrengungen zur Begnadigung. Diese hätte Umwandlung in lebenslängliches Zuchthaus und irgendwann doch wieder Entlassung bedeutet. Solches und nicht den Tod hatte der Verurteilte vor Augen, wenn er von Sühne schrieb. Die liechtensteinische Regierung teilte im April der Schwester mit, die Regierung habe «im. Einvernehmen mit Seiner Durchlaucht dem Fürsten das uns Mögliche wegen der Begnadigung Ihres Bruders unternommen». In der Tat intervenierte die Regierung beim Poli- tischen Departement in Bern zugunsten einer Be- gnadigung. Regierungschef-Stellvertreter Dr. Alois Vogt gab dort auch das Bittschreiben der Mutter zur Einsicht. Begnadigungsgesuche gingen einen festgelegten Weg über mehrere Stationen, und sie wurden ein- gehend erwogen. Der Bundesrat befasste sich damit, und zwar aufgrund von Bericht und Antrag des Militärdepartements. Dieses holte seinerseits vorgängig die Stellungnahme des Armeeauditors, des Leiters der ganzen Militär Strafrechtspflege, ein. Darauf hatte die spezielle Begnadigungskommis- sion von Nationalrat und Ständerat das Gesuch zu beraten. Alle genannten beratenden Behörden stellten Antrag. Schliesslich beschlossen definitiv über die Begnadigung alle National- und Stände- räte gemeinsam, als Vereinigte Bundesversamm- lung tagend, gemäss Bundesverfassung zuständig. 124
        

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