hat Nikiaus Meienbergs faktenmässig sehr gut re- cherchierte, kritisch wertende Reportage von 1975, «Die Erschiessung des Landesverräters Ernst S.», einige wertvolle Hinweise auch zum Fall Quaderer geliefert. Das Problem der Namen: Mit Pseudonymen hat Noll 1980 die Täter anonymisiert. Selbst der sonst so ungenierte Meienberg nennt 1975 Verräterna- men nur mit Anfangsbuchstaben, so «Ernst S.» für den von ihm beschriebenen Ernst Schrämli, «Q.» für den einmal beiläufig angesprochenen Alfred Quaderer, «R.» für dessen Komplizen Kurt Roos. In der Kriegszeit hingegen waren Namen und Per- sonalien von Verurteilten und Hingerichteten am Schweizer Radio verlesen und als amtliche Mittei- lungen mehrfach in den Zeitungen veröffentlicht worden. Ebenso sind die wichtigeren verurteilten Spione in den offiziellen Berichten des General- stabschefs und des Armeeauditors von 1945/46 offen genannt, damals und seither für jedermann zugänglich. Setzt man, wie es hier im Folgenden geschehen soll, die zahlreichen Fakten und Daten aus allen oben genannten Quellen zusammen, so ergibt sich ein recht dichtes und klares Bild des Falles. Dabei werden die realen Namen der Handelnden genannt - sie waren seinerzeit schon öffentlich -, nicht um ihr Andenken zu schmälern, sondern um die histo- rische Wirklichkeit objektiv wiederzugeben, Ver- wechslungen zu vermeiden und auch um ihnen selber und den damals Lebenden und Handelnden gerecht zu werden. Der Verfasser dankt: Dem Personal des Bundes- archivs, speziell dem Oberauditor der Armee für die Einsichtnahme in die Prozessakten im Bundes- archiv Bern; dem Personal des Landesarchivs in Vaduz, jenem des Staatsarchivs St. Gallen, hier Dr. Silvio Bucher, sowie des Staatsarchivs Zürich; des Stadtarchivs Zug, hier Dr. Christian Raschle; den Zeitzeugen, insbesondere Fürst Franz Josef IL, Pfarrer Johannes Tschuor, Schaan, Professor Ar- min Linder, St. Gallen, und Ing. Meinrad Lingg, Schaan; für Einzelmitteilungen weiteren Personen, besonders auch Hermann Quaderer, Schaan, und Erich Quaderer, Vaduz, Neffen von Alfred Quade-rer; 
ebenso Professor Ernst Nigg, Vaduz, für Ein- sicht in nachgelassene Papiere seines Vaters, des damaligen Regierungssekretärs Ferdinand Nigg; für Einzelauskünfte verschiedenen Behördenstel- len in Liechtenstein und in der Schweiz, so Hans Meier von der Landespolizei, Vaduz, dem Zivil- standsamt in Vaduz, dem Zivilstandsamt der Stadt Zug, hier Irene Schwendimann, dem Zivilstands- amt der Stadt Zürich; dem Kommandanten der Festung Sargans, Oberst Ulrich Bär; schliesslich dem Liechtenstein-Institut in Bendern und dessen Personal, insbesondere der Bibliothekarin Eva Rückstätter. Für die Besorgung der Abbildungsvor- lagen sei dem Jahrbuch-Redaktor lic. phil. Klaus Biedermann, der Buchgestalterin Silvia Ruppen sowie der Schaaner Gemeindearchivarin lic. phil. Eva Pepic gedankt. Der vorliegende Beitrag erwächst als Neben- produkt aus dem umfassenden Forschungsprojekt «Liechtenstein im Zweiten Weltkrieg», welches der Verfasser am Liechtenstein-Institut in Arbeit hat. VERRAT, SPIONAGE, LANDESVERRAT Verrat wurde und wird in allen Gemeinschaften als schlimmstes, schändlichstes Vergehen einge- stuft. Durch die Verratshandlung verbündet sich die Verräterperson mit dem Feind. Verraten kann man Geheimnisse oder Personen oder die Gemein- schaft als Ganzes. Geheimnisverrat wird landläufig als Spionage umschrieben. Auseinanderzuhalten sind hierbei militärischer, wirtschaftlicher und politischer Nachrichtendienst, ebenso die Länder, gegen welche dieser sich richtet oder denen er dient. Die Begriffe «Verrat», «Verräter» wurden seinerzeit im Sprachgebrauch unscharf umgrenzt. In Liechtenstein rief man den Hitleranhängern als Schimpfwort «Verröter!» nach. Damit meinte man den Verrat an der Gemeinschaft als Ganzem, im Sinne von Landesverrat. Nicht alle Spionage ist Landesverrat. Als Lan- desverrat wurden in der Schweiz Verratshandlun- gen gewertet, die gegen das existentielle Landes- interesse, nämlich das Überleben der Schweiz im 112
        

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