Nebenschauplatz Schweiz/Liechtenstein bearbeite- ten. In dieser Konstellation handelte Vogt eigen- mächtig und gewagt, seine Bindung an das landes- politische Reservat und dessen Regierungschef blieb bestehen: Die für Liechtenstein essentielle Arbeitsmarktöffnung der Schweiz wurde mit Ge- schick ausgehandelt, die de facto verfolgte Annähe- rung an den Zollvertragpartner mit weitgehenden Unterredungsangeboten im Reich heruntergespielt. Über das ihn betreffende Drängen der VDBL- Landesleitung setzte Vogt Regierungschef Hoop in Kenntnis. Vogt begann im Sommer 1940 seine eigenen Verbindungen zu Stellen im Deutschen Reich aus- zubauen als sich Hoop aus eben diesem Feld zurückzog. Weder war Vogts Kontaktnetz planvoll geknüpft noch zeigte sich darin über die Kriegs- jahre die Linie einer eigenen, die Haltung des Fürsten und des Regierungschefs hintertreibenden Anschlusspolitik. Vogt suchte Anhaltspunkte zur deutschen Position gegenüber Liechtenstein und verliess sich dabei auf seine nächstliegenden per- sönlichen Verbindungen zu lokalen Stellen des SD. Zur Einfädelung erster Kontakte wurden Erwar- tungen genährt und das von der VOMI gepflegte Bild des loyalen Aussenpostens im Fürstentum bestätigt. In der deutschen Wahrnehmung wurden Vogts anfängliche «Fühlungnahmen» mit den VDBL-Anschlussbestrebungen identifiziert. Nach- dem Vogt weiteren Einblick in diverse Instanzen der liechtensteinbezogenen Volkstumspolitik er- hielt, änderten sich das Auftreten und die Einschät- zung des Politikers durch seine deutschen An- sprechpartner. Vogt eröffnete sich zwischen rivali- sierenden Abteilungen der SS und des Auswärtigen Amtes in Berlin ein kleiner Spielraum taktischer Reserven. Liechtenstein, diesen Eindruck mag Vogt seit 1941 mehrheitlich erhalten haben, hatte zu- sammen mit der Schweiz keine strategische Prio- rität. Entscheidungen und Absprachen galten aber auch auf deutscher Seite «vorläufig»: In den Vor- zimmern der Macht wurden Vogt gegenüber Beru- higungen und Drohungen ausgesprochen. Der Vizeregierungschef zeigte sich bereit zur völki- schen Zusammenarbeit. Bei konkreten Forderun-gen 
wurde er unverbindlich, verzögerte und di- stanzierte sich vom anfänglichen Entgegenkom- men. Gewagt waren seine informellen Treffen auch hinsichtlich seiner persönlichen Sicherheit. Seit 1942 war Deutschland alliierten Flächenbombar- dements ausgesetzt, hinter den Kooperationswün- schen höherer SS-Offiziere stand ein gewaltbereiter Apparat. Vogts Verbindungen zu Reichsvertretern wurden über persönliche Sympathien und in Erwartung gegenseitiger Nützlichkeit aufrechterhalten. Hilfe- stellung in liechtensteinischen Belangen fand Vogt insbesondere bei seinem SD-Vertrauten Klaus Hue- gel. Dieser vermittelte jene Kontakte, die im Früh- jahr 1943 zur «Entsorgung» der VDBL führten. Vogt gab seinerseits den Deutschen dienliche Doku- mente und für diese verwertbare Einschätzungen der politischen Lage weiter. Den Bruch mit gesetz- lichen Bestimmungen nahm er dabei in Kauf. Für reichsdeutsche Funktionäre unter Erfolgsdruck war insbesondere die kooperative Bereinigung von «Störfällen» am Rande von Nutzen: die Abwicklung des Märzputsches 1939 oder die Enthaftung des Devisenagenten Blaschke Ende 1942. Alois Vogt rechtfertigte im Juli 1945 in einer Parteiversammlung seine und Regierungschef Hoops Verstrickungen mit deutschen Stellen. We- nig heroisch meinte er: «Wir haben das Land ... in aller Form, das möchte ich einmal sagen, durch die Weltgeschichte durchgeschwindelt.»M1 331) RAAV/639 Rede Alois Vogt. 15. Juli 1945. S. 7. 104
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.