Fernmeldeprotokollen ist insbesondere die soge- nannte Aktion Rosl gut dokumentiert.314 «Rosl» war der Deckname einer Operation, die von der SD-Amtsgruppe VI D im RSHA ausging. VI D bearbeitete die «englisch-amerikanischen Ein- flussgebiete». Gedacht war, einen deutschen Agen- ten mit falscher Identitätsangabe per U-Boot in die Vereinigten Staaten einzuschleusen. Klaus Huegel wurde angefragt, Dokumente für eine Tarnidentität in Liechtenstein zu beschaffen. Daraufhin habe sich Fluegel nach eigener Aussage an Alois Vogt gewandt, «ohne auf Zweck und Ziel näher einzu- gehen».315 Vogt sollte Papiere zustellen, die eine Anfertigung von Passfälschungen ermöglicht hät- ten. Für die technische Durchführung war die näm- liche SD-Abteilung zuständig, die auch gefälschte Pfundnoten fabrizierte.316 Der deutsche Agent, so war gedacht, wäre aufgrund liechtensteinischer Dokumente mit der Identität eines Amerika-Aus- wanderers der Dreissigerjahre versehen worden. Laut Alois Vogt sei Huegel im Frühherbst 1943 in der fraglichen Sache an ihn gelangt.317 Gemäss den deutschen Protokollen setzten erste Kontakte mit Vogt Ende August 1943 ein. Vogts Anlaufadresse für die Überbringung der gewünschten Dokumente war die Gestapostelle Feldkirch. Die lokale Gestapo sandte Papiere und Situationsmeldungen nach Ber- lin, die dortige RSHA-Abteilung VI D sowie Klaus Huegel von der Auslandsgruppe VI B instruierten im Gegenzug den Posten Feldkirch. Alois Vogt überbrachte der Gestapo bis zum November 1943 Passunterlagen sowie Personendaten eines Josef Büchel aus der liechtensteinischen Gemeinde Bal- zers. Diese waren für die Planung des RSHA aber unzureichend. Der deutsche USA-Agent benötigte einen auf 1936 rückdatierten Ausweis Büchels, ge- fragt waren Ausstellungsdatum und Passnummer aus den Dreissigerjahren. Am 3. November 1943 teilte der Gestapo-Mann Kühnlein dem RSHA mit, dass Alois Vogt betreffend der früheren Daten Schwierigkeiten sehe.318 Am 18. November wurde dem RSHA gemeldet, dass «Nach Mitteilung des FI. Dr. Vogt» die gewünschten Angaben nicht erhält- lich seien, da die alten Passregister bis zum Jahre 1938 vernichtet wurden.319 
In den Fernmeldeprotokollen zogen sich die deutschen Nachfragen bis in den April 1944 hin und liefen dann ohne Erfolg aus. Wie lassen sich Vogts Verzögerungen gegenüber dem RSHA er- klären? In den Fernschreiben wurde seit Beginn der Aktion wiederholt nach Berlin gemeldet, dass Dr. Vogt «Schwierigkeiten» bei der Datenbeschaf- fung sehe, auch dass er sich in Liechtenstein dabei «gefährden» würde. Vogt bestätigte den schweize- rischen Vernehmungsbehörden, dass ihn Klaus Huegel um die Übermittlung von Passmuster und Heimatschein für einen deutschen Agenten ange- gangen war. Huegel habe auf bisherige Dienste «im Interesse Liechtensteins» hingewiesen. Nach an- fänglicher Kooperation habe er, Vogt, dann die Sa- che «wochen- und monatelang» hinausgezögert.320 Die Mitteilung, dass die benötigten Passformulare vor 1938 vernichtet wurden, entsprach nicht den Tatsachen. Sie erschien Alois Vogt aber geeignet, die Ausstellung des Passes durch den SD zu ver- hindern. Auch den Grenzübertritt des deutschen Agenten Feeser, der im April 1944 in Feldkirch auf- tauchte, habe er schliesslich verweigert.321 Huegel gab zu Protokoll, dass der besagte Agent, «um spä- ter einem Verhör gewachsen zu sein, auch seine angebliche Heimat [Liechtenstein, d. Verf.] in Au- genschein nehmen» sollte.322 «Dieses Ansinnen er- klärte Dr. Vogt unmöglich durchführen zu kön- nen.»323 Für Huegel endete die Aktion Rosl im April 1944. Gemäss Fernmeldekorrespondenz bemühten sich Gestapo und RSHA noch bis in den August 1944 um die Beschaffung liechtensteinischer Per- sonendaten und -dokumente. Alois Vogt scheint in diesen späteren Quellen nicht mehr auf.324 Neben der Aktion Rosl kam der SD im Sommer 1943 in einem anderen Zusammenhang auf den liechtensteinischen Vizeregierungschef zu.325 Alois Vogt erinnerte ein Zusammentreffen in einem SS- Heim am Wannsee in Berlin, wohin ihn Klaus Hue- gel gelegentlich eines Berlinbesuchs einlud. Durch Huegel lernte Vogt damals dessen Vorgesetzten, den SS-Führer Eugen Steimle, Leiter der gesam- ten Westeuropa-Gruppe im Auslands-SD, kennen. Steimle sei nach einem ungezwungen und allge- mein gehaltenen Gespräch konkreter geworden. Er 100
        

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