habe.301 Aus den Gestapo- und SD-Meldungen wird ersichtlich, dass für die deutschen Stellen, insbe- sondere das RSHA, die Bereinigung der Angelegen- heit Blaschke «ausserordentlich eilig» war.302 Die Beziehung Blaschkes zum SD stand unter Geheim- haltung, auf seine Person bezogen sich die internen Korrespondenzen unter stereotyper Verwendung des Decknamens «Hacker(t)». Als eine Zusammen- arbeit mit den liechtensteinischen Behörden erfor- derlich wurde, sollte Blaschke als normaler Krimi- nalfall gelten; gegenüber dem Unterhändler Karl Kriener von der Gestapo Feldkirch unterstrich der SD-Führer Dauser: «Dr. Vogt soll nicht erfahren, was hinter der ganzen Angelegenheit steckt».303 Woher rührte die alarmierte Stimmung beim RSHA und die wiederholte Befürchtung, die Schweizer Behörden würden Rudolf Blaschke in Gewahrsam nehmen? In der ersten Meldung des Gestapokom- missars Hübner wurde lapidar von der «Festnah- me des im Auftrage des Amt VI des RSHA tätigen Hans Flackert» gesprochen. Eine gute Woche spä- ter begab sich dessen «Geschäftspartner» Friedrich Schwend nach Feldkirch, ebenso der SS-Führer Groebl vom RSHA Amt VI (SD Ausland). Aufgrund der damaligen Korrespondenz und der nach dem Kriege erhobenen Auskünfte zu deutschen Geheimdienstunternehmen lässt sich die Dimension des Falschgeldfalles «Blaschke- Schwend» abschätzen. Friedrich Schwend war einer der erfolgreichsten deutschen Devisenver- treiber und -beschaffer im Dienste der SS, des Reichsfinanzministeriums und der militärischen Abwehr.304 Sein Deckname war «Wendig» (sie!).305 Rudolf Blaschke war einer von Schwends Agenten. Seit Sommer 1942 ging eine Spezialabteilung des Amtes VI daran, fälsche Pfundnoten in grosser Auf- lage zu drucken.306 Damit sollten einerseits das bri- tische Währungssystem gestört, andererseits Devi- sen zur Finanzierung eigener Geheimoperationen beschafft werden. Friedrich Schwend organisierte als logistischer Kopf des Unternehmens «Bern- hard» den Vertrieb in Europa. Der damals 27- jährige SS-Obersturmführer Wilhelm Groebl war Schwend vom Amt VI als «Führungsmann» zuge- teilt.307 Als der Pfundvertrieb Blaschkes in Liech-tenstein 
und der Schweiz aufflog, war auch Groebl beunruhigt und instruierte die lokalen Stellen. Huebner berichtete am 10. Dezember, dass Groebl mit ihm gesprochen habe: «Der Fall ist einer der delikatesten überhaupt. Ausser dem Reichsführer [Heinrich Plimmler, d. Verf.] ist nur er [Wilhelm Groebl, d. Verf.] und ein SS-Führer der SD-Leit- stelle München orientiert. Selbst Dauser kennt die Zusammenhänge nicht.»308 Allerdings deckte der SD noch weitere Verbindungen. In einem Bericht des Reichsfinanzministeriums wird zum Fall «Blaschke» nach Abschluss dem Auswärtigen Amt gemeldet: Blaschke sei Ende November 1942 in die Schweiz gereist, um unter anderem «einen Auftrag zu erledigen, der unmittelbar vom Reichswirt- schaftsministerium ausging und sich auf Devisen bezog.»300 Die SD-Führung in Berlin dürfte nach Bekanntwerden der «Panne» in Liechtenstein das grösste Interesse an einer Bereinigung in ihrem Sinne gehabt haben. Eine Auslieferung des Devi- senagenten an die Schweizer Behörden hätte das laufende Falschgeld-Unternehmen einschliesslich der damit betrauten Personen gefährdet. Diese Dimensionen des Falles Blaschke blieben den Liechtensteinern verborgen. Allerdings war auch ihnen, der Regierung und dem Landrichter Risch, klar, dass mit Blaschke kein gewöhnlicher Straf- täter einsass. Alois Vogt erinnerte sich, dass Krie- ner bei seinen Vorsprachen immer andeutungswei- se geäussert habe: «, ».310 Die Übergabe des ad hoc ausge- stellten Auslieferungsantrags gab Hoop und Vogt Anlass, die Rechtswege der Gestapo als vorge- schützte Formalie einzuschätzen und die Justiz für eine baldige Erledigung einzubinden. Schliesslich habe die Regierung Landrichter Risch um die Be- schleunigung der Untersuchung gebeten.311 Indem zugleich der Schein der Legalität gewahrt wurde, suchten sich die Liechtensteiner gegenüber den Schweizer Behörden abzusichern. Alois Vogt habe bei der Lagebesprechung am 17. Dezember darauf hingewiesen, dass eine Kautionsstellung und ein Einvernahmeprotokoll von Schwend vorliegen sollten, «falls die Schweizer Akteneinsicht ver- langen würden».312 98
        

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