DAS ROD- UND FUHRWESEN IM FÜRSTENTUM LIECHTENSTEIN / KLAUS BIEDERMANN Innert dieser zwei Jahre, die zwischen dem Ab- schluss dieser beiden Verträge liegen, muss eine deutliche Machtverschiebung zugunsten der bei- den zentralen Warenumschlagplätze Feldkirch und Fussach stattgefunden haben. Die Rodordnung von 1662 gesteht neu allen Fussachern und Höchstem das Recht zu, Stracksfuhren zu übernehmen. Die Gerichte Rankweil und Sulz hingegen sollten künf- tig nur noch zwei anstatt bisher «vier bis fünf» Stracksfuhrleute stellen. Die im Vertrag von 1660 erwähnten Stracksfuhrleute aus Bauern und Luste- nau wurden 1662 nicht mehr genannt. Sie tauch- ten aber in der späteren Rodordnung von 1676 wiederum auf. Besonders die den Eilgutverkehr betreffenden Regelungen sind immer wieder Abän- derungen unterworfen. Das ist auch ein Hinweis auf häufige Nichteinhaltung von beschlossenen Ab- machungen. Die Rodordnung von 1660 hatte fest- gesetzt, dass die österreichischen Fuhrleute den- selben Anteil am Transport der Rodwaren hatten wie ihre Kollegen aus den Herrschaften Schellen- berg und Vaduz. Die neue Ordnung von 1662 ent- hielt aber den Hinweis, dass diese Fuhren in der Praxis alleine von den Letzteren getätigt wurden. Folglich wollte der neue Vertrag den Rodfuhrleuten aus Altenstadt, Tisis und Tosters (Landgemeinden der Herrschaft Feldkirch) wieder zu ihrem Recht verhelfen und gewährte diesen deshalb das Recht, 15 Fuhren im Voraus zu führen. Der Beschluss, die Abladestation in Altenstadt aufzuheben (Punkt 5 des Vergleichs von 1660) muss als Ergebnis einer langen Auseinanderset- zung zwischen den beiden Ortschaften Feldkirch und Altenstadt gewertet werden. Die Beziehungen, aber auch die Gegensätze zwischen Feldkirch und Altenstadt sind so alt wie die Monfortstadt selbst. Bei dem um 850 genannten «Feldchiricha» (hin- weisend auf eine Kirche «ad campos») handelte es sich nämlich um das heutige Altenstadt. Nach der Gründung der Stadt Feldkirch um 1200 trat Alten- stadt an zweitrangige Stelle. Sein früherer Name ging nun auf die Neusiedlung über. Die Stadt Feld- kirch umfasste ursprünglich nur ein Territorium von 1,3 Quadratkilometer Flächeninhalt und war deshalb stark auf das landwirtschaftliche Umfeld 
angewiesen. Deshalb bemühte sich Feldkirch da- rum, Nutzungsrechte an der Altenstädter Allmend zu erhalten.393 Damit verbundene Streitigkeiten zogen sich über mehrere Jahrhunderte hin.394 Be- sonders auch um die Nutzung des Ardetzenwaldes hatte es - gerade im 17. Jahrhundert - Streit zwi- schen Feldkirch und Altenstadt gegeben. Diese Auseinandersetzung war zeitweise sogar hand- greiflich geworden.395 Die Gemeinde Altenstadt - im Jahre 1925 schliesslich der Stadt Feldkirch ein- gegliedert, umfasste auch den Weiler Levis und reichte folglich bis kurz vor die Tore der Stadt. Die vorhergehenden Verträge definierten das neue Vertragsverhältnis der Herrschaften Schellen- berg und Vaduz mit Österreich. In einer vier Jahre später vereinbarten Abmachung regelten Vaduz und Schellenberg organisatorische Fragen des Rodwesens, die in erster Linie ihr Herrschaftsge- biet betrafen. 385) Ebenda. Zu den Umgeldern siehe Kapitel «Wirtshäuser» auf S. 97-106. 386) Ebenda. 387) Diese Problematik ist auf S. 118 ausführlich dargestellt. 388) Es werden die einzelnen Orte aufgezählt: Rankweil. Sulz. Röthis. Weiler, Klaus, Götzis und Mäder. 389) «ohne dem Stoker, oder Ulrich Vegelin» (vgl.: LLA RA 20/6). 390) LLA RA 20/8/3: Vergleich von 1662 zum Rodwesen. 391) Mähne bedeutet Fuhrwerk; vgl. hierzu Anmerkung 83. 392) Ebenda. 393) Wanner, Gross-Feldkirch, S. 510. 394) Ebenda. 395) Bilgeri, Stadt Feldkirch, S. 274: «Feindselig bewegte man sich viele Jahre am Rande gewalttätiger Entladung. Im Frühling 1666 kamen Oswald Thoma und Klaus Meyer von Altenstadt nach Feld- kirch, wo sie bei einem Heuverkauf nicht zu ihrem Geld kamen. Vom Weine erhitzt, vollbrachten sie  und rissen dem eingreifenden Staatsdiener die  [LivreeJ zweimal vom Hals und warfen sie zu Boden. ...» Noch am Fasnachtsdienstag 1685 wurde Ignaz Thoma von Altenstadt in Feldkirch totgestochen. Der Täter Franz Reisch von Feldkirch konnte entkommen. 73
        

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