DAS ROD- UND FUHRWESEN IM FÜRSTENTUM LIECHTENSTEIN / KLAUS BIEDERMANN GESETZLICHE BESTIMMUNGEN ERSTE RODORDNUNGEN IM MITTELALTER UND IN DER FRÜHEN NEUZEIT Als Gradmesser für den Waren- und Personenver- kehr im rechtsufrigen Rheintal diente bereits im Hochmittelalter die Siedlung Fussach, ein am Süd- ufer des Bodensees gelegenes Dorf, das bereits im Jahre 1092 urkundlich erwähnt wurde.332 Dieser Verkehr reichte aber «weiter zurück als jede Ur- kunde»,333 passierte er doch laut Aussage der Ritter von Neuburg von 1363 schon lange davor ihre Burg bei Koblach und ging dann weiter dem Rhein entlang hinauf. Weiter südlich folgte eine Abzwei- gung in Richtung Südosten und schliesslich er- reichte der Verkehrsweg über die alte Iiibrücke die bereits 842 erwähnte Verkehrssiedlung Pontilles (später auch Iiibrugg oder Heiligkreuz genannt). Dabei passierte diese Strasse auch das spätere Feldkirch, das in der Stiftungsurkunde für das Jo- hanniter-Kloster im Jahre 1218 erstmals als Stadt genannt wurde.334 Der Stifter, Graf Hugo von Mont- fort (gestorben um 1230), war im Jahre 1219 Teil- haber am Vertrag zwischen dem Bischof von Chur und der Stadt Como zur Sicherung des Handelsver- kehrs über die Bündner Pässe.335 Die Städte Chur und Feldkirch waren auch später durch den Han- delsverkehr eng verbunden. Zwischen dem Bischof von Chur als Inhaber des Churer Zolles und dem Grafen von Montfort als Inhaber des Zolles der Stadt Feldkirch bestand seit 1372 ein vertragliches Verhältnis über gegenseitige Zollerleichterungen. Darin hiess es: «Was ein Bürger von Chur in der Stadt Chur verzollt, das soll auch ein Bürger von Feldkirch in Chur verzollen, nämlich Salz und nicht anders, wie seit alters Sitte und Gewohnheit gewe- sen ist ohne jeden Betrug. Und was ein Bürger von Feldkirch in der Stadt Feldkirch verzollt, das soll auch ein Bürger von Chur in Feldkirch verzollen, nämlich Wein und nicht anders, wie von alters her Sitte und Gewohnheit gewesen ist.»336 Dieser soge- nannte «Montfortische» Zollvertrag überdauerte mehr als vier Jahrhunderte.337 
Der Rod- und Etappenverkehr war damals schon die übliche Art des Gütertransports.338 Ein Mailänder Verzeichnis der Transportkosten für Wollballen führte um 1390 die einzelnen Stationen 321) Bielmann. Lebensverhältnisse im Urnerland, S. 129 f. 322) Sohn des Landammanns Leontius Frick, vgl.: Familienstamm- baum im Anhang auf'S. 169. 323) Egidius Nipp (1724-1800) war verheiratet mit Anna Maria Brunhart; vgl. Tschugmell, Balzers, S. 189. 324) LLA RA 21/327: Hausmeisterwahl vom 24. August 1794 in Balzers. Joseph Leonz Frick erhielt 53. Anton Burgmayer 18 und Joseph Kaufmann sieben Stimmen. 325) LLA RA 21/477: Bei der Wahl am 24. August setzte sich Büchel gegen seine Mitbewerber Schmied Joseph Kaufmann, Weggeldein- zieher Joseph Wolfinger, Baptist Büchel sowie Baptist Vogt durch. Andreas Büchel (1762-1846) heiratete 1788 Katharina Vogt (1763- 1843) - Vgl.-. Tschugmell, Balzers, S. 17. 326) Joseph Kindle (1762-1832) war mit Christina Vogt (1767-1832) verheiratet. - Vgl. Tschugmell, Balzers, S. 152. 327) LI.A RA 21/534: Der bisherige Hausmeister Kindle wurde am 24. August 1803 in seinem Amt bestätigt. Kindle amtierte als Hausmeister bis 1811. Bei der Hausmeisterwahl am 25. August 1811 wurde er abgewählt: Johann Baptist Büchel erhielt 60 Stim- men, Hausmeister Joseph Kindle nur 34. - Vgl. LLA RB R 3. 328) Johann Baptist Büchel (1761-1839). Sohn des Johann Baptist Büchel sen. und der Barbara Boler, stammte aus Mäls. Er ehelichte Franziska Frick, geboren 1764 als Tochter des Joseph Leontius Frick und der Katharina Frick. 329) LLA RA 21/52. Wahl zum Hausmeister am 31. Dezember 1789. Der Krämer und Wirt Johannes Schlatter zahlte in Schaan ab 1775 jährlich den Schutztaler als Hintersasse. 1784 erfolgte durch Zah- lung von 20 Gulden die Einbürgerung. Schlatter starb 1817; vgl.: Stammtafeln Schaan. S. 14. 330) LLA RA 21/150. 331) LLA Rechnungsbücher des Rentamts: LLA RA 21/334: Notiz des Feldkircher Hausmeisters zu Fuhrlohn-Berechnungen 1794. 332) Bilgeri. Stadt Feldkirch, S. 88. 333) Ebenda. 334) Bilgeri. Stadt Feldkirch, S. 366 und Vallaster, Feldkirchs Vergangenheit, S. 57. Die Stadtgründung erfolgte vermutlich vor 1190. 335) Urkunde vom 17./18. August 1219. Abdruck im Bündner UB IL Nr. 607; erwähnt bei: Bilgeri, Stadt Feldkirch, S. 93. 336) Bilgeri. Stadt Feldkirch, S. 164. 337) Ebenda. 338) Rigendinger, Verkehr und Verkehrssicherheit im Mittelalter, S. 31 f. 63
        

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