DAS ROD- UND FUHRWESEN IM FÜRSTENTUM LIECHTENSTEIN / KLAUS BIEDERMANN Organisation des Rodverkehrs ZUSCHGEN, KAUFHÄUSER UND HAUS- MEISTER ZUSCHGEN UND KAUFHÄUSER: BEGRIFFE, STANDORTE UND FUNKTIONEN Noch im Jahre 1651 wurde festgestellt, dass die Feldkircher Kaufleute ihre Waren nach alter Ge- wohnheit oftmals in ihren eigenen Häusern lager- ten.291 Die Errichtung eines neuen beziehungswei- se die Einrichtung eines bestehenden Gebäudes als Warendepot erfolgte erst wesentlich später. Für Lu- zern ist nachgewiesen, dass Privatleute, im speziel- len Wirte, Lagerräume zur Verfügung stellten.292 Dort bestand seit Ende 1545 ein separates Gebäu- de als Aufbewahrungsort für Handelsgüter.293 In Feldkirch wurde bereits um das Jahr 1400 der Bau eines solchen Gebäudes geplant. Die Verwirkli- chung dieses Vorhabens erfolgte indes erst einige Jahrzehnte später.294 Eine solche Lagerhalle wurde Zuschg295 oder auch «Sust»296 genannt. Der Name «Sustenpass» weist zum Beispiel darauf hin, dass sich auf diesem Alpenübergang zwischen Innert- kirchen (Berner Oberland) und Wassen (Uri) einst ein solches Lagerhaus befand. Ein Briefregister der Feldkircher Pfarrpfründe St. Nikolaus bezeichnete im Jahre 1490 ein ne- ben dem Spital gelegenes Haus als «Koffhus», das heisst, es diente in erster Linie als Markthalle und in zweiter Linie auch als Lagerhalle.297 Dieses zen- tral in der Nähe des Marktes stehende Gebäude, das heutige Rathaus, enthielt noch im 18. Jahrhun- dert im Erdgeschoss eine Kornhalle. Tuchhändler verwendeten den oberen Stock als Raum zur Aus- lage ihrer Produkte. Eine Inschrift an der Aussen- fassade weist heute auf den ehemaligen Verwen- dungszweck dieser Räumlichkeiten hin. Die Zuschg befand sich immer direkt an der Durchgangsstrasse. Das Kaufhaus stand meist in unmittelbarer Nachbarschaft.298 Fast immer war in der Nähe von Zuschg und Kaufhaus auch ein Wirts- haus zu finden. In (beinahe) allen liechtensteini- schen Ortschaften, durch welche die alte Handels- strasse von Chur nach Feldkirch führt, ist die 
277) Vgl. auch S. 23-36. 278) Ospelt. Wirtschaftsgeschichte. S. 361. 279) Ebenda. 280) LLA RA 6/1/1: Projekt zur Schaffung einer verbesserten Zoll- ordnung in Liechtenstein, 1789. 281) Ospelt. Wirtschaftsgeschichte. S. 361. 282) Ebenda. 283) Ebenda, S. 362. Liechtenstein hätte, nun nicht mehr an Reichs- gesetze gebunden, die Möglichkeit gehabt, den Transitzoll massiv zu erhöhen. Es wurde aber darauf verzichtet, weil man nicht den Durchgangsverkehr an die Schweizer Rheintalseite verlieren wollte. 284) LBS, S. 193 ff. 285) Ebenda. S. 199 f. 286) Körner. Luzerner Staatsfinanzen, S. 112. 287) Ospelt, Wirtschaftsgeschichte. S. 362 und 364. Das OA Vaduz plante eine Anpassung des liechtensteinischen Zolltarifs an die bayerischen Gebühren, was eine 20 bis 40-fache Erhöhung bedeutet hätte. Der Plan wurde aber wieder fallengelassen. 288) Detaillierte Zahlen der Zolleinnahmen im Anhang auf S. 148- 150. - Vgl. auch Notiz zum Flossverkehr auf S. 36, zweiter Ab- schnitt. 289) Ospelt, Wirtschaftsgeschichte, S. 187. 290) Vgl. auch Zahlen im Anhang auf S. 148. 291) Bilgeri, Stadt Feldkirch, S. 243. 292) Wicki. Luzern im 18. Jahrhundert, S. 452 f. 293) Ebenda. Das Luzerner Depot für Handelswaren stand auf dem Kapellplatz. Es blieb bis ins Jahr 1860 in Verwendung. 294) Bilgeri, Stadt Feldkirch. S. 243: Laut Urkunde erneuerte Herzog Friedrich 1436 die Erlaubnis zum Bau eines Warendepots. Dieser Bau musste bald darauf geschehen sein. Denn ein Schriftstück von 1459 erwähnt das Haus des Albrecht Waibel in der Feldkircher Neustadt, welches als Warenablade verwendet wurde. 295) Vgl. Vorarlbergisches Wörterbuch, Bd. 2, Sp. 1766: Zuschg, f., Wagenschuppen mit Toren an beiden Schmalseiten zur Durchfahrt: Unterstandsort für Fuhrwerke. Lagerhaus für Waren. 296) Vgl. Grimm, Wörterbuch. Bd. 20, Sp. 1278: Suste. f., Öffent- liches Lagerhaus. Schweizerdeutsches Lehnwort aus dem alpen- romanischen engadinischen suosta. «Stall auf der Alpe», lombar- disch sost(r)a, «Magazin», beide Begriffe aus dem lateinischen Wort substare, «unterstehen». 297) Bilgeri, Stadt Feldkirch, S. 243. 298) Die Quellen nehmen nicht immer eine klare Trennung von Zuschg und Kaufhaus vor. In manchen Fällen, dies gilt besonders für kleinere Ab- und Umladestationen, können die beiden Gebäude sogar als identisch angesehen werden. 55
        

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